Ich würde ja gerne öfters Joggen gehen, habe aber keine Zeit. Ich würde gerne öfter ein Buch lesen, habe aber keine Zeit. Ich müsste eigentlich jeden Morgen Rückenübungen machen, habe aber keine Zeit. Ich müsste mal wieder meine Bestandskunden systematisch kontaktieren, habe aber …
… bitte erzählen Sie mir jetzt nicht, dass Sie diese oder ähnliche Sätze noch nie gedacht und gesagt haben.
Ich habe den leisen Verdacht, dass es zwei Zeiten auf der Welt gibt. Warum? Na, haben Sie sich schon einmal bei folgenden Gedanken ertappt?
• Ich würde mich gerne jeden Tag ausgiebig mit meinem Smartphone beschäftigen, habe aber keine Zeit.
• Ich würde gerne mehrmals täglich das Weltgeschehen auf Spiegel Online nachlesen, habe aber keine Zeit.
• Ich würde gerne mit meinem Kumpel über das letzte Spiel unseres Lieblingsvereins quatschen, habe aber keine Zeit.
• Ich würde gerne diese lustige E-Mail lesen und weiterleiten, habe aber keine Zeit.
• Ich würde gerne abends Fernsehen schauen, habe aber keine Zeit.
• Ich würde mich gerne mehr meinem iPad beschäftigen, habe aber keine Zeit.
Sicher, auch das mag es alles schon gegeben haben. Aber Hand aufs Herz: Wenn wir keine Zeit für unser iPad oder unsere Freunde haben, dann weil wir WIRKLICH zu einem Termin müssen, Abgabedruck haben und so weiter. Hingegen morgens 10 Minuten für sinnvolle Rückenübungen zu investieren? Doch, doch, die Zeit hätten wir. Aber WOLLEN wir diese Zeit haben?
Wer teilt denn Ihre Zeit ein?
Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Wir MACHEN all das, was wir WOLLEN. Machen wir es nicht, dann wollen wir es auch nicht. So einfach ist das. Und wenn wir etwas nicht machen wollen, dann gibt es ja Gott sei Dank diese eine Universal-Ausrede: Ich habe keine Zeit.
Meistens glauben wir das sogar – ein klarer Fall von Autosuggestion. Machen Sie den Gegentest, fragen Sie sich doch einmal folgendes:
Wenn Sie im Lotto gewonnen hätten und den Spielschein einreichen müssten, hätten Sie Zeit? Wenn Sie eine Traumreise gewonnen hätten, würden Sie aus Zeitgründen absagen? Hätten Sie ein Gratismenü bei einem Sternekoch gewonnen, würden Sie abwinken?
Zeit ist eben doch relativ
Würden Sie dann die Universal-Ausrede „Ich habe keine Zeit“ – und wenn Sie zeitlich noch so sehr eingespannt sind – auch hier anwenden? Oder würden Sie die notwendige Zeit irgendwie frei schaufeln? Letzteres, nicht wahr? Schon Einstein wusste: Zeit ist relativ. Und Laubrinus fügt hinzu: Man hat nämlich je nach Relation mal mehr und mal weniger Lust, sich die Zeit zu nehmen.
Streichen Sie also die vier Worte „Ich habe keine Zeit“ aus Ihrem Vokabular. Denn wenn wir etwas wirklich wollen, dann nehmen wir uns die Zeit. Punkt. Alles andere ist eine Ausrede, etwas nicht tun zu müssen. Das mag manchmal richtig schön praktisch sein, viel zu häufig stehen wir uns hierdurch jedoch selbst im Weg. Als Ergebnis stellen wir frustriert fest, dass wir kein Sport gemacht haben, dass wir zu- anstatt abgenommen haben, dass unser Umsatz stagniert und, und, und …
„Ja wo bleibt denn jetzt der Praxistipp?“, fragen Sie sich vielleicht. Der kommt jetzt.
Ein Leben ohne Ausreden?
