Die Europäische Zentralbank EZB wird Staatsanleihen im großen Stil kaufen. Das gab Notenbankchef Mario Draghi auf einer Pressekonferenz bekannt. Hier gibt’s die Reaktionen aus der Finanzbranche dazu.
Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV:
„Der Schritt der EZB ist eine Zumutung. Es ist vollkommen ungewiss, ob das Ankaufprogramm die erhofften Effekte bringt. Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird. Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind. Das macht es uns jetzt noch schwerer, den Menschen gute Angebote für ihr Alter zu machen.“
Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der privaten Bausparkassen:
„Mit dem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen wird die schleichende Enteignung der Sparer beschleunigt. Wer sein Geld sicher anlegen will, bekommt seit längerem einen Zins unterhalb der Inflationsrate. Er verliert real Geld. ‚Es gibt kein Recht auf positive Zinsen‘, wird einem mitunter entgegengehalten. Und hinzugefügt: Solche Phasen habe es schon öfter gegeben. Das mag für kurzfristige Geldanlagen gelten – nicht aber für langfristige Sparanlagen. Die schleichende Enteignung sicherheitsorientierter Sparer sollte uns allen Sorgen machen. Denn sie untergräbt den Willen der Menschen, privat für ihr Alter vorzusorgen, und entwertet die bestehende Absicherung. Wenn die Menschen sich aber das Sparen sparen, wird es für den Staat richtig teuer – erst recht in einer alternden Gesellschaft. Bei allem Verständnis für die Motive und Zwänge der EZB: Sie wäre gut beraten gewesen, die schädlichen Nebenwirkungen ihrer Niedrigzinspolitik stärker im Auge zu behalten. Diese Nebenwirkungen sind keine Nebensächlichkeiten. Sie erschüttern das Grundvertrauen der Menschen in die Früchte ihrer Lebensleistung.“
Frank Engels, Leiter Portfolio-Management Renten bei Union Investment:
„Ein ordentlicher Schluck aus der geldpolitischen Pulle – aber es wäre durchaus mehr möglich gewesen. Die Ankündigung der EZB hat nicht die maximale Stärke. Wir begrüßen das Programm trotzdem – und es entspricht auch weitgehend unseren Erwartungen. Zwar haben die Währungshüter mit September 2016 einen Zeithorizont genannt. Dennoch glauben wir, dass mehr dahinter steckt: Die Zentralbank wird am Ende so lange kaufen, bis sich die Inflationserwartungen signifikant in Richtung der 2-Prozent-Marke bewegt haben. Darüber hinaus erwarten wir mittelfristig einen weiteren Renditerückgang bei Peripherie- und Unternehmensanleihen sowie eine fortgesetzte Abschwächung des Euros. Dass die EZB das Risiko der Ankäufe weitgehend auf die nationalen Zentralbanken verteilt, ist allerdings kontraproduktiv. Das führt zu einer weiteren Fragmentierung des Eurosystems und könnte den positiven Effekt des Ankaufprogramms speziell für Anleihen der Peripherie zumindest temporär überlagern.“
Johannes Müller, Investmentchef Wealth Management Deutschland bei der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM):
„Aus wirtschaftlicher Perspektive vertreten wir die Ansicht, dass die Staatsanleihenkäufe weder ein Allheilmittel gegen die Wirtschaftsflaute sein werden, noch dass dadurch ein großer Schaden entstehen wird. Die positivste Wirkung auf die Konjunktur dürfte die Abwertung des Euros haben. Diese kommt einem kleinen Konjunkturprogramm gleich. Darüberhinaus dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten. Sehr kritisch beurteilen wir einige Äußerungen im Vorfeld der Zentralbankentscheidung. Manche hochrangige Politikvertreter hatten die noch nicht getroffene Beschlüsse der unabhängigen EZB schon als Tatsache verkündet. Für den Euro rechnen wir mit einer Fortsetzung der Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Dies stellt eine Unterstützung für die Unternehmensgewinne in der Eurozone und damit für den Aktienmarkt dar. Der Rückgang der Renditen am Rentenmarkt war neben der Spekulation auf EZB Maßnahmen hauptsächlich durch rückläufige Inflationsraten und Inflationserwartungen bedingt. Da sich dieser Trend kurzfristig nicht umkehren wird, erwarten wir auf Sicht auch noch weiter freundliche Rentenmärkte.“
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