Heinrich Maier* konnte stets ohne Probleme gehen. Vor ein paar Jahren verspürte er nach kurzer Distanz einen krampfartigen Schmerz in den Beinen, der ihn zwang, stehen zu bleiben. Nach ein paar Minuten Pause konnte er schmerzfrei weiter gehen. Im Laufe der Zeit verkürzten sich die schmerzfreien Strecken. Heute kann Herr Maier nur noch gut 200 bis 300 Meter weit laufen, bevor er ein paar Minuten warten muss und er wieder ein kleines Stückchen weitergehen kann. Dies schränkt seine Lebensqualität natürlich erheblich ein. Auch seine berufliche Ausübung ist mit vielen Gehpausen verbunden. Die Diagnose des Hausarztes lautet periphere arterielle Verschlusskrankheit – oder auch chronische arterielle Verschlusskrankheit genannt. Es handelt sich um eine Atherosklerose der Beinarterien.
Da die Patienten immer nur wenige Meter laufen können, pausieren müssen, um dann wieder ein paar Meter weiter zu gehen, erinnern sie an Menschen, die einen Schaufensterbummel machen. Daher die umgangssprachliche Bezeichnung Schaufensterkrankheit. Diese wurde durch den französischen Chirurgen René Fontaine (1899–1979) in vier Stadien unterteilt:
Stadium I:
Obwohl bereits Gefäßveränderungen nachgewiesen werden können, herrscht noch Beschwerdefreiheit. Die Diagnose der Erkrankung in diesem Stadium ist meist ein Zufallsbefund.
Stadium II:
Nun treten bereits erste belastungsabhängige Beschwerden auf, und längere Strecken können nicht mehr schmerzfrei gegangen werden.
Stadium IIa:
Die schmerzfreie Strecke ist größer als 200 Meter. In diesem Stadium befindet sich Herr Maier.
Stadium IIb:
Die schmerzfreie Strecke ist kleiner als 200 Meter.
Stadium III:
Nun treten auch in Ruhe Schmerzen auf, vor allem im Liegen.
Stadium IV:
Das betroffene Körperteil stirbt ab, das Gewebe ist geschädigt und es bilden sich Geschwüre. Am Ende von Stadium IV steht oftmals die Amputation des Beines. Allein in Deutschland kommt es jedes Jahr zu ca. 60.000 Amputationen.
Ursachen und Entstehung
Neben genetischen Dispositionen stehen nach heutigem Wissensstand hinter einer Atherosklerose immer langanhaltende, chronisch entzündliche Prozesse des Endothels. Dabei handelt es sich um die dünne Innenschicht der Blutgefäße. Da die Entzündungen über viele Jahre hinweg komplett schmerzfrei und unbemerkt bleiben können, wird auch von stillen Entzündungen oder silent Inflammation gesprochen.
Wird die Innenwand der Gefäße verletzt, so entstehen lokale Entzündungen. Dies ist eine Maßnahme des Körpers und des Immunsystems, um die Heilung verletzter Gewebe einleiten zu können. Eine akute Entzündung ist also positiv zu sehen. Werden jedoch die Ursachen, die zur Entzündung führten, nicht abgestellt und/oder das Immunsystem nach der Aktivierung nicht wieder herunter geregelt, wird aus einer akuten eine chronische Entzündung. Die verletzten Gefäßinnenwände schütten proentzündliche Zytokine aus. Dabei handelt es sich um Stoffe, welche Immunzellen anlocken. Weiterhin können sich in den feinen Rissen oxidierte Cholesterinbestandteile ablagern, die so genannten VLDL (Very-low-density lipoprotein).
Cholesterin per se ist nicht schlecht. Im Gegenteil, es ist sogar lebensnotwendiger Bestandteil von Zellmembranen, Ausgangsstoff von Hormonen und spielt damit auch eine wichtige Rolle bei der körpereigenen Produktion von Vitamin D. Oxidieren jedoch die LDL, genauer gesagt: die VLDL, so können diese bei der Ablagerung in verletzten Gefäßen gefährlich werden. Fresszellen versuchen diese oxidierten Fette zu entfernen. Dabei entstehen Gemische aus abgestorbenen Fresszellen und den oxidierten Fetten, welche aufschäumen und im Anschluss aushärten können – so genannte Plaques. Mit der Zeit wird diese Schicht immer dicker und härter. Der Blutstrom, welcher die Zellen versorgt, ist eingeschränkt. Dadurch erhalten die Muskelzellen immer weniger Nährstoffe und Sauerstoff. Gerade unter Belastung – wie es beim Gehen der Fall ist – benötigen die Muskeln mehr von beidem als in Ruhe.
Diese eingeschränkte Versorgung ist der Grund, weshalb bei der pVAK zu Beginn der Erkrankung die Schmerzen nach ein paar hundert Metern Gehen auftreten und nach einer Pause wieder verschwinden. Die Auslöser von stillen Entzündungen sind jahrelange Fehlernährung, zu wenig oder zu überehrgeiziger Sport mit zu geringen Regenerationsphasen, eine Fehlbesiedlung im Darm, die zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen oder einem leaky Gut führen kann, und/oder Umweltbelastungen bzw. die Aufnahme toxischer Stoffe wie beispielsweise beim Rauchen. Auch chronischer Stress kann stille Entzündungen fördern. Dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die Gefäßinnenwände außerdem beschädigen und so zu einer chronischen Entzündung führen.