Ein Leben ohne Ausreden ist wie ein Auto ohne Räder. Es funktioniert nicht. Wir alle verwenden Sie, wenn die Wahrheit zu schroff klingt. Und das ist gut so. Oder wollen Sie in solch einer Welt leben:
„Mutter, wir kommen nicht zu Besuch, dein ewiges Gejammer nervt einfach zu sehr.“
„Der Kartoffelsalat war komplett versalzen und das mit dem Schnitzel panieren üben wir noch.“
„Schatz, deine neue Frisur sieht furchtbar aus, ich würde mich so nicht aus dem Haus trauen.“
Sie sehen, auf manche Ausreden sollte man wirklich nicht verzichten. Kommen wir nun aber zur Schattenseite unseres Daseins als Ausreden-Profi. Ganz und gar nicht gut ist der folgende Fall:
„Chef, sorry wegen der Präsentation, ist noch nicht ganz fertig. Ich arbeite mit Hochdruck daran, aber gestern kamen hier jede Menge E-Mails rein, das Telefon hat dauernd geklingelt, da kam man zu gar nichts. Aber ich bin dran.“
In ausredenfreie Sprache übersetzt, heißt das nichts anderes als:
„Chef, tut mir Leid dass die Präsentation noch nicht fertig ist. Leider war ich gestern viel zu schlapp und unmotiviert und hab mir meine Zeit im Büro mit Googeln und Schreibtisch aufräumen vertrieben. Ich muss sagen, das war schon ziemlich langweilig und ich war selten so glücklich, als endlich der Feierabend anbrach.“
Reifen oder Nagel?
Peng! Das sitzt! Wo Ausreden gerade eben noch als Räder unter den Autos fungierten, da sind sie nun der Nagel im Asphalt, der einen Platten verursacht und das Auto zum Stillstand bringt.
Doch was sind die Konsequenzen? Der Chef muss feststellen, dass sein Mitarbeiter offenbar nicht im Stande ist, seine Aufgaben im vorgegebenen Zeitrahmen zu erledigen (und hat ihn de facto fürs Herumsitzen bezahlt). Der Mitarbeiter wird – sofern er seine Einstellung nicht schnell ändert – bei Beförderungen zukünftig schlechte Karten haben. Deshalb sind Ausreden für den Chef, den Mitarbeiter, für Sie und für mich vor allem eines: teuer!
Und da eben auch das Attribut bequem auf Ausreden zutrifft, nimmt das Desaster nur allzu oft seinen Lauf. Denn ob wir mit unserem Auto vorankommen oder nicht – wer merkt das schon? Hauptsache der Lack glänzt. Und Ausreden sind Nagel im Asphalt sowie Politur in einem.
Ausreden kosten Geld
Wenn man nun aber einmal unter den Lack schaut: Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie viel Zeit und Geld Sie hierdurch schätzungsweise verlieren? Anders formuliert: Wie viel Geld Sie zusätzlich verdienen könnten, wenn Sie Ausreden-Polituren im Regal stehen lassen und jeden Monat vier bis fünf Erstkundentermine mehr vereinbaren würden? Das ist der Betrag, der Ihnen all Ihre Ausreden finanziell kostet. Monat für Monat. Und jede Wette, dass der nicht niedrig ist.
Deshalb mein Tipp: Machen Sie die Kosten Ihrer Ausreden begreifbar. Spürbar. Anfassbar.
Würden Sie immer noch eifrig Ihren Ausreden-Lack polieren (anstatt aufs Gas zu treten), wenn Sie dafür jedes Mal aktiv Geld bezahlen müssten (was Sie passiv ja auch tun)? Schnell würden Sie merken, wie teuer Sie diese Politur zu stehen kommt.
Gestatten, das Ausreden-Sparschwein
Für die praktische Umsetzung empfehle ich ein Ausreden-Sparschwein. Prominent auf Ihrem Schreibtisch platziert, will es jedes Mal mit 20 Euro gefüttert werden, wenn Sie wichtige Aufgaben mit „Begründungen“ wie „Ich habe keine Zeit“ oder „Das kann man doch nicht machen“ vor sich her schieben. Keine Frage, das erfordert etwas Disziplin. Aber allein der Gedanke (Ups, ich muss jetzt eigentlich 20 Euro bezahlen) und ein Appell ans eigene Gewissen wirken manchmal schon Wunder.
Abgesehen davon: Bestimmt werden Sie bald von Kollegen gefragt, was eigentlich dieses Sparschwein auf Ihrem Schreibtisch soll. Und wenn Sie es ihnen erzählt haben: Mal ehrlich, wollen Sie dann zukünftig Geld noch einwerfen? Wollen Sie irgendwann vor versammelter Belegschaft ein prall gefülltes „Schweinderl“ präsentieren? Da wäre der Lack doch ganz schnell ab!
Und das ist auch gut so. Schließlich soll sich nicht Ihr Ausreden-Sparschwein, sondern Ihr Bankkonto füllen. Und die Politur können Sie sich dann auch sparen. In diesem Sinne: Rauf aufs Gas!
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