DIW-Analyse

Rentenanpassung: Lieber Inflation als Löhne? Eher nicht

Rentenanpassungen orientieren sich an der Lohnentwicklung. Das DIW Berlin hat in drei Varianten untersucht, ob die Inflation ein besserer Maßstab wäre. Das Ergebnis: Es gibt zwar Vorteile, die Nachteile überwiegen jedoch.
Rentner im herbstlichen Park: Das DIW Berlin hat untersucht, ob die Inflation ein besserer Maßstab für Rentenanpassungen wäre als die Lohnentwicklung.
© sandor-mejias/Magnific (KI-generiert)
Rentner im herbstlichen Park: Das DIW Berlin hat untersucht, ob die Inflation ein besserer Maßstab für Rentenanpassungen wäre als die Lohnentwicklung.

Jedes Jahr im Juli wird die gesetzliche Rente angepasst. In diesem Jahr ging es um 4,24 Prozent nach oben. Damit stiegen die Renten stärker als die Inflation. Tatsächlich spielt die Inflation für die Rentenanpassungen keine Rolle. Sie richten sich nach der Lohnentwicklung, ergänzt um einen Nachhaltigkeitsfaktor, der die demografische Entwicklung berücksichtigen soll. Auch die Rentenanwartschaften orientieren sich an der Lohnentwicklung.

Angesichts der drückenden Rentenlast, die nicht nur die Rentenkasse, sondern auch der Staat schultert, wird die Rentenanpassungsformel immer wieder diskutiert. So könnte statt der Lohnentwicklung die Inflation ausschlaggebend für Rentenanpassungen sein, was auch der Internationale Währungsfonds vorgeschlagen hat.

Rentenleistungen würden massiv sinken

Ob das tatsächlich sinnvoll wäre, hat jetzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer Studie untersucht. Analysiert wurden drei Ausgestaltungen und ihre Auswirkungen bis zum Jahr 2070. Unterstellt wird eine Inflation von jährlich 2 Prozent und ein Lohnwachstum von 3 Prozent.

In der ersten Variante werden sowohl Anwartschaften als auch laufende Renten nicht mehr mit der Lohnentwicklung, sondern der Inflationsrate angepasst. „Eine reine Inflationsanpassung würde eine massive Senkung der Rentenleistungen bedeuten. Es würde sich sogar trotz des demografischen Wandels eine Senkung der Beitragssätze ergeben. Dies würde allerdings auch bedeuten, dass das Sicherungsniveau der Rente stark sinken würde, und zwar von den heutigen 48 auf nur noch 32 Prozent“, sagt Studienautor Hermann Buslei. Die gesetzliche Rentenversicherung würde so ihre Funktion als Hauptsicherung im Alter verlieren.

Lieber Inflationsanpassung der Renten?

Werden hingegen nicht die Anwartschaften, sondern nur die laufenden Renten nach Rentenbeginn an die Inflation gekoppelt, wären die Auswirkungen geringer.  Der erwartete Anstieg des Rentenbeitragssatzes würde um etwa 1,5 Prozentpunkte gedämpft und das durchschnittliche Rentenniveau läge rund 3 Prozentpunkte unter dem Wert nach dem aktuellen Rentenmodell.

In einer dritten Variante würden auch nur die Renten mit der Inflation steigen, es aber eine erhöhte Einstiegsrente geben. Finanziert würde die höhere Anfangsrente durch die späteren geringeren Rentensteigerungen und einen stabilen Beitragssatz. Bei dieser Variante würden insbesondere Personen mit einer kürzeren Lebensdauer profitieren. „Wer nur wenige Jahre Rente bezieht, hat von einer höheren Anfangsrente mehr als von stärkeren Rentenerhöhungen in späteren Jahren“, so Buslei.

Das könnte aus sozialpolitischer Sicht einerseits vorteilhaft sein, da Geringverdiener tendenziell eine geringere Lebenserwartung haben. Andererseits beziehen Frauen häufig eine niedrigere Rente, leben aber vergleichsweise lange. Für diese wäre das Modell eher nachteilig, da Personen mit langer Lebensdauer im höheren Alter eine geringere Rente erhalten, als das bei geltendem Recht der Fall wäre.

Die Nachteile überwiegen

Insgesamt sieht Buslei in der Inflationsanpassung zwar durchaus Vorteile, die Nachteile würden aber überwiegen. „Ein wesentlicher Punkt bei der Inflationsanpassung ist, dass diese nicht zielgerichtet auf eine Umverteilung zugunsten von Personen mit unterdurchschnittlicher Lebenserwartung erfolgt“, so der DIW-Experte. Zudem könne die finanzielle Stabilität die Rentenversicherung gefährden, weil in Zeiten hoher Inflationsraten die Beitragsbasis der Renten, nämlich die Löhne, langsamer steigen könnte.

Nach Ansicht des DIW ist eine Kopplung der Rentenpassung an die Inflation nicht der richtige Weg, um das Rentensystem sozial gerechter zu gestalten. Eine gezielte Unterstützung für Menschen mit niedrigen Renten erachtet das Institut als sinnvoller.

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Autorin

Sabine

Groth

Sabine Groth schreibt seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig über Geldanlage sowie weitere Finanz- und Wirtschaftsthemen, seit 2009 als freie Journalistin. Zu ihren Auftraggebern zählen vor allem Fachmagazine und -portale.

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