Gemäß der neuen Regulierung unter Solvency II müssen seit dem 1. Januar 2016 auch Run-off-Bestände mit Eigenkapital hinterlegt werden. Ist das das Ende des Run-off- beziehungsweise Legacy-Geschäfts? Nein, meint Arndt Gossmann, Chef des auf die Übernahme von Run-offs spezialisierten Anbieters Darag. Er wagt sechs Prognosen zur Entwicklung des Run-off-Sektors im Jahr 2016.
Prognose 1: Gesamtvolumen der Deals überspringt 2016 die 4-Milliarden-Euro-Marke
Wir glauben, dass der Run-off-Markt seinen Peak noch nicht erreicht hat, sondern weiter wachsen wird. 2016 könnte das Transaktionsvolumen erstmals auf über 4 Milliarden Euro steigen. Der Run-off-Markt wuchs zwischen 2013 und 2014 um das Achtfache auf 1,7 Milliarden Euro. Auch 2015 setzte sich der Anstieg fort. Grund seien Vorbereitungen der Branche auf Solvency II gewesen.
Prognose 2: Serie von Supertransaktionen
Auch nach der Einführung von Solvency II bleibt das Thema Eigenkapital-Effizienz auf der Agenda international agierender Versicherer. 2016 könnte es den ersten Deal im Wert von einer Milliarde Euro geben, und das wird kein Einzelfall bleiben. Der Verkauf von Legacy-Beständen hat sich in den vergangenen Jahren als strategisches Instrument für das Eigenkapitalmanagement etabliert. Aber um in der Bilanz eines global agierenden Versicherers überhaupt Wirkung zu entfalten, muss eine Transaktion eine gewisse Größe haben.
Prognose 3: Run-off als Mittel der Konsolidierung
Die Themen, die 2015 die Agenda der Versicherer bestimmt haben, werden uns auch 2016 weiter begleiten: fragmentierte Märkte, ein niedriges Zinsniveau sowie stagnierende Prämieneinnahmen. Und dieser Druck wird eher noch zunehmen. In diesem Umfeld hat sich die Abgabe von Run-off-Beständen als sinnvolles Instrument bewährt, mit dem Unternehmen ihre Konsolidierung vorantreiben können. Um die Eigenkapitalrendite zu verbessern, werden die Versicherer immer öfter ihre Run-off-Bestände ins Visier nehmen. Wir schätzen, dass in Europa etwa 80 bis 90 Milliarden Euro an Run-off für einen Transfer mittels Portfolio- oder Unternehmensverkauf geeignet sind.
Prognose 4: Institutionelle Investoren entdecken den Run-off
Im aktuellen Niedrigzinsumfeld suchen immer mehr branchenfremde Anleger nach Möglichkeiten, in Versicherungsrisiken zu investieren. Insbesondere Private-Equity-Fonds investieren zunehmend in dieses Segment, das sich unabhängig von der Weltwirtschaft entwickelt und nicht mit traditionellen Asset-Klassen wie Aktien oder Rentenpapieren korreliert.
Prognose 5: Neue Lösungen für den Transfer
Die Versicherungswirtschaft sucht nach neuen Lösungen, um Risiken abzugeben und die Eigenkapitalstruktur weiter zu verbessern. Run-off-Vehikel wie die neue EU-Plattform Run-off-Pad bieten solche schlüsselfertigen Lösungen. Davon profitieren nicht nur die abgebenden Versicherer, sondern auch institutionelle Investoren. Versicherer können die Abgabe ihrer Run-off-Portfolios erheblich beschleunigen, während Investoren schneller, effizienter und einfacher in Versicherungsrisiken investieren können.
Prognose 6: Sicherheit für Versicherungen
Die Konsolidierung im Versicherungsmarkt prägt auch den Wertekanon der Branche. Ohne gegenseitiges Vertrauen geht auch 2016 nichts. Gerade weil das Marktumfeld schwierig ist, bleibt der Reputationsschutz ein Grundpfeiler für den Erfolg. Auch die positive Entwicklung des noch jungen Run-off-Segments beruht nicht nur auf der erfolgreichen Regulierung der Branche, sondern auch auf dem professionellen und verlässlichen Umgang der Run-off-Spezialisten mit den übernommenen Risiken und Ansprüchen.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.