Pfefferminzia: Itzehoer und NV Versicherungen engagieren sich schon länger im Bereich nachhaltige Versicherungen. Jetzt haben Ihre beiden Häuser mit „bessergrün“ eine neue Plattform für nachhaltige Finanzdienstleistungen und Versicherungen gegründet. Warum?
Frederik Waller: Richtig, über eine andere Initiative haben die NV Versicherungen und Itzehoer schon vor drei Jahren nachhaltige Produkte angeboten. Da das Unternehmen Anfang dieses Jahres aber zum Verkauf stand, mussten wir uns entscheiden, wie wir das Thema weiterverfolgen wollten. Wir konnten dieses Unternehmen entweder übernehmen oder etwas Eigenes machen. Die Entscheidung fiel dann zugunsten eines eigenen Projekts. Aufgrund der Erfahrungen, die wir in den drei Jahren sammeln konnten, waren wir von der Idee der nachhaltigen Versicherungen überzeugt. Sowohl für Kunden als auch für Vermittler und Versicherer sind grüne Produkte sehr sinnvoll.
Henning Bernau: Als norddeutscher Versicherer bekommen wir an der Küste Ostfrieslands viel vom Klimawandel mit. Unser Unternehmenssitz liegt direkt hinterm Deich – und so schön diese Lage ist, birgt sie angesichts des extremer werdenden Wetters doch einiges an Gefahren. Es muss also etwas geschehen. Und wenn wir uns nicht darum kümmern, den Klimawandel aufzuhalten, wer dann? So kam es zur Zusammenarbeit mit der vorherigen Initiative. Dort wären wir aber immer auf das Thema Versicherungen beschränkt gewesen. Und das war uns zu wenig.
Inwiefern geht bessergrün weiter?
Waller: bessergrün ist ein nachhaltiger Marktplatz. Aktuell sind wir drei Versicherer, die sich als Gesellschafter an der Plattform beteiligen: Neben der NV und der Itzehoer ist gerade ganz frisch die Inter hinzugekommen. In der ersten Phase von bessergrün geben wir als Dienstleister Versicherern die Möglichkeit, eine grüne Produktlinie anzubieten mit zwei klaren Leistungsversprechen.
Welche sind das?
Waller: Erstens – wir pflanzen einen Baum in Deutschland – das ist zum Beispiel ein Unterschied zur vorherigen Initiative, wo die Bäume in Indien gepflanzt werden. Nicht nur Regenwälder müssen unterstützt werden. Um die deutschen Wälder müssen wir uns auch kümmern. Mit der jetzigen Baumpflanzaktion tun wir das. Gleichzeitig können Kunden und Makler sich leichter überzeugen, dass das wirklich geschieht. Sie können sich die Bäume anschauen.
Bernau: Genau, denn für jede abgeschlossene Versicherung pflanzen wir einen Baum auf einer ehemaligen Ackerfläche in Nindorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Von der 18 Hektar großen Fläche wollen wir noch in diesem Jahr 2 Hektar mit 10.000 Bäumen bepflanzen. Der Pflanztermin ist der 10. Dezember 2019.
Und das zweite Leistungsversprechen?
Waller: Zweitens investieren wir die Beiträge des Kunden in nachhaltige Kapitalanlagen. Und genau hier wollen wir mit bessergrün auch weitergehen, als wir das mit der vorherigen Initiative hätten tun können. Wir wollen unseren Marktplatz durch nachhaltige Kapitalanlageprodukte und weitere teilnehmende Unternehmen – auch abseits der Versicherungswirtschaft – ausbauen.
Welche Unternehmen kämen da zum Beispiel infrage?
Waller: In Kürze treffen wir uns mit einem Oldenburger Unternehmen. Das Geschäftsmodell dort ist es, Unternehmen die teure Umrüstung auf die energiesparende LED-Beleuchtung zu ersparen, indem sie die Leuchtmittel einfach mieten können. Damit kann das mietende Unternehmen unmittelbar zum Klimaschutz beitragen und die Betriebsausgaben für Energie sinken deutlich.
Welche Produkte können Kunden aktuell über bessergrün beziehen?
Bernau: Bisher sind das Kfz-Versicherung, Privathaftpflicht, Hausrat- und Wohngebäudeversicherung, Unfallversicherung und Tierhalterhaftpflichtversicherungen für Hunde und Pferde.
Waller: Nach und nach werden wir auch nachhaltige Kranken- und Lebensversicherungen ins Spektrum mit aufnehmen. Und eben die bereits angesprochenen Kapitalanlageprodukte. bessergrün soll sich zu einer Plattform für viele nachhaltige Produkte entwickeln. Daher suchen wir aktuell weitere Lizenznehmer.
Wie wird die Einhaltung nachhaltiger Standards bei der Kapitalanlage überprüft?
Waller: Es gibt einen Kriterienkatalog, der sich an den bisher geltenden deutschen Siegeln für nachhaltiges Investment orientiert. Damit aber der Kunde das auch versteht, ohne sich mit den Siegeln auseinandersetzen zu müssen, nennen wir einzelne relevante Kriterien explizit. Diesen Kriterienkatalog als Teil des Lizenzvertrags bekommen die Lizenznehmer und müssen sich verpflichten, diesen einzuhalten. Sobald wir dann das konkrete Produkt kennen, prüfen wir das auch.
Man hat mitunter das Gefühl, Nachhaltigkeit ist eher ein Marketing-Gag der Produktanbieter, da der Absatz „grüner“ Produkte sich noch eher dahinschleppt. Ist das ein Irrglaube?
Waller: Meiner Meinung nach ist das ein Irrtum, ja. Vielmehr erkennen immer mehr Menschen, dass jeder etwas zum Schutz unseres Planeten tun kann und tun muss. Wir können uns weder auf die Politik noch auf die Wirtschaft verlassen. Und wenn jemand denkt, sein Beitrag sei zu klein, er könne die Welt doch nicht verändern, ist das falsch. Denn jeder Beitrag zählt, sei er noch so klein. Wir als Versicherungsunternehmen können zum Klimaschutz beitragen, indem wir die Kundengelder zum Beispiel nachhaltig investieren, also weder den Ausbau von Kohlekraft noch von Atomenergie finanzieren, und indem wir Bäume pflanzen.
Die EU-Kommission arbeitet seit Mai 2018 an der Umsetzung des Aktionsplans für nachhaltige Finanzen. Welche Folgen wird dieses Vorhaben für den Finanz- und Versicherungsvertrieb haben?
Waller: Vermittler werden sehr wahrscheinlich ihre Kunden auf das Thema Nachhaltigkeit ansprechen und die Kundenwünsche in diesem Bereich dokumentieren müssen. Das wird das Thema Nachhaltigkeit beflügeln. Insbesondere bei Kapitalanlageprodukte ist das zu erwarten. Des Weiteren bin ich überzeugt, dass im Zuge dessen auch die Kapitalanlagen von Versicherern nachhaltiger werden dürften.
Bernau: Wer schlau ist, spezialisiert sich jetzt schon auf nachhaltige Finanz- und Versicherungsprodukte. Vielleicht nicht unbedingt im ländlichen Raum, aber zum Beispiel in Hamburg könnte man sicher eine große Klientel damit aufbauen. Und wäre damit all jenen schon voraus, die sich erst dann mit dem Thema befassen, wenn sie die EU dazu zwingt.
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