Die Depots sind mit Beginn der Corona-Krise zuhauf zusammengekracht. Ein paar Glückliche sind rausgegangen, und nur die wenigsten werden den optimalen Wiedereinstiegszeitpunkt finden. Aber eines ist glücklicherweise noch nicht passiert: Dass die Deutschen jetzt wieder sagen, dass Aktien Teufelszeug seien, wie zu Zeiten der Dotcom-Blase.
Das wäre auch den Versicherern zu wünschen, wo sich einige zu Börsen-Höchststand-Zeiten als Alternative zum klassischen Bank-Depot oder zu den immer zahlreicher werdenden Robo-Advisors positioniert haben. Zum einen natürlich, um ein Stück des Kuchens abzubekommen. Zum zweiten, weil Fonds in der Versichererbilanz mehr Spaß machen als Zins-Garantien. Und zum dritten, weil das Angebot absolut seine Berechtigung hat.
Natürlich denken die Produktentwickler dabei auch, und wahrscheinlich sogar vor allem, an die Versicherungsmakler, die mit Paragraf 34f GewO weder etwas am Hut, geschweige denn die entsprechende Zulassung haben. Aber auch alle anderen sollten einen Blick riskieren.
Recht mustergültig hat das nämlich die Alte Leipziger mit dem AL Flex-Invest FR30 gemacht. Warum gleich zu Beginn die Lorbeeren? Das Produkt ist „straight and simple“ und das ist in der Kombination „Versicherung und Fondsanlage“ schon ein Kunststück an sich.
Das reicht auch fast schon, um das zu wissen, was man wissen muss. Fast, denn die Kostensituation ist natürlich in Zeiten der Transparentwerdung von Finanzprodukten essenziell: In der Höchststufe werden dem Kunden 1,2 Prozent jährlich aufs Nettoanlagevermögen belastet.
Die teilen sich Alte Leipziger und der Vermittler nach einem in der Vereinbarung festzulegenden Schlüssel. Es kann auch rabattiert werden bis hinunter auf 0 Euro für den Makler. Dazu kommen auf jeden Fall die Fondskosten. Die können wiederum bis auf homöopathische Dosen runtergefahren werden. Ein Global-Portfolio mit 50 Prozent Renten und 50 Prozent Aktien aus Dimensional-, Vanguard- und iShares-ETFs kostet gerade mal 0,15 Prozent. Addiert käme man in der Vollkosten-Version damit auf 1,35 Prozent laufende Kosten. Ein Templeton Growth Fonds hat 1,83 Prozent laufende Kosten pro Jahr und in der Regel kommt ein Ausgabeaufschlag noch dazu, plus Depotgebühren, Orderkosten, etc.
Voreingestellt sind im Rechner 90 Jahre als Endalter für den Versicherungsnehmer. Das bringt auf dem Angebot traumhafte Rentenfaktoren, was aber nicht der eigentliche Sinn der Sache ist, sondern freilich dazu da, um die Laufzeit bis zum endgültigen Rentenbeginn maximal hinauszuzögern. Denn – man neigt schnell dazu, das zu vergessen: Wir haben es hier immer noch mit einer Rentenversicherung zu tun.
Eine Rentenversicherung, die auf Wunsch noch etwas Schnickschnack bereithält: Anlaufmanagement am Anfang, Re-Balancing oder die hauseigene „Intelligente Anlagesteuerung (IAS)“ während der Laufzeit und das Ablaufmanagement am Ende gehören aber eigentlich fast schon zum guten Ton. Nicht aber die App. Die heißt bei der Alten Leipziger „Fin4you“ und zeigt dem Kunden den aktuellen Depotstand an, auch Fonds kann er da selber wechseln. Chic.
Die ganz entscheidende Abweichung, um hier auch gleich einmal mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufzuräumen: Fonds in einem Versicherungsmantel sind kein Sondervermögen. Nach Paragraf 125 (5) VAG gehört das Vertragsvermögen in einer Fondspolice zum Sicherungsvermögen des Versicherers, das heißt ein Insolvenzverwalter hat darauf im Fall des Falles Zugriff, ganz klar.
In der Praxis wird die Bafin erst einmal anordnen, dass die Verträge auf den Auffangfonds Protektor übertragen werden. Nach Paragraf 222 VAG sind zwar Kürzungen der Garantien möglich und nach Paragraf 314 (19) VAG sogar ein vorübergehendes Zahlungsverbot. Aber auch hier ist wahrscheinlicher, dass die Aufsicht ein solches Verbot nur auf die Sparten des Versicherers beschränken würde, die die Notlage hervorgerufen haben. Fondspolicen dürften da als letztes dazuzählen.
Ins Feld geführt werden auch gerne Steuervorteile. Da wird die Fondspolice nur im Vorteil sein, wenn entweder der Vertrag zwölf Jahre geführt und erst nach dem 62. Lebensjahr kapitalisiert wird (also als Altersvorsorge herhalten soll). Oder wenn regelmäßige Fondswechsel stattfinden. Aber sind wir ehrlich: Wir als Makler wollen doch pflegeleichte Lösungen, damit wir eben nicht ständig mit dem Kunden die Zusammensetzung überprüfen müssen. Und denkt der Kunde genauso, dann ist er für so eine Lösung, wie sie die Alte Leipziger hier anbietet, auch geeignet. Der passionierte Daytrader findet sich hier womöglich weniger wieder.
Einen klaren Vorzug gibt es aber am Ende noch bei der Versicherungslösung. Immer mehr 34f-Berater stellen auf Service-Gebühren um. Nichts anderes macht die Alte Leipziger beim AL Invest-Flex. Allerdings mit einem sehr zählbaren Unterschied: Während beim Service-Gebühren-Modell regelmäßig Umsatzsteuer zu berechnen ist, fällt die Courtage beim FR30 unter die umsatzsteuerfreien Finanzdienstleistungen.
Was schade ist, wofür der Versicherer aber nichts kann, ist der Zettelkram. Wir haben es hier mit einem bestechend einfachen Versicherungsprodukt zu tun – und kommen trotzdem kaum mit unter 100 Seiten aus, wenn wir einen VVG-konformen Vorschlag erstellen wollen. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass bei einem initial gewählten Portfolio jeder Fonds sein eigenes dreiseitiges Basisinformationsblatt bekommt, dessen Aussagekraft nahe null geht. Lieber dann das Fondsporträt, das eh Teil des Papierwustes ist.
Zwei Vorschläge für die Kollegen der Alten Leipziger hätte ich noch:
Fazit: Der AL Invest-Flex FR30 ist im Moment die Einmalanlage-Fondspolice der Stunde auf dem deutschen Markt und ist für Kunden mit einem Anlagehorizont über zehn Jahre – bestandene IDD-Geeignetheitsprüfung vorausgesetzt – unbedingt zu empfehlen.
Über den Autoren
Christian Geier, Jahrgang 1974, ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. Zudem leitet er dort das umsatzstärkste Ressort „Personenversicherungen“. Der promovierte Kultur- und Betriebswirt berät dabei immer noch seine eigenen Kunden und lebt und arbeitet im niederbayerischen Straubing.
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