Therapie
Die klassische medikamentöse Therapie besteht aus der Gabe von durchblutungsfördernden und gerinnungshemmenden Arzneimitteln. Meist lässt sich damit die Distanz, die schmerzfrei zurückgelegt werden kann, um 100 bis 200 Meter vergrößern. Werden die Auslöser der stillen Entzündungsprozesse nicht abgestellt, ist dies jedoch nur eine Symptombehandlung. Die Medikamente lassen das Blut zwar besser durch den Engpass fließen, beheben diesen jedoch nicht. Dies wäre nur möglich, indem die oben genannten Auslöser beseitigt werden, das Immunsystem damit herunterreguliert und beruhigt werden kann und die Ablagerungen abgetragen würden. Neben operativen Methoden wie einem Bypass oder der Ballon-Dilatation, also der Weitung des Gefäßes durch das Aufblasen eines Ballons, wäre dies mit einer Erhöhung der HDL-Werte und antientzündlichen Omega-3-Fettsäuren möglich.
Sowohl bei diesen Eingriffen als auch bei der medikamentösen Behandlung wird jedoch eine mögliche weitere Baustelle nicht berücksichtigt: die extrazelluläre Matrix (EZM). Bis heute gehen viele davon aus, dass Sauerstoff und Nährstoffe aus dem Blut direkt in die Zellen diffundieren und umgekehrt das dort entstehende CO2 und die Stoffwechselabfälle ins Blut. Dem ist jedoch nicht so. Zwischen den Zellen und den feinsten Blutgefäßen, den Kapillaren, liegt die EZM. Dabei handelt es sich um eine Art siebartiges Gewebe. Wird durch eine Atherosklerose die Blutzufuhr zu den Zellen reduziert, können auch immer weniger Stoffwechselabfälle abtransportiert werden. Diese stauen sich damit innerhalb der EZM. Nun haben wir also bereits zwei Engpässe. Durch das sich langsam verschließende Gefäß können immer weniger Sauerstoff und Nährstoffe herantransportiert werden. Die wenigen, die noch ankommen, können jedoch immer schlechter durch die mit Abfallstoffen verstopfte EZM zu den Zellen gelangen. Im schlimmsten Fall sterben die Zellen deshalb ab. Das wäre dann das oben beschriebene Stadium IV der Erkrankung, die nicht selten mit einer Amputation endet.
Das folgende Bild soll die Situation besser verdeutlichen. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Logistiklager direkt an einer Autobahn. Damit Waren dort angeliefert, umgeladen und möglichst schnell zum Empfänger transportiert werden können, sind Sie auf eine gute Lage angewiesen. Deshalb steht Ihre Halle in der Nähe einer Autobahnausfahrt einer dreispurigen Autobahn. Wird eine Spur dieser Autobahn gesperrt, entsteht ein Stau. Die LKW können Ihre Logistikhalle nur noch mit zeitlicher Verzögerung anfahren. Das ist Stadium I der pAVK. Nun wird eine zweite Spur gesperrt. Der Stau wird größer und es dauert damit noch länger, bis die LKW die Güter (Sauerstoff und Nährstoffe) zu Ihrer Halle bringen können. Da der Stau inzwischen auch zurück bis zur Autobahnauffahrt reicht, können auch immer weniger Mülllaster von dem Logistikstandort abfahren und stauen sich zurück und blockieren damit die Ein- und Ausfahrt Ihrer Halle. Immer weniger Müll kann abtransportiert werden.
Nun sind die Stadien II bis III der Erkrankung erreicht. Die herbeigerufene Polizei (Blutverdünner und Gerinnungshemmer) regelt den Verkehr und hilft, dass die gestauten Fahrzeuge schneller durch die beiden gesperrten Spuren hindurch kommen. So können wieder mehr LKW zur Logistikhalle gelangen. Dort müssen sie sich jedoch erst noch durch die gestauten Müllfahrzeuge auf der Zufahrtsstraße (extrazellulare Matrix) kämpfen. Obwohl also nun mehr LKW von der Autobahn (Arterien) zur Halle fahren können, erreichen nur wenig mehr Waren den Umschlagplatz und können diesen durch den Stau der Mülllaster auch nur langsam wieder verlassen.
Dies mag ein weiterer Grund sein, weshalb die klassische, medikamentöse Therapie nur eine geringe Verbesserung bringt. Optimal können die Muskeln (Logistikhalle) erst dann wieder ver- und entsorgt werden, wenn die Spuren auf der Autobahn wieder frei sind, die Plaques also entfernt werden, und die Zufahrtsstraße (EZM) vom Müll befreit wurde.
Ganzheitliche Behandlung und Prävention
Neben der klassischen schulmedizinischen Therapie mit Medikamenten und/oder Operationen kann im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung auch an der Beseitigung der Baustellen auf der Autobahn und der Entmüllung der Zufahrtsstraße gearbeitet werden. Also eine Reduktion der Plaques, welche die Blutgefäße verengen, sowie die EZM von den gestauten Stoffwechselvorgängen befreit werden. Hier helfen regelmäßige Bewegung und Sport. Neben den vorteilhaften Effekten auf das Immunsystem und der Erhöhung der HDL-Werte, wird damit auch die Muskelpumpe aktiviert. Dies unterstützt die Versorgung der Zellen und den Abtransport von Stoffwechselabfällen. Das gleiche gilt für Physiotherapie, Lymphdrainage und Faszientraining. Weiterhin sollten toxische Belastungen so weit wie möglich vermieden werden. Also nicht rauchen und beispielsweise Tonerstaub aus dem Weg gehen. Entsprechende Drucker sollten sich deshalb nicht direkt neben dem Schreibtisch befinden, sondern in belüfteten Druckerräumen. Damit kommt automatisch auch mehr Bewegung in den beruflichen Alltag. Eine individuelle, artgerechte Ernährung , eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen und ein dichter Darm mit einer ausgewogenen Besiedlung helfen zusätzlich. Eine systemische Enzymtherapie hält das Immunsystem in Balance.
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