Pfefferminzia: Welche Vorteile hat es, wenn Vermittlerinnen und Vermittler bereits im Beratungsgespräch eine Risikoprüfung durchführen können?
Katrin Bornberg: Es gibt eine Reihe an Vorteilen, aber der Beratungs-strategische Aspekt, das Beratungsgespräch „im Sichtbereich“ durchführen zu können, ist sicher der größte. Die Risikoprüfung gehört unbedingt an den Beginn des Beratungsprozesses. Eine Rückblende macht das deutlich: im traditionellen Beratungsgespräch findet die Risikoprüfung erst nachgelagert statt. Vermittlerinnen und Vermittler haben dann bereits ein bis zwei Gespräche inklusive umfangreicher Vorbereitung investiert, passende Versicherer und Produkte ins Auge gefasst und Prämien berechnet. Dann erst gehen die beantworteten Gesundheitsfragen an den oder die Versicherer. Das zeitversetzte Ergebnis der Risikoprüfung erfordert einen weiteren Termin und kann das komplette zeitliche Investment der Vermittler ad absurdum führen und die Kundenbeziehungen belasten. Beispielsweise bei Zuschlägen, Klauseln oder gar einer Ablehnung. Das ist nicht nur ärgerlich und betriebswirtschaftlich unsinnig, sondern wirkt auch unprofessionell.
In Zeiten, in denen Kundinnen und Kunden selbst komplexe Fragestellungen über Suchmaschinen oder Apps lösen können, passt ein manuell-zeitversetzter Prozess nicht mehr. vers.diagnose bietet demgegenüber eine Revolution. Die Risikoprüfung findet bereits zu Beginn des Beratungsgesprächs in Echtzeit über bis zu 25 Versicherer zeitgleich statt. Direkt nach der Beantwortung der Gesundheitsfragen stehen die Risikoprüfungsergebnisse innerhalb weniger Sekunden zur Verfügung. Es gibt nur ein Fragenset für alle Versicherer und die Ergebnisse entsprechen den Resultaten, die man auch direkt beim Versicherer erhalten würde. Die Individualität der Entscheidungen bleibt also erhalten. vers.diagnose bietet somit einen überlegenen Prozess an, bei dem Vermittlerinnen und Vermittler die komplette Kontrolle über den Beratungsprozess behalten und die Ergebnisse der Risikoprüfung direkt in die Beratung einfließen lassen können. Sogar ein Risikozuschlag wird korrekt in der Prämienberechnung berücksichtigt und Klauseltexte liegen im Original vor.
Integriert in unsere Angebots- und Vergleichsplattform fb>xpert erhalten Vermittler die komplette Transparenz über Anbieter- und Produktqualität, exakte Preise und Risikoprüfungsergebnisse. Der Prozess bietet zudem alle Schritte, die für eine Online- beziehungsweise Videoberatung erforderlich sind. Inklusive am Bildschirm befüllbarer Anträge und elektronische Unterschrift. Viele Vermittlerinnen und Vermittler haben damit in Zeiten der Kontaktbeschränkungen mehr Biometrie-Geschäft gemacht als in der persönlichen Beratung bei den Kunden.
Ist eine voll automatisierte Risikoprüfung in der Arbeitskraftabsicherung heute schon darstellbar?
Mit vers.diagnose ist genau das möglich. Durch das dynamische Fragenset werden auch komplexere gesundheitliche Situationen abgebildet. Selbst wenn zusätzliche Fragebögen noch erforderlich sein sollten, sind diese oft bereits in vers.diagnose hinterlegt. Das Ergebnis der Prüfung liegt nach wenigen Sekunden vor und kann als PDF generiert und dem Antrag beigefügt werden. Wird die elektronische Unterschrift genutzt, braucht man auch keinen Systembruch mehr in Kauf nehmen, zumal selbst der Klauseltext von den Kundinnen und Kunden mit der Unterschrift bestätigt wird.
An welcher Stelle hakt es in aller Regel noch?
Die Knackpunkte konnten wir in inzwischen acht Jahren Praxiseinsatz immer weiter reduzieren. Ab und zu hakt es noch im Verständnis auf der Anwenderseite. Gelegentlich wird vers.diagnose mit einer Voranfrageplattform verwechselt, aber vers.diagnose leistet viel mehr und gibt sofort ein Ergebnis der Risikoprüfung aus. Wer das als Anwender falsch einordnet, stellt erneut einen Antrag beim ausgewählten Versicherer und kann unter Umständen ein abweichendes Ergebnis erhalten, weil die Gesundheitsfragen des Versicherers möglicherweise etwas anders beantwortet wurden. Eine erneute Beantwortung der Fragen ist aber nicht erforderlichen, denn die Risikoprüfung wird von vers.diagnose nach den Spielregeln jedes teilnehmenden Versicherers direkt automatisch durchgeführt. Dafür pflegt jeder Versicherer seine individuellen Regeln detailliert im Vorfeld auf der Plattform ein. Ein weiterer Punkt, bei dem es beim Verständnis der Anwenderinnen hapern kann, ist die Idee, dass man vers.diagnose nur für komplexe Vorerkrankungssituationen einsetzt. Tatsächlich ist die Plattform aber nicht für hoch-komplexe Konstellationen entwickelt, sondern für die Masse des Geschäfts.
Wie zuverlässig ist das Prozedere?
Das Prozedere ist durch den jahrelangen Praxiseinsatz gehärtet. In sehr seltenen Fällen kann es zu Rückfragen von Versichererseite kommen, wenn Unklarheiten verbleiben. Zu 100 Prozent abgesicherte Plausibilitäten gibt es faktisch nicht. Solche Fälle liegen aber eher im Promillebereich.
Wo liegen die Grenzen der digitalen Risikoprüfung?
Die Grenzen der Automatisierung sind vergleichbar mit anderen Automatisierungsprozessen. Sobald es sich um sehr komplexe Vorerkrankungssituationen handelt, kommt die Automatisierung an ihre Grenzen. Wir können derzeit rund 70 Prozent des Geschäftes automatisch abbilden. Für die nicht automatisierungsfähigen Fälle kann die Abwicklung dennoch über vers.diagnose erfolgen. So können die medizinischen Unterlagen über eine gesicherte Verbindung direkt zum zuständigen Risikoprüfer bei den betreffenden Versicherern hochgeladen werden. Die Kommunikation inklusive Ergebnisübermittlung findet dann ebenfalls über die Plattform statt. Ein sehr komfortabler Weg also auch für komplexe Fälle.
Fallen Entscheidungen bei unternehmensübergreifend vergleichenden Tools aufgrund des Einheitsfragebogens kritischer aus, als wenn ein Risikoprüfer einer Gesellschaft sie individuell trifft?
Zu dem Fragebogen bestehen oft Missverständnisse. Es handelt sich bei vers.diagnose nicht um einen einfachen Einheitsfragebogen, so wie er früher oft verwendet wurde. Vielmehr gibt es ein einheitliches übergeordnetes Fragenset, das in die Details verzweigt, sobald eine Frage positiv beantwortet wurde. Durch die kaskadenförmig aufgebauten Fragen wird jeder Fall individuell im Detail abgebildet, zusätzliche Fragebögen sind oft obsolet. Eine restriktivere Risikoprüfungsentscheidung ist daher überhaupt nicht erforderlich.