Maklerin aus Erftstadt im Gespräch

„Bautrockner waren von heute auf morgen einfach vergriffen“

Madeleine Schüller arbeitet als Versicherungsmaklerin in Erftstadt – jenem Ort, den das Unwetter Bernd im Sommer 2021 verwüstete. Im Gespräch erzählt sie, welche Figur Versicherer in der Zeit machten, welche Rolle Elementarschutz in ihrem Alltag spielt und wie sie mit dem Unterschied zwischen Starkregen und Hochwasser umgeht.
Versicherungsmaklerin Madeleine Schüller, Schüller & Cie.
© Schüller & Cie.
Versicherungsmaklerin Madeleine Schüller, Schüller & Cie.: „Jeder zweite Neukunde hatte keinen ordentlichen Elementarschutz“

Pfefferminzia: Frau Schüller, Sie sitzen als Versicherungsmaklerin in Erftstadt im Zentrum der Flutkatastrophe vom vergangenen Jahr. Wie lief das bei Ihnen versicherungsseitig?

Madeleine Schüller: Wir haben 423 Schäden, von denen 99 Prozent sehr gut laufen. Beim Rest gibt es kleinere Probleme. Das hat Gründe und ist auch völlig normal. Man muss sich mal die extreme Lage verdeutlichen: Geräte wie Bautrockner waren von heute auf morgen einfach vergriffen und ein Versicherer hat diese auch nicht auf Vorrat. Damit sorgen solche, zunächst kleinen, Bausteine am Ende für Verzug und Turbulenzen. Damit wird Geduld tatsächlich mit zur größten Herausforderung für uns und unsere Kunden.

Inzwischen dürfte sich das gelegt haben.

Es ist in der Tat jetzt wieder etwas entspannter. Im Winter war die Lage schwieriger. Die Menschen hatten zum Teil noch keine Heizung oder Gasversorgung, stattdessen aber nasse Wände.

Nun gab es in Ihrer Gegend jetzt wieder einige Gewitter.

Ja, und einige Bäche sind schon wieder über die Ufer getreten. Selbstverständlich kommt dann bei einigen Menschen wieder die Angst hoch, und sie fühlen sich wieder in die Zeit vor einem Jahr zurück versetzt. Zum Glück war es jetzt wieder recht schnell vorbei. Experten warnen ja, dass solche Hochwasser an kleineren Flüssen künftig häufiger auftreten.

 

Hat sich Ihr Bestand an Elementarschutzversicherungen seit der Katastrophe verändert?

Ja, er ist gestiegen. Wir hatten zwar in unserem Bestand schon vorher einen hohen Anteil an Elementarschutz, weshalb gar nicht mehr viel hinzukommen konnte. Wir haben jedoch auch neue Kunden gewonnen, die das Thema von sich aus ansprachen beziehungsweise wo es teilweise der Grund der Empfehlung an uns war, denn wir haben es natürlich in unserem Beratungsprozess. Von ihnen hatte ungefähr jeder zweite keinen ordentlichen Elementarschutz.

Jetzt aber schon, oder?

Wir haben ihn zumindest angeboten.

Und das haben manche noch allen Ernstes abgelehnt?

Ja, durchaus. Das lassen wir uns dann unterschreiben, protokollieren es und bewahren es auf. Wir haben auch unsere Kunden über Newsletter auf Elementarschutz hingewiesen. Wenn sie ablehnen, archivieren wir entweder den E-Mail-Wechsel oder wir lassen es uns unterschreiben und protokollieren es; dies ist Standard in unserem Beratungsprozess bei allen Produkten.

Seite 2: Wie sich Versicherer nach der Flutkatastrophe verhalten haben

Und die vielen Elementarschäden aus dem vergangenen Jahr werden wirklich bezahlt?

Im Großen und Ganzen, ja. Die Sachverständigen arbeiten gut, die Gutachten sind in Ordnung. Die meisten Versicherer gehen bei Aufschlägen von bis zu 30 Prozent über normalen Handwerkerleistungen mit. Sie wissen, dass viele auf die üblichen Preise etwas draufschlagen. Bisher hatten wir dazu aber fast keine Rückfragen. Es gab nur einige wenige Fälle, in denen der Handwerker eindeutig übertrieben hat. Wir haben generell die Erfahrung gemacht, dass vieles besser läuft, wenn wir mit Kunden im Dialog bleiben und alles erläutern. Ein Schaden am Wohnhaus, an dem Existenzen hängen, wird nun mal schneller abgewickelt als zum Beispiel ein kleinerer Hausratschaden. Man muss es erklären, und dann ist es auch in Ordnung.

Klingt nach einem guten Fazit.

Stimmt, wir hatten aber auch Glück, dass die 423 Schäden elementar abgesichert waren. Die meisten sogar doppelt in Wohngebäude und Hausrat beziehungsweise sind hier auch einige Gewerbetreibende mit Betriebsgebäude, Inhalt und Betriebsausfallabsicherung mit inbegriffen. Kfz-Schäden kommen zu der oben genannten Anzahl nochmals hinzu.

„Wenn man zu schnell arbeitet, kann sich bald wieder Schimmel bilden“

Gute Vorarbeit.

Ja. Aus Kundensicht läuft alles sehr vernünftig. Es ist nämlich auch wichtig, dass die Schäden ordentlich behoben werden. Und genau das passiert. Wir sehen wirklich gute Arbeiten, die zum Teil sogar den Wert der Häuser steigern. Wenn der Versicherer reguliert, prüft er teilweise auch, ob das Haus wirklich trocken ist, ob der Estrich gelegt werden kann, und so weiter. Wenn man zu schnell arbeitet, kann sich bald wieder Schimmel bilden.

Manche Versicherer unterscheiden zwischen Schäden durch Starkregen oder Hochwasser. Ist das eigentlich üblich?

Ja, durchaus.

„Die meisten Versicherer wickeln das unter dem Punkt Starkregen ab“

Welcher Punkt griff bei Ihren Schäden?

Das kann man oft nicht so genau sagen. Aufgrund des Starkregens kam anschließend das Hochwasser. Bei vielen Häusern kann man gar nicht mehr nachvollziehen, was als erstes da war.

Wie haben Sie das dann gelöst?

Nach meiner Kenntnis wickeln die meisten Versicherer das alles unter dem Punkt Starkregen ab und nicht unter Hochwasser, manche auch unter beiden Punkten. Das klappte ohne Probleme oder größere Nachfragen. Auf jeden Fall muss man sich das Thema in den Bedingungen anschauen und genau prüfen. In manchen Gegenden können Sie sich nicht gegen Hochwasser versichern, gegen Starkregen jedoch schon. Das sind wichtige Unterschiede, die am Ende entscheiden können.

Über die Interviewte:
Madeleine Schüller arbeitet als Versicherungsmaklerin beim Finanz- und Versicherungsmakler Schüller & Cie in Erftstadt.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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