Gesetzliche Krankenkassen sind Knauser

Die gesetzlichen Krankenkassen sitzen auf Reserven von rund 30 Milliarden Euro. Dennoch zeigen sie sich gegenüber ihren Versicherten extrem knauserig. Egal ob beim Krankengeld, der Bezahlung von Hilfsmitteln oder bei Reha-Maßnahmen. Die Devise lautet offenbar: Sparen auf Teufel komm heraus, um Zusatzbeiträge zu vermeiden. Die nämlich sind im Wettbewerb untereinander das reinste Gift.

Die Statistik des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) für das vergangene Jahr schafft Klarheit. Bei rund 1,5 Millionen Krankmeldungen haben die Unternehmen ihren Mitgliedern nicht über den Weg getraut. Sie ließen den MDK untersuchen, ob die Menschen wirklich nicht zur Arbeit gehen konnten. In 16 Prozent der Fälle befand dieser, es handele sich um Simulanten – woraufhin es kein Krankengeld gab.

Auf den Prüfstand kamen zudem nahezu 700.000 Anträge auf eine Reha. Hier rappelte es noch heftiger. Bei 39 Prozent der betroffenen Versicherten lägen die medizinischen Voraussetzungen hierfür nicht vor, urteilte der MDK. Rund 270.000 Kassenpatienten waren betroffen. Ähnlich düster fällt die Statistik zu Hilfsmitteln aus. Bei rund 500.000 Gutachten gab es etwa 185.000 ablehnende Bescheide.

Zwischen April 2012 und März 2013 hatten sich allein bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) über 14.500 Beschwerden gesammelt. Besonders wichtig sei dabei die Frage gewesen, ob Leistungen unberechtigt abgelehnt worden seien. UPD-Geschäftsführer Sebastian Schmidt-Kaehler fordert von den Versicherten mehr Offensive: „In der Beratung sehen wir, dass viele Patienten ihre Rechte nicht kennen, geschweige denn einfordern.“ Einen selbstbewussten Umgang mit Ärzten oder Krankenkassen trauten sich viele Ratsuchende nicht zu. Sie glaubten, dass sie als Patienten keine Chance hätten. Dabei können sie durchaus immer ein zweites Gutachten einfordern.

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