Umfrage zum Sparverhalten in Corona-Zeiten

„Finanzielle Verluste durch alle Bevölkerungsschichten“

Die Corona-Pandemie sorgt bei vielen Menschen für finanzielle Engpässe. Gerade Menschen mit wenig Einkommen können nicht mehr viel Geld zurücklegen. Auch Familien trifft die Corona-Pandemie ziemlich hart, zeigt eine Umfrage der Postbank. Aber: Insbesondere junge Leute stocken ihre Rücklagen jetzt auf.
© picture alliance/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Dresdner Passanten tragen Masken: Die Corona-Krise wirkt sich auch auf das Sparverhalten der Deutschen aus.

Trotz der Corona-Krise bilden heute mehr Menschen Rücklagen als vor dem Ausbruch des Corona-Virus. Aktuell legen 77 Prozent der Deutschen Geld zur Seite – im Vergleich zu 74 Prozent im Juli 2019. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Postbank-Umfrage.

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„Die finanziellen Verluste ziehen sich quer durch alle Bevölkerungsschichten“, kommentiert Karsten Rusch, Experte für Wertpapieranlagen bei der Postbank, die Befragung. „Weder das Haushaltsnettoeinkommen noch der Bildungsabschluss haben einen Einfluss darauf, ob Befragte aktuell über weniger Einkommen verfügen oder nicht. Allerdings beeinflussen diese Merkmale das momentane Spar- und Anlageverhalten.“

So mussten 19 Prozent aller Deutschen das Sparen angesichts der Corona-Pandemie einschränken: 8 Prozent legen kein Geld mehr zurück und zehren gleichzeitig ihre Ersparnisse auf, 5 Prozent bilden gar keine Rücklagen mehr und weitere 5 Prozent weniger als vor der Krise. Auf der anderen Seite sparen 11 Prozent der Befragten heute mehr. Das betrifft laut Umfrage vor allem die junge Generation zwischen 16 und 29 Jahren. In dieser ohnehin schon sparfreudigen Altersklasse legt knapp jeder Sechste (18 Prozent) mehr Geld beiseite als vor der Corona-Krise.

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„Durch die Einschränkungen der vergangenen Wochen – geschlossene Restaurants und stornierte Urlaube – haben viele Menschen weniger ausgegeben. Diese freien Mittel werden nun genutzt, um sich ein zusätzliches finanzielles Polster anzulegen“, so Rusch.

Junge Familien besonders betroffen

Die Umfrage zeigt aber auch, dass Befragte zwischen 30 und 39 Jahren auffallend häufig finanzielle Einschränkungen hinnehmen müssen: 37 Prozent geben an, dass ihr Einkommen durch die Corona-Krise geschmälert wurde – der Durchschnitt liegt bei 21 Prozent. Jeder zehnte 30- bis 39-Jährige (10 Prozent) berichtet von erheblichen, 7 Prozent sogar von existenzbedrohenden Einbußen – damit trifft die Krise vor allem Familien.

„Viele junge Familien haben bereits in normalen Zeiten ein eng kalkuliertes Budget. Durch die Schließung von Kindertagesstätten und Schulen sind sie ganz besonders gefordert, Kinderbetreuung und Arbeitsalltag unter einen Hut zu bekommen – was offenbar häufig nicht ohne Einkommensverluste machbar ist“, sagt Karsten Rusch.

Sparfaktor Einkommen

Wie die Umfrage zeigt, muss man es sich in dieser Zeit aber auch leisten können, Rücklagen zu bilden. Jeder Siebte (14 Prozent) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.500 Euro und höher legt heute mehr Kapital beiseite als vor der Corona-Krise. Unter den Befragten, denen monatlich weniger Geld zur Verfügung steht, spart nur jeder Zehnte (10 Prozent) mehr als vor der Pandemie.

Personen mit einem vergleichsweise geringen Einkommen stellen sogar überdurchschnittlich häufig das Sparen ein: Jeder siebte Befragte (rund 15 Prozent) mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 2.500 Euro greift augenblicklich seine Ersparnisse an; von den Befragten, in deren Haushalt weniger als 1.500 Euro zur Verfügung stehen, betrifft das fast jeden Vierten (24 Prozent). Menschen mit einem Einkommen von 2.500 Euro und mehr müssen dagegen derzeit nicht von ihren Ersparnissen leben – hier geben nur 2 Prozent an, dass sie aufgrund der Krise gezwungen sind, ihre Reserven anzugreifen.

Chancen für Besserverdienende

„Zwar trifft die Krise sämtliche Bevölkerungsschichten, finanziell Bessergestellte sind allerdings eher in der Lage, Einbußen abzufedern und Verluste auszugleichen“, erklärt Rusch. „Wer wenig Geld zum Sparen zur Verfügung hat, dem fehlen die finanziellen Reserven, um Geld langfristig etwa in Wertpapieren anzulegen. Chancen, die durch Kursschwankungen an der Börse entstehen, können so nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig verlieren die Ersparnisse auf dem Giro- oder Sparkonto durch die Inflation kontinuierlich an Wert, was den finanziellen Spielraum noch weiter verkleinert.“

Vor allem besser situierte Anleger erkennen aber auch Chancen, die die Krise mit sich bringt:

Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von über 2.500 Euro kaufen in diesem Jahr 41 Prozent der Befragten Fonds und Aktien. 2019 waren es noch 36 Prozent. Liegt das Einkommen über 3.500 Euro, ist der Anstieg mit 8 Prozentpunkten (2019: 37 Prozent; 2020: 45 Prozent) noch deutlicher. Bei einem Einkommen von unter 2.500 Euro investieren die Befragten mit 18 Prozent hingegen seltener in Wertpapiere (2019: 22 Prozent).

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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