Naturgefahren

Aktuare erwarten keine geringeren Prämien durch Pflichtversicherung

Eine Pflichtversicherung für Elementarschäden würde nicht zu sinkenden Prämien führen. Das berichteten die Versicherungsmathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) auf ihrer digitalen Pressekonferenz.
© picture alliance/dpa | Silas Stein
Schlamm auf den Straßen in Bisbingen nach einem Unwetter Anfang Mai.

Das Thema Naturgefahren hat in den vergangenen Wochen wieder an Fahrt aufgenommen. In Kürze soll es auch bei einem Austausch der Bundesländer zur Sprache kommen. Dabei soll es auch um die Frage einer Pflichtlösung gehen, die von einigen Ländern präferiert wird.

Für die Aktuarinnen und Aktuare der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) ist die Frage nach einer Pflicht aber nicht vorrangig. „Wie schon oft ausgeführt, handelt es sich dabei um eine vornehmlich politische Frage“, erklärte der DAV-Vorsitzende Maximilian Happacher auf der digitalen Pressekonferenz der DAV. „Uns geht es um die relevanten Themen, die darüber entscheiden, ob solche Schäden zukünftig noch versicherbar bleiben. Es braucht hierfür einen Dreiklang an Maßnahmen.“

Dieser Dreiklang besteht aus:
  1. Risikogerechter Kalkulation
  2. Prävention
  3. Kumulschutz

Die risikogerechte Kalkulation einer Prämie sei eine Grundvoraussetzung, um fair und verursachergerecht zu agieren. „Andernfalls würden alle bestraft, die ein geringeres Risiko aufweisen“, so Happacher. Das führe zu einer unausgewogenen Risikoverteilung im Versichertenkollektiv. Menschen, die sonst deutlich mehr für ihre Versicherung zahlen müssten, würden nämlich animiert, einen Vertrag abzuschließen. Andere würden dagegen abgeschreckt. Happacher: „Das treibt letztlich die Prämien in die Höhe.“

Auch massive Fehlanreize seien die Folge, wenn beispielsweise Prävention aus eigener Tasche bezahlt werden müsse – durch fehlende Prävention zu erwartende höhere Schäden hingegen auf die Prämien des ganzen Kollektivs umgelegt würden.

Ohne Prävention geht es nicht

Ein Hauptanliegen der Aktuarvereinigung ist es, eben diese Präventionsarbeit auf kommunaler, landes-, bundes- und internationaler Ebene zu stärken. Dazu zähle etwa die Eigen-Prävention der Verbraucher und Unternehmen. „Ernsthafte Prävention kann die Prämien für private Gebäude signifikant absenken – teilweise bis auf die Hälfte. Für gewerbliche und industrielle Risiken an exponierten Flusslagen können sogar noch höhere Einsparungen erzielt werden“, sagte der DAV-Vorsitzende.

Eine Grundvoraussetzung sei aber, dass der Staat selbst bei der Prävention nachbessere, etwa beim Deichbau oder durch strengere Regeln bei der Ausweisung von Bauland.

Besonderheit „Kumulrisiko“

Elementarschäden treten in der Regel großflächig, also kumuliert auf. Das zieht viele gleichzeitige Schäden nach sich. Und das steht auch vermeintlich niedrigeren Prämien einer Pflichtversicherung entgegen: „Es gibt vereinzelt die Behauptung, eine Pflichtversicherung führe zu geringeren Prämien, weil dann die Zunahme der Versichertenzahl das Gesamtkollektiv entlaste. Das ist nicht erwartbar, weil dieser Mechanismus im Falle von Elementarschadenversicherungen nicht in dem Maße greift, wie mancher es sich erhofft“, sagte Happacher.

Und weiter: „Man kann sich das ganz gut vor Augen führen: Wenn an einem Flussufer jedes Haus überflutet wird, macht es letztlich für die Einzelprämie keinen Unterschied, ob nun alle Häuser, jedes zweite oder jedes dritte Haus davon versichert ist. Das Verhältnis von betroffenen und nicht betroffenen Häusern bleibt vergleichbar. Eine Elementarschadenpflicht würde deshalb sehr wahrscheinlich nicht zu niedrigeren Prämien führen.“

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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