Wie es um das Finanzwissen der Europäer bestellt ist, wollte der Versicherer Allianz in einer Studie herausfinden – und hat zumindest für die Bundesbürger gute Nachrichten. Demnach reiht sich die Bundesrepublik hinter Österreich auf dem zweiten Platz ein, wenn es um „finanzielles und risikobezogenes Wissen“ geht. Etwa 63 Prozent der deutschen Umfrageteilnehmer beantworteten alle grundlegenden Finanzfragen richtig, berichten die Studienmacher. 19 Prozent antworteten richtig auf Fragen zu Risiken, genauso wie die Österreicher. Das entspricht dem bisher höchsten Ergebnis.
Frankreich, Portugal und Italien schneiden in Sachen finanzielle Grundbildung hingegen am schlechtesten ab. Zu den weiteren Ländern, die der Versicherer befragen ließ, gehören Belgien, die Niederlande, Spanien, die Schweiz und das Vereinigte Königreich.
Am wenigsten verstanden die Befragten, was „Risikostreuung“ bedeutet – sehr zur Verwunderung der Studienmacher, da „dieses Konzept den meisten aus der Redewendung ‚Setze nicht alles auf eine Karte‘ bekannt sein dürfte“. So konnten bei einem konkreten Fallbeispiel nur 28 Prozent der Teilnehmer in ganz Europa das geeignetste, auf Risikostreuung basierende Finanzprodukt für Sparer benennen.
In allen Ländern wurde weiter deutlich, dass „risikobezogene Konzepte“ am schwierigsten greifbar seien. Durchschnittlich beantwortete die Hälfte der Teilnehmer diese Fragen richtig. Zwischen den Ländern gab es jedoch viele Unterschiede.
Unter-35-Jährige mit dem geringsten Finanzwissen
Am ehesten nachvollziehbar für die Befragten war demnach das Risiko, dass die eigenen Ersparnisse aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung im Alter nicht ausreichen könnten. Dies traf für ältere Menschen eher zu als für jüngere. Weiter gilt, dass Frauen in Bezug auf eine finanzielle Grundbildung den Männern immer noch hinterherhinkten, insbesondere bei risikorelevanten Fragen, wie es heißt.
Unter-35-Jährige verfügen demnach im Generationenvergleich über die geringsten Finanz- und Risikokenntnisse, wobei sich das bei den „Millennials“ im Verlauf ihres Lebens noch ändern könne, hoffen die Studienmacher.
Obwohl in Österreich, Deutschland und die Schweiz das Wissen um Finanzen und Risiken am größten sei, finden es die Analysten dennoch besorgniserregend, „dass nur einer von fünf Deutschen umfassend über die Risiken informiert ist und alle diesbezüglichen Fragen richtig beantworten konnte“. Dies sei in drei Szenarien deutlich geworden, in denen nur 13 Prozent die richtige Lösung für eine finanzielle Herausforderung fanden. Mehr als 17 Prozent konnten nicht einmal eines der Szenarien richtig lösen.
Den Studienmachern zufolge, zeigt sich, „dass trotz des stärkeren Fokus auf Finanzthemen nach der Finanzkrise die Europäer bedenklich wenig über Finanzen und Risiken wissen“. So habe der Anteil richtiger Antworten in etwa den Ergebnissen ähnlicher, zehn Jahre älterer Studien, entsprochen.
„Bedenklich ist auch, dass die Befragten, die professionelle Finanzberatung eher als nutzlos empfinden“
„Es ist beunruhigend zu sehen, dass sich der Wissensstand – gerade von Frauen und jungen Menschen – nicht verbessert hat. Sie haben mehr Verantwortung für ihre Finanz- und Ruhestandsplanung zu tragen als frühere Generationen und müssen sich aktiver darum kümmern“, sagt Brigitte Miksa, Leiterin von Allianz International Pensions. „Bedenklich ist auch, dass die Befragten, die professionelle Finanzberatung eher als nutzlos empfinden, am meisten davon profitieren würden.“
Die Allianz hatte die Umfrage im November 2016 unter diesem Titel durchgeführt: „When will the Penny Drop: Money, financial literacy and risk in the digital age“ – zu deutsch: „Wann fällt der Groschen: Geld, finanzielle Grundbildung und die Risiken im digitalen Zeitalter“.
Hier geht es zur vollständigen, englischsprachigen Studie >>>
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