Wer selbst Entscheidungen trifft und sich um die Vorsorge kümmert, bürdet diese Last nicht seinen Lieben auf und sorgt automatisch dafür, nicht in die Mühlen des Staates zu geraten. Deshalb rate ich jedem, ein ganz persönliches Krisenkonzept zu erstellen, in dem alle wichtigen Punkte für die Angehörigen festgehalten sind. Niemand macht so etwas gerne. Daher gibt es hier eine Checkliste mit den sechs wichtigsten Schritten erstellt, die die eigene Vorsorge erleichtern.
Erstens: Immobilien
Der erste große Bereich, der im persönlichen Vorsorgekonzept eine wichtige Rolle spielt, ist die Frage nach Immobilien. Gibt es Häuser im eigenen Besitz? Werden diese selbst genutzt oder vermietet? Im Falle des Todes greift die gesetzliche Erbfolge. Wer das nicht wünscht, muss im Testament festhalten, welche Erben begünstigt werden sollen oder bereits im Vorfeld die Immobilie übertragen. Wichtig: Wer Immobilien überträgt, sollte für sich klären, ob er für sich ein Nutzungsrecht einräumt. Notar und Rechtsanwalt helfen weiter, um diese Fragen zu klären.
Zweitens: Vermögen
Ist der Fall der Pflege geregelt? Gibt es genügend Reserven? Soll jetzt schon übertragen werden oder erst später? Und ist die aktuelle Geldanlage die richtige für die persönlichen Ziele? Gerade die ältere Generation legt ihr Vermögen lieber auf Tagesgeldkonten an aus Angst, im Notfall nicht an das Geld zu kommen. Vor allem die Pflege ist ein großes Thema. Wer hier entsprechend vorsorgt, kann sein Vermögen auch wieder langfristig und zielgerichtet anlegen.
Drittens: Vertretung gegenüber Ämtern, Post, Gericht und Bank
Jeder Geschäftsfähige braucht eine Vollmacht. Denn per Gesetz können weder Ehepaare einander vertreten noch Eltern ihre erwachsenen Kinder. Das bedeutet: Bereits ab der Volljährigkeit sollte jeder eine Vorsorgevollmacht erstellen, in der der engste Vertraute benannt ist, der sich um alle wichtigen Belange kümmert – von finanziellen über gerichtliche Fragen bis hin zur Vertretung auf Ämtern. Wer eine solche absolute Vertrauensperson nicht hat, für den stellt eine Betreuungsverfügung eine gute Alternative dar. Darin lässt sich ein Betreuer festlegen, der jedoch nicht die volle Macht hat, sondern von einem Gericht in allen Schritten überprüft wird.
Viertens: Gesundheit
Ein Unfall, eine plötzliche Krankheit – und das eigene Leben liegt in den Händen anderer. Das geht schneller, als man denken mag. Vor allem wenn es um die Frage nach lebensverlängernden Maßnahmen geht, tun sich Angehörige schwer, sofern es keine klare Aussage vom Betroffenen gibt. Eine Patientenverfügung ist daher Pflicht – und zwar nicht erst im höheren Alter. Solche emotionalen Entscheidungen fallen nie leicht – sich jedoch gar nicht darum zu kümmern, wäre der größte Fehler.
Fünftens: Alltag
Sich mithilfe von Dokumenten für das Alter abzusichern, ist nur eine Seite. Doch sie ist nicht komplett, solange die eigene Familie nicht mit einbezogen wird. Denn die Angehörigen sind es schließlich, die sich um alles kümmern, wenn man selbst nicht mehr kann. Das beginnt bei einfachen Fragen wie „Wer hat für alle Fälle einen Ersatzschlüssel? Wie kann der Einkaufs- oder Putzdienst organisiert werden“ oder „Wie sind Arztbesuche und Körperpflege organisiert?“. Persönliche Absprachen sind das A und O. Und gemeinsam lassen sich solch schwere Themen ohnehin am besten bewältigen.
Sechstens: Versicherungen
Der Name Krisenkonzept impliziert, dass es sich dabei um eine dauernde Aufgabe handelt, eine vorläufige Fassung, einen schriftlichen Entwurf. Daher sollte auch immer wieder geprüft werden, ob alle Vorkehrungen noch den aktuellen Wünschen entsprechen – so auch im sechsten Punkt Versicherungen. Lassen sie diese regelmäßig prüfen. Gibt es eventuell günstigere oder bessere Tarife? Und stimmt der beschriebene Schutz noch mit den Gegebenheiten überein?
Für sich selbst ein Krisenkonzept zu erstellen, ist äußerst wichtig. Doch das kann im Ernstfall nur befolgt werden, wenn auch die Angehörigen davon Kenntnis haben. Deshalb: Halten Sie alle Punkte schriftlich fest. Das erleichtert nicht nur den Liebsten die Entscheidungen, sondern sichert auch ab, dass nichts dem Zufall überlassen wird und belohnt mit einem guten Gefühl.
Margit Winkler (Foto) ist Inhaberin des Instituts Generationenberatung. Als unabhängige Finanz- und Marketingfachfrau ist sie für Banken oder deren Verbundpartner im Vorsorgebereich tätig.
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