Eigentumswohnungen in Wiesbaden: Die durchschnittliche Fläche im Bestand beginnt nun zu schrumpfen © picture alliance / Joko
  • Von Andreas Harms
  • 09.01.2026 um 08:30
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Jahrzehntelang gönnten sich die Deutschen größere und noch größere Wohnungen. Das hat jetzt ein Ende. Weil Neubauwohnungen seit 2005 kleiner werden, reagiert nun der Durchschnitt. Doch das muss nicht schlecht sein, meint man im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Wohnungen in Deutschland werden zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder kleiner. Bis 2050 werden alle bestehenden Appartements im Durchschnitt um 6 Quadratmeter kleiner sein als heute.

Das ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin im Rahmen einer Studie. Die Forscher Konstantin A. Kholodilin aus der Abteilung Makroökonomie und Sebastian Kohl von der Freien Universität Berlin werteten dazu amtliche statistische Daten aus.

Dabei stellen sie fest, dass Neubauwohnungen seit 2005 bescheidener bemessen werden. Besonders stark war das aber im vergangenen Jahr zu beobachten, als die durchschnittliche Größe der Neubauwohnung auf 80 Quadratmeter sank.

Das passiert allerdings nach einem langen Trend nach oben. Denn seit 1965 wuchsen Wohnungen von 69 auf 94 Quadratmeter. Parallel dazu hat sich die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt. Will heißen: In den größeren Wohnungen leben auch noch weniger Menschen.

Der Durchschnitt im Bestand reagiert jedoch langsam und dreht erst demnächst nach unten. Laut Kholodilin werden jedes Jahr nur rund 0,5 Prozent des gesamten Wohnungsbestands neu gebaut.

Wie sich die Wohnungsgröße in Deutschland entwickelt (Quelle: DIW Berlin)
Wie sich die Wohnungsgröße in Deutschland entwickelt (Quelle: DIW Berlin)

„Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden“, sagt Kholodilin „Doch die Wachstumsphase scheint vorbei. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt.“

Doch woher kommt dieser Wandel? Die Studienautoren machen dafür zwei Umstände verantwortlich:

  • kleinere Haushalte
  • steigende Immobilienpreise

Treiber Nummer 1 sei die Demografie, heißt es weiter. Genaugenommen: der Trend zum Single-Dasein. Denn der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland hat sich seit den 1960er Jahren auf 41 Prozent verdoppelt – in Großstädten wie Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 Prozent. Hinzu kommt, dass Immobilien seit 2010 sehr viel teurer wurden. Weshalb sich viele Menschen größere Wohnungen schlicht nicht mehr leisten können oder wollen.

„Zentrale Wohnform der Zukunft“

Übrigens reagieren Bauherren darauf. Im Jahr 2022 packten sie in jedes neu gebaute Haus im Schnitt 10,5 Wohnungen. 1980 waren es noch 7,5 Wohnungen.

Doch insgesamt betrachten die DIW-Leute das alles keineswegs als schlechte Nachricht. Im Gegenteil. „Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten“, meint Studien-Mitautor Kohl. „Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken.“

Bei Einfamilienhäusern hat sich das allerdings wohl noch nicht herumgesprochen. Dort konnten die Studienautoren noch keinen Rückgang der Wohnflächen beobachten.

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Andreas Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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