Weil BSI vor russischem Virenschutz warnt

„Kaspersky als Antiviren-Anwendung auf den Prüfstand stellen“

Seit einigen Wochen warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der Antiviren-Software von Kaspersky. Kevin Püster, Geschäftsführer des Berliner IT-Dienstleisters Perseus Technologies, schätzt Kaspersky ein und gibt Tipps, wie sich Nutzer verhalten sollten.
Kevin Püster, Geschäftsführer von Perseus Technologies
© Perseus Technologies
Kevin Püster, Geschäftsführer von Perseus Technologies: „Generell hat das Risiko von Cyber-Attacken erheblich zugenommen“

Kurz nachdem Russland den Krieg gegen die Ukraine begann, warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor dem Virenschutz des russischen Unternehmens Kaspersky. Dabei hieß es:

Ein russischer IT-Hersteller kann selbst offensive Operationen durchführen, gegen seinen Willen gezwungen werden, Zielsysteme anzugreifen, oder selbst als Opfer einer Cyber-Operation ohne seine Kenntnis ausspioniert oder als Werkzeug für Angriffe gegen seine eigenen Kunden missbraucht werden.

Was ist da dran, und was müssen Anwender nun tun? Sagen wir mal so: Nicht jeder Marktteilnehmer will sich dazu äußern. Offenbar ist das Thema knifflig. Doch jetzt sind wir beim IT-Dienstleister Perseus aus Berlin fündig geworden. Der arbeitet unter anderem mit dem Versicherer HDI in Sachen Cyber-Versicherung zusammen.

Pfefferminzia: Für wie plausibel halten Sie die Warnung des BSI?

Kevin Püster: Generell hat das Risiko von Cyber-Attacken im Zuge des Krieges zwischen Russland und der Ukraine erheblich zugenommen. Regierungen, Unternehmen und in Einzelfällen auch Privatpersonen, die sich der russischen Invasion in der Ukraine entgegenstellen oder die Ukraine unterstützen, sind möglicherweise direkten böswilligen Aktivitäten russischer Cyber-Krimineller oder verbündeter Hackergruppen ausgesetzt. Entsprechend können Deutschland und deutschsprachige Unternehmen in den Fokus rücken. Vor allem Phishing-Angriffe, DDoS-Attacken, aber auch die Verbreitung von Falschinformationen sind vermehrt zu erwarten.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Kaspersky-Software?

In den vergangenen Jahren hat Kaspersky bei vielen Qualitätstests sehr gut abgeschnitten. Für Unternehmen ist das Programm einfach und auf allen relevanten Betriebssystemen wie Windows, MacOS, Android und IOs schnell installiert, die Antwortzeiten bei einem Malware-Befund sind kurz und die Isolierung der kompromittierten Anwendungen erfolgt schnell. Wie alle Sicherheitsplattformen verzeichnet Kaspersky hin und wieder False-Positive-Meldungen. Dabei handelt es sich um als Malware klassifizierte Software, die eigentlich in Ordnung ist.

Seite 2: „Sollten Kaspersky-Nutzer jetzt sofort wechseln oder noch abwarten, Herr Püster?“

Sollten Kaspersky-Nutzer jetzt sofort wechseln oder noch abwarten?

Wie das BSI und andere Cyber-Sicherheitsexperten empfehlen wir, die weitere Verwendung von Kaspersky als Antiviren-Anwendung auf den Prüfstand zu stellen. Aktuell liegen keine Erkenntnisse vor, dass das Programm für schädliche Manipulationen oder Cyber-Angriffe genutzt wird oder vorgesehen ist. Allerdings kann dies vor dem Hintergrund der weiteren politischen Entwicklungen nicht ausgeschlossen werden.

Welche Alternativen halten Sie für besonders geeignet?

Es gibt eine Vielzahl von vertrauenswürdigen Anwendungen, die einen ähnlich guten oder sogar besseren Schutz vor Viren und Schadprogrammen bieten. Eine eindeutige Produktempfehlung können wir nicht abgeben, aber mögliche Optionen auflisten. Die Entscheidungskriterien sind je nach Umfeld und Unternehmen unterschiedlich. Neben der Erkennungsrate und Performance-Parametern sollten im Zuge des Auswahlprozesses die Lizenzkosten analysiert und ein genauer Blick auf die Handhabung der Datenverarbeitung geworfen werden. Diese sollte unbedingt den europäischen Datenschutzrichtlinie DSGVO entsprechen. Unternehmen können im Auswahlprozess Lösungen wie die des aktuellen Stiftung-Warentest-Siegers Bitdefender oder die mittlerweile recht gute, kostenfreie Windows-eigene Anwendung Defend beziehungsweise die Programme von McAfee, GData oder F-Secure berücksichtigen

Kann man Kaspersky-Software einfach deinstallieren, oder gibt es dabei Dinge zu beachten, damit keine Reste bleiben?

Wird eine Firmenkunden-Lizenz verwendet, muss der Admin-Server abgeschaltet werden, sofern dieser vom Unternehmen selbst gehostet wird. Betreibt ein externes IT-Dienstleistungsunternehmen den Admin-Server, sollten Firmen entsprechend Kontakt zu ihren Ansprechpersonen aufnehmen. Auf den Endgeräten reicht eine Deinstallation meistens aus. Bei der Deinstallation von Software gibt es keine hundertprozentige Sicherheit, dass alles unwiederbringlich von der Festplatte gelöscht wird. Wer seine Festplatte restfrei von allen Datenartefakten befreien möchte, sollte diese formatieren.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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