Sechs Hauptrisiken ermittelt

Bafin warnt vor Niedrigzins und Cyber-Gefahren

Die Finanzaufsicht hat festgelegt, welche sechs Risiken für die Finanzlandschaft in Deutschland derzeit besonders gefährlich sind. Und was sie dagegen tun will.
Hochhaus der EZB in Frankfurt
© picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
EZB-Zentrale in Frankfurt: Das Niedrigzinsniveau ist zur Gefahr für Versicherer geworden.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat sich entschieden, welche sechs Hauptrisiken die Finanzwirtschaft bedrohen. Sie betreffen – direkt oder indirekt – auch die Versicherungsbranche. Folgende sechs Punkte enthält der Bericht „Risiken im Fokus der Bafin“ somit:

  1. Risiken aus dem Niedrigzinsumfeld
  2. Risiken aus Korrekturen an den Immobilienmärkten
  3. Risiken aus signifikanten Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
  4. Risiken aus dem Ausfall von Unternehmenskrediten
  5. Cyberrisiken
  6. Risiken aus unzureichender Geldwäscheprävention

Dabei betreffen die Punkte 2, 3 und 4 die Versicherer vor allem in ihrer Rolle als Investoren. Indem sie Anleihen, Häuser, Grundstücke und zu geringem Teil auch Aktien kaufen beziehungsweise Kredite vergeben. An diesen Märkten sieht die Bafin erhöhte Risiken, die sich je nach Markt aus gestiegenen Preisen, drohender Rezession, Inflation und steigenden Zinsen speisen. Preise und Kurse könnten somit sinken oder gar einbrechen, Kredite könnten ausfallen. Wobei die Bafin Lebensversicherer vor allem auf dem Markt für Gewerbeimmobilien unterwegs sieht.

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Bei Punkt 1, dem Niedrigzinsumfeld, spielt die Bafin – nicht ganz neu – darauf an, dass niedrige Zinsen insbesondere früher einmal ausgesprochene Garantien gefährden. Zwar heißt es einschränkend, dass „die Lebensversicherungssparte aktuell überwiegend robust dasteht“. Aber auf der Hut sein sollte man trotzdem.

Daneben sieht die Behörde das Risiko, dass Kunden Produkte verkauft bekommen, die nicht zu ihnen passen. Zum Beispiel welche ohne Garantien oder mit übertriebenen Renditeaussichten, heißt es.

Cyber-Risiken hingegen sieht die Bafin als besonders stark wachsendes Risiko. Entscheidend sei somit, wie sich Finanzunternehmen vor Angriffen und internen Problemen schützen, und wie widerstandsfähig ihre Technik ist. Die Bafin wolle deshalb bei Unternehmen eben diese IT verstärkt prüfen und dann sehen, was zu tun ist.

Insgesamt hat die Bafin mit Versicherern außerdem folgendes vor:

  • Sie setzt ihre intensivierte Aufsicht über die vom Niedrigzinsumfeld besonders betroffenen Lebensversicherer und Pensionskassen fort.
  • Sie konsultiert ein Rundschreiben, um Aufsichtsstandards für eine angemessene Vertriebsvergütung bei Lebensversicherungsunternehmen zu etablieren.
  • Die Kreditvergabestandards fortlaufend analysieren und notfalls eingreifen.
  • Über Szenarioanalysen prüfen, wie gut Versicherer mit sinkenden Immobilienpreisen klarkommen.
  • Über Szenarioanalysen prüfen, wie gut Versicherer mit herabgestuften Anleihen klarkommen.

Als Zukunftsrisiken hat die Bafin übrigens die Digitalisierung und Nachhaltigkeit ausgemacht. Beide will sie verstärkt auf den Schirm nehmen.

Den gesamten Bericht können Sie hier herunterladen.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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