Wer ins Pflegeheim muss, muss dafür tief in die Tasche greifen. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab. Im Pflegeheim liegen die Eigenanteile im ersten Jahr bundesweit durchschnittlich bei 3.108 Euro pro Monat (Pfefferminzia berichtete).
Nicht nur die stationäre Pflege ist teuer. „Auch die ambulante Pflege ist mit erheblichen Eigenanteilen verbunden. Diese können zum Beispiel bei Pflegegrad 5 und Unterstützung durch einen Pflegedienst auf monatlich 2.501 Euro Eigenanteil wachsen“, erklärt Ramona Paul, Leiterin Produktmanagement der Ideal Versicherungsgruppe.
Eine private Pflegezusatzversicherung kann laut Paul diese Versorgungslücke schließen beziehungsweise die Kosten abfedern, indem sie – je nach Art der ausgewählten Zusatzversicherung – Zahlungen leistet.
Welche Leistungen übernimmt eine private Pflegezusatzversicherung?
Je nach Tarif stehen verschiedene Modelle zur Auswahl:
- Pflegetagegeld-Versicherung: Versicherer zahlen Leistungen unabhängig von tatsächlich anfallenden Kosten, da sie nicht zweckgebunden sind. Dieses Kapital können Versicherte frei verwenden, zum Beispiel für eine Haushaltshilfe, barrierefreie Umbauten oder die Betreuung. Versichert wird ein fester Geldbetrag pro Tag im jeweiligen Pflegegrad.
- Pflegerente: Sie ermöglicht Versicherten lebenslange monatliche Zahlungen ab dem versicherten Pflegegrad, unabhängig von den tatsächlichen Kosten. Die Pflegerente können Versicherte über einen Einmalbeitrag finanzieren. Das macht sie mitunter für ältere Einsteiger und bei der Wiederanlage interessant.
- Pflegekostenversicherung: Sie erstattet die tatsächlich angefallenen und nachgewiesenen Pflegekosten für professionelle Pflegeleistungen wie Tagespflege oder Umbauten.
Grundsätzlich gilt: „Alle Leistungen aus Pflegezusatzversicherungen sind an einen Pflegegrad gebunden. Wie viel ausgezahlt wird, hängt oft von der Höhe des versicherten Pflegegrads ab“, so Paul.
„Zusätzlich zu diesen drei Hauptarten gibt es auch den Pflege-Bahr, eine staatlich geförderte Variante, die als Ergänzung zur Pflegetagegeldversicherung dient“, erklärt die Pflege-Expertin.
Versicherte erhalten einen monatlichen Zuschuss von 5 Euro, wenn sie mindestens 10 Euro monatlich in den Vertrag einzahlen. Die Förderung beträgt jährlich also 60 Euro. Versicherte erhalten sie als Zuschuss zu den monatlichen Beiträgen.
Wann Versicherte am besten eine private Pflegeversicherung abschließen und wie viel diese kostet, lesen Sie auf der zweiten Seite.
Wieviel kostet eine private Pflegeversicherung?
Die Beiträge für eine private Pflegeversicherung hängen von Eintrittsalter, Gesundheitszustand, gewünschter Absicherung und Versicherungsart ab.
- Die Pflegerente Klassik der Ideal Versicherungsgruppe gibt es bei einem Eintrittsalter von 55 Jahren, mit 750 Euro Leistung in Pflegegrad 4 und 5 zum Beispiel für rund 73 Euro monatlich.
- Bei der Inter kosten bis zu 2.100 Euro monatliches Pflegetagegeld zwischen 78 und 140 Euro monatlich für 55-Jährige.
Was viele nicht wissen: Beiträge zur Pflegezusatzversicherung können Versicherte steuerlich geltend machen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den Abschluss?
Grundsätzlich gilt wie bei allen Versicherungen, die vom Gesundheitszustand abhängen: so früh wie möglich abschließen. Denn dann sind die meisten Versicherten bei guter Gesundheit, Risikoprüfungen bei den Versicherern sind noch kein großes Thema und die Beiträge für den Pflegeschutz sind vergleichsweise niedrig, so das Fazit der Inter auf Anfrage.
Das sieht Ramona Paul von der Ideal Versicherungsgruppe ähnlich: „Je früher der Abschluss, desto günstiger die Beiträge und desto besser die Annahmechancen“. Doch auch später lohne sich der Einstieg. Denn mit der Absicherung des Pflegerisikos schützen Versicherte laut der Expertin gleichzeitig Immobilien und Ersparnisse vor dem Zugriff im Pflegefall. So bleibt das Kapital auch für den Partner oder die Erben erhalten.