Die Waldenburger über Gas und Atomenergie

„Das wäre aus unserer Sicht Greenwashing“

Nächster Teil unserer Umfrage zum Thema: Sind Atom- und Gaskraft wirklich nachhaltig? Auch wenn die EU-Kommission das behauptet? In diesem Teil haben die Vorstände Thomas Gebhardt und Antonio Niemer von der Waldenburger Versicherung die Fragen gemeinsam bearbeitet und beantwortet.
© Waldenburger Versicherung
Vorstandsmitglieder der Waldenburger Versicherung: Thomas Gebhardt (links) und Antonio Niemer

Pfefferminzia: Sind Atom- und Gaskraftwerke wirklich nachhaltig?

Wir sehen Atom- und Gaskraftwerke langfristig nicht als nachhaltig an. Aber um die Ziele hinsichtlich der Klimaerwärmung nach Pariser Vorgaben bis 2030 erfüllen zu können, zeigt diese Technologie kurzfristige Lösungen auf. Diese Ziele werden mit den aktuellen Braunkohlekraftwerken nicht zu erreichen sein. Ebenso werden die erneuerbaren Energien bis dahin nicht in ausreichender Größe und Anzahl vorhanden sein.

Mit maximal 270 Gramm je Kilowattstunde liegt der Emissionswert neuer Gaskraftwerke weit unter denen von … sagen wir mal … Braunkohlekraftwerken mit 940 Gramm. Brauchen wir nicht solche Technologien, um Blackouts zu verhindern?

Wir brauchen Lösungen, um im Bedarfsfall Energieengpässe ausgleichen zu können. Idealerweise sind das Speichermedien, deren Leistung bei Bedarf abgerufen werden kann. Sofern keine anderweitigen Konzepte/Lösungen in ausreichender Zahl vorhanden sind, können natürlich auch Gaskraftwerke diesen Schutz leisten.

Vor allem klassische Energieaktien und -anleihen kamen zuletzt mit enorm günstigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen daher. Sollte man solche Renditechancen nicht nutzen und dann die Unternehmen als Aktionär beeinflussen?

Eine Kapitalbereitstellung bei solchen Titeln, auch aus der strategischen Zielsetzung der Beeinflussung, ist nicht unsere Vorgehensweise, um der Klimaerwärmung zu begegnen. Dies zeigt nur, dass die Ertragschancen unter dem Vorwand eines Veränderungswillens in den Vordergrund gerückt werden. Diese Vorgehensweise ist aus unserer Sicht mit Greenwashing gleichzusetzen.

Welche Rolle spielt die Taxonomie generell in Ihren Anlagerichtlinien?

Bereits seit 2017 haben wir unsere Kapitalanlagen dem Nachhaltigkeitssiegel der DZ-Bank unterworfen. Somit haben wir auf freiwilliger Basis die ersten Schritte hin zu einem nachhaltigen Versicherer gemacht. Unsere neue Ausrichtung wird sich an dem Grad-Celsius-Ziel der Erderwärmung des Pariser Klimaabkommens orientieren. Unser langfristiges Ziel ist es, nur Kapitalanlagen zu halten, die unter der 2-Grad-Grenze liegen. Bis dahin müssen sich allerdings viele Branchen neu organisieren und es wird viele Jahre dauern, bis das Portfolio entsprechend ausgerichtet ist.

Wie teilt sich das von Ihnen verwaltete Vermögen prozentual in nachhaltig und herkömmlich auf?

Alle handelbaren Wertpapiere haben das Nachhaltigkeitsrating der DZ Bank durchlaufen. Wertpapiere, die während der Laufzeit als nicht mehr nachhaltig eingestuft werden, werden sukzessive wieder verkauft. Bei Neuanlagen achten wir seit 2021 zusätzlich auf die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Die Details zu unseren Investments finden Sie in unserem auf freiwilliger Basis erstellten Nachhaltigkeitsbericht auf unserer Homepage.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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