Studie zur gesetzlichen Rente

Haltelinie würde Geringverdiener nicht schützen

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat vorgeschlagen, beim gesetzlichen Rentenniveau eine Haltelinie einzuführen, um die Bundesbürger vor Altersarmut zu schützen. Eine Studie zeigt jetzt, dass gerade die Geringverdiener hiervon wohl am wenigsten profitieren würden.
© GDV
Die Grafik zeigt die Entwicklung des Bruttorentenniveaus für verschiedene Arbeitnehmerinnen bei Rentenbeginn 2030, 2035 und 2040.

Die Idee einer „Haltelinien“ beim gesetzlichen Rentenniveau von SPD-Politikerin Andrea Nahles würde sich sehr unterschiedlich auf die Deutschen auswirken. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Prognos im Auftrag des Branchenverbands GDV.

„Die stärkste Rentenerhöhung käme wahrscheinlich nicht bei Geringverdienern an, sondern bei denjenigen, die während ihres Arbeitslebens besonders gut verdient haben“, sagt Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des GDV.

Höchste Rente, schlechtestes Rentenniveau

Zehn Berufe haben die Forscher von Prognos genauer untersucht und festgestellt: Der Entwicklungsingenieur hat perspektivisch das geringste „individuelle Rentenniveau“. Wenn er als 2030 in Rente geht, bekommt er nur rund ein Drittel (34,2 Prozent) des Einkommens, das er in seinen fünf letzten Arbeitsjahren bezogen hat.

Obwohl der Ingenieur relativ gesehen das geringste Rentenniveau hat, bekommt er von allen untersuchten Berufen aber die höchste Rente ausgezahlt: nämlich knapp über 2.000 Euro im Monat. Aber das ist eben nur ein Drittel des durchschnittlichen Einkommens, das in seinen letzten fünf Berufsjahren bei über 6.000 Euro im Monat lag.

Warum ist das aber so?

Der Grund für das niedrige Niveau ist die Beitragsbemessungsgrenze, heißt es in der Studie weiter. „Die Obergrenze für den Rentenbeitrag deckelt die Beiträge von Gutverdienern im Arbeitsleben und begrenzt gleichzeitig die späteren Ansprüche an das Rentensystem“, sagt Oliver Ehrentraut, Leiter volkswirtschaftliche Fragen bei Prognos.

Untersucht haben die Forscher auch den Fall der kinderlosen Bürokauffrau. Sie erhält im Jahr 2030 etwa 46 Prozent ihres letzten Einkommens als Rente: etwa 1.350 Euro im Monat. Obwohl sie eine deutlich kleinere Rente bekommt, ist diese im Vergleich zu ihrem letzten Einkommen von 3.170 Euro relativ hoch.

„Wer mehr einzahlt, der bekommt später auch eine höhere Rente“

Eine Kollegin, die im Lauf ihres Arbeitslebens zwei Kinder erzogen hat, schafft nur ein Rentenniveau von 38,5 Prozent – weil sie wegen längerer beruflicher Auszeiten und Teilzeitarbeit weniger Rentenansprüche erworben hat.

„Das Beispiel zeigt: Wie hoch die Rente ausfällt, hängt vor allem von der ökonomischen Lebensleistung eines Arbeitnehmers ab“, so Ehrentraut. „Wer mehr einzahlt, der bekommt später auch eine höhere Rente.“

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