Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie viel Geld man in Deutschland für ein menschenwürdiges Leben benötigt. Genaugenommen zielen die Studienautoren Jürgen Schupp und Sabine Zinn in Richtung Bürgergeld, dessen geeignete Höhe immer wieder heiß diskutiert wird. Doch das Ergebnis lässt sich problemlos auf alle Bereiche des Lebens ausrollen. Zum Beispiel auf die Frage, welche Rente im Alter oder bei Berufsunfähigkeit reichen könnte, und wann es knapp wird.
Als Grundlage interpretiert das DIW den Begriff der Menschenwürde aus Artikel 1 des Grundgesetzes in Richtung der Existenz. Demnach haben Menschen in Deutschland das Recht darauf, zumindest mit einem „menschenwürdigen Existenzminimum“ zu leben. Einerseits wollen sie essen, trinken, wohnen und sich was anziehen. Andererseits wollen sie auch – mehr oder weniger intensiv – am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und dabei nicht auf jeden Euro schauen müssen.
Aktuell beträgt das sächliche Existenzminimum für eine Person 995 Euro im Monat. Das gilt auch für Rentner. Neue Werte soll es in diesem Jahr geben, als wahrscheinlich gelten 1.008 Euro.
Womit wir zur Frage kommen, welche Beträge die Deutschen für nötig halten. Das machen die Forscher des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) an zwei Fragen fest:
Wobei schon die erste Frage zu interessanten Ergebnissen führt: Fast jeder Fünfte (19 Prozent) gab an, dass das Einkommen für ein würdevolles Leben nicht reicht. Weitere 20 Prozent sagen „teils/teils“. Und 61 Prozent sagen: „Ja, das Einkommen reicht aus.“
Es ist diese Mehrheit, die Schupp und Zinn nach vorn stellen. Und sie ist zunächst auch erfreulich. Doch für ein Land, das sich selbst so gern seines Wohlstands rühmt, sei auch die Frage gestattet: Warum empfinden fast 40 Prozent ihr Einkommen komplett oder zum Teil als lebensunwürdig? Mag ja sein, dass das der rein subjektive Eindruck der Befragten ist. Aber ist das nicht trotzdem ziemlich viel?
Die Frage, ob das Bürgergeld für ein Leben in Würde ausreicht, trennt die Befragten in zwei Lager: Menschen mit und Menschen ohne Bürgergelderfahrung. Von denjenigen, die noch nie Bürgergeld bezogen haben, meinen 40 Prozent, dass es für ein würdevolles Leben ausreicht. Zweifel sind natürlich angebracht, ob sie das wirklich beurteilen können.
Denn wer schon mal auf Bürgergeld angewiesen war, sieht das anders. Nur 3 Prozent meinen, dass es ausreicht. 57 Prozent stimmen überhaupt nicht zu.
Und dann pflücken die Wissenschaftler die Ergebnisse auseinander. Damit wird klar, welche Bevölkerungsgruppen ihr Einkommen besonders oft als zu gering empfinden: Teilzeitbeschäftigte, geringfügig Beschäftigte, Personen in Ausbildung und vor allem Nicht-Erwerbstätige. Und – wenn auch nicht ganz so stark ausgeprägt – Frauen und jüngere Altersgruppen. Was auch niemanden wirklich wundern sollte.
In Hinblick auf die Höhe der Einkommen in Euro scheint es eine Schmerzgrenze zu geben. Denn vor allem die Gruppen mit bis zu 1.000 Euro und von 1.000 bis 2.000 Euro Einkommen stimmen besonders selten zu, dass das für ein menschenwürdiges Leben reichen soll.
Damit zeigt die Umfrage, dass die sozialrechtlich angenommenen oben erwähnten Beträge von rund 1.000 Euro im Monat nicht hinten und nicht vorne reichen. Die Mehrheit der Bevölkerung bekommt erst ab einem Netto-Äquivalenzeinkommen von mehr als 2.000 Euro den Eindruck, ein würdevolles Leben führen zu können.
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