Bei der Beratung zur Multi-Risk-Police ist es sehr wichtig, dass der Kunde und auch der Vermittler verstanden haben, dass man nun ziemlich weit unten angekommen ist und man an sich nicht mehr pingelig sein darf. Trotzdem gibt es einige Dinge, die erklärt werden sollten und anhand derer eine Entscheidung für das eine oder andere Produkt möglich ist.
Aber generell ist es schon wichtig, dass dem Kunden als erstes klar gemacht wird, was die Multi-Risk alles nicht kann. Ansonsten entsteht der Eindruck, diese Versicherungsform könne besonders viel. Zwar leistet sie bei Unfall, dem Verlust von mehreren Grundfähigkeiten, einer Einschränkung lebenswichtiger Organe und Pflegebedürftigkeit eine lebenslange Rente sowie eine Kapitalleistung oder Rente bei Eintritt einer versicherten Schweren Krankheit.
Leistungsauslöser müssen dauerhaft vorliegen
Aber sie leistet nicht bei psychischen Erkrankungen, hat selbstverständlich keinerlei Bezug zu meiner Erwerbsfähigkeit und keinen verkürzten Prognosezeitraum. Alle Leistungsauslöser müssen dauerhaft vorliegen.
Darüber hinaus ist die Kapitalleistung bei Schweren Krankheiten für gewöhnlich auf eine Jahresrente begrenzt. Und wenn dieser Baustein bei manchen Versicherern eine Rentenleistung auslöst, dann ist auch nicht viel gewonnen, da die Dread-Disease-Police ja vom Charakter her eher eine Art vorgezogene Risikolebensversicherung ist.
Organrente wäre auch als selbstständige Versicherung interessant
Einigermaßen spannend ist die sogenannte Organrente, da die Krankheit unerheblich ist, die zur Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Organs führt. Im Falle einer Transplantation würde weiter geleistet werden. Das Produkt wäre auch als selbstständige Versicherung interessant. Es wäre für den Kunden und den Vermittler leichter vergleichbar als eine Dread-Disease-Police, aber im Leistungsumfang relativ ähnlich, wenn man noch einen Pflege-Baustein anbauen würde.
Unterm Strich darf man aber nicht groß meckern, da die Multi-Risk-Police aufgrund all ihrer Schwächen eben auch sehr günstig ist und außerdem bei weitem nicht so streng in der Annahmepolitik wie eine Berufsunfähigkeits-, eine Erwerbsunfähigkeits-, Grundfähigkeits- oder Dread-Disease-Versicherung.
Hintertür in den Bedingungen
Der Vermittler muss dem Kunden aber unbedingt erklären, dass die allermeisten Tarife dieser Art in ihren Bedingungen eine Möglichkeit eingebaut haben, um auf Veränderungen in der Schadenhäufigkeit zu reagieren. Entweder können die Versicherer die Beiträge beinahe beliebig anpassen oder den Vertrag über den Teilbestand kündigen. Oder manchmal auch beides.
Zwar ist eine Beitragsanpassung sicherlich wahrscheinlicher, allerdings bliebe in diesem Fall der Schutz bestehen. Der Verlust des Versicherungsschutzes wäre in den allermeisten Fällen deutlich unangenehmer.
Zusammengefasst eignet sich die Multi-Risk-Police dann, wenn eine andere Absicherung finanziell oder gesundheitlich nicht mehr machbar ist. Es ist aber sehr wichtig, dass der Versicherte versteht, dass er in keiner Weise seinen Beruf abgesichert hat. Es ist zwar sehr, sehr wahrscheinlich, dass er nicht mehr arbeiten kann, wenn er Leistung aus einer Multi-Risk-Police erhält. Aber in sehr vielen Fällen wird er nicht mehr arbeiten können, lange bevor er eine Leistung aus diesem Produkt erhält.
