Die Bonus-Versprechen vieler Krankenkassen können Mitglieder nur unter unrealistischen Bedingungen erreichen. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI), für die sich die Analysten die Bonusversprechen der Krankenkassen genauer angesehen haben.
„Bei unserer Arbeit als Auswertungsinstitut werden wir gerade bei Bonusprogrammen immer wieder mit den unglaublichsten Zahlen konfrontiert“, sagt DFSI-Geschäftsführer Thomas Lemke. „Da offeriert eine Kasse einen 720-Euro-Amazon-Gutschein. Doch um den zu bekommen, muss der Versicherte innerhalb eines Jahres 34 Maßnahmen absolvieren. Das schafft keiner.“ Eine andere Kasse verlange für den Maximalbonus von 200 Euro die Teilnahme an 35 Maßnahmen.
Lemke: „Die maximalen Boni sind bei vielen Kassen nur erreichbar, wenn man entweder eine dauerschwangere Gebärmaschine ist oder ein Hochleistungssportler mit Olympiaambitionen.“ Daneben gebe es auch die Bürokraten-Variante: Bei dieser müsse sich der Versicherte jedes Jahr nacheinander für mehrere Bonusprogramme anmelden, dürfe aber nicht vergessen, sich beim bisherigen jeweils wieder abzumelden.
Die Musterfälle
Was haben sich die DFSI-Analysten also angeschaut, um die Krankenkassen mit einem realistischen Bonusprogramm herauszufiltern? „Uns war wichtig, nicht nur theoretische Höchstwerte abzufragen, sondern auch die Höhe der jährlichen Boni für ganz normale Gesundheitsprofile“, sagt Lemke.
Dazu haben die Analysten in einem ersten Schritt sechs Musterfälle entwickelt: drei männliche und drei weibliche gesetzlich Krankenversicherte im Alter von 25, 45 und 65 Jahren. Diese waren allesamt Nichtraucher, gingen alle einmal jährlich zur Zahnvorsorge und alle hatten vollständigen Impfschutz. Für die Muster-Versicherten bis einschließlich 45 Jahren war zudem ein Body Mass Index (BMI) im Normbereich gefordert sowie die Mitgliedschaft in Sportverein (25 Jahre) oder Fitness-Studio (45 Jahre).
Hinzu kamen für die Probanden ab 45 Jahren bis zu fünf weitere geschlechts- oder altersspezifische Vorsorgeuntersuchungen sowie die Teilnahme an maximal zwei Präventionskursen. Im nächsten Schritt fragte das DFSI bei allen 88 für die Allgemeinheit geöffneten gesetzlichen Krankenkassen neben den jährlich erreichbaren Maximalprämien auch ab, wie hoch die den sechs Musterfällen gezahlten Prämien ausgefallen wären.
Während im Durchschnitt über alle 54 ausgewerteten Bonusprogramme als maximale Barprämie rund 159 Euro angegeben wurden, gab es im über alle sechs Musterfälle durchschnittlich nur knapp 69 Euro Prämie. Je nach Musterfall gab es im Schnitt zwischen 52,82 und 87,12 Euro als Bonusprämie in bar.
Bei drei großen Krankenkassen sei das Ergebnis besonders dreist, so die Auswertung. Als theoretische Maximalprämie hat eine Kasse 120 Euro angegeben; der gesundheitsbewusste 25-jährige Mann konnte jedoch aber gerade mal 12,50 Euro erreichen. Die beiden anderen Kassen lobten maximal 200 Euro beziehungsweise 375 Euro aus; erreichen konnte der 25-Jährige in beiden Fällen nur 14 Euro.
Diese Krankenkassen schnitten gut ab
Aber wer schnitt denn nun gut ab? Vier Kassen – Energie-BKK, DAK-Gesundheit, Actimonda Krankenkasse sowie die regional aktive BKK Wirtschaft & Finanzen – erreichten die Note „Sehr Gut“. Die höchste reale Barprämie überweist demnach die DAK-Gesundheit mit 910 Euro an die sechs Muster-Versicherten. Was im Schnitt 151,66 Euro je Proband entspricht.
Bei Actimonda sind es 860 Euro insgesamt, respektive durchschnittlich 143,33 Euro je Proband, bei der Energie-BKK 700 Euro insgesamt, 116 Euro je Musterfall. Und bei BKK Wirtschaft & Finanzen 600 Euro über alle Musterfälle 100 Euro je Musterfall. Weitere 10 Krankenkassen erhielten immerhin die Note „Gut“. 22 Versicherer schnitten „Befriedigend“ ab, 12 bekamen ein „Ausreichend“ und fünf ein „Mangelhaft“.
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