Den mehr als 7.000 Kunden des Unternehmens Pim Gold aus Hessen dürfte der Verlust heute noch in den Knochen stecken. Sie hatten ihm Geld gegeben, damit es davon Gold kauft und einlagert. Im Laufe der Zeit sollte noch Bonusgold hinzukommen.
Heute ist klar: Das Gold war nie da, die Anleger verloren ihr Geld. Alles war nur ein großes Schneeballsystem. Der ehemalige Pim-Gold-Chef Mesut Pazarci sitzt heute hinter Gittern.
Wie für alles in der Wirtschaft gibt es auch hierfür ein schickes englisches Wort: Double Spending. Es besagt, dass ein Händler oder Produktinitiator eine vorhandene Ware mehrmals verkauft und damit Kunden hinters Licht führt. Immer wieder nutzen Betrüger auf der ganzen Welt diese Masche. Wobei das auf Pim Gold gar nicht mal so genau zutrifft. Denn von dem Gold war ja nicht nur zu wenig vorhanden, sondern gar nichts.
Es sind solche Debakel, die das Unternehmen Finomet aus Berlin abschalten will. Double Spending soll der Vergangenheit angehören – das ist das Pfund, mit dem Finomet wuchern will und das es von anderen Marktakteuren unterscheiden soll. Finomet will Vertrauen durch Beweis ersetzen, wie es Firmenchef Andreas Kroll ausdrückt.
Wobei man zunächst ein paar Dinge erklären muss: Finomet ist ein Handelssystem mit eigener Handelssoftware. Noble Elements ist ein Händler und zum Beispiel eigenen Angaben zufolge zweitgrößter Importeur seltener Erden. Kroll hat beide Gesellschaften mitgegründet und ist derzeit auch noch bei beiden Geschäftsführer. Diese externe Personalunion soll jedoch in absehbarer Zeit enden. Man wolle dann eine weitere Führungskraft einbinden und die Sache neu regeln.
Noble Elements nutzt zwar Finomet, aber Finomet hat nicht nur Noble Elements als Kunde, sondern noch weitere Händler. Und die gehandelte Metalle liegen in einem von drei Lagern, mit denen Finomet ebenfalls zusammenarbeitet. Doch Kroll hat große Pläne: „Wir wollen, dass schon in drei Jahren jeder Edelmetallsparplan über Finomet läuft.“
Über Für und Wider, in Edel- oder sonstige Metalle regelmäßig zu sparen oder einmalig Geld hineinzustecken, lässt sich trefflich streiten. Schließlich gibt es keine Zinsen und keine Dividenden. Auch wie sich der Preis künftig entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen.
Die andere Seite ist allerdings: Metalle gehören zu den Sachwerten und schützen zweifellos davor, dass der Euro massiv an Wert verliert, vielleicht sogar durch einen Währungsschnitt. Denn dann ist Metall noch immer da und bekommt auch in einer möglicherweise neuen Währung seinen angemessenen neuen Wert. Vor allem die hohe Inflation hat nicht wenige Menschen in dieser Hinsicht nachdenklich gemacht. Bei Industriemetallen wie seltenen Erden kommt noch hinzu, dass sie nach aktuellem Kenntnisstand durch den technologischen Fortschritt stetig stärker nachgefragt werden. Was den Preis nach oben drücken könnte.
Seite 2: Und wenn ein paar Ganoven wie in „Ocean’s Eleven“ das Zeug klauen?
Ob man dort mitmischen will, muss jeder für sich entscheiden. Betrugssicher soll es jedenfalls durch moderne Technik werden. Denn das System schreibt jede Transaktion in eine Gnosis-Blockchain. Die setzt auf dem bekannten Technik-Universum Ethereum auf und kann deshalb auch individuelle Verträge (Smart Contracts) enthalten.
Wir erinnern uns: Blockchains sind Ketten aus Blöcken, in denen Daten abgelegt sind. Jeder Block ist an den vorherigen gekoppelt, und die gesamte Kette wird mit jedem neuen Eintrag länger und ist auf vielen Computern rund um den Globus zugleich abgelegt. Deshalb lassen sich alte Blöcke – nach heutigem Wissensstand – auch nicht mehr verändern. Bei der Gnosis-Blockchain sind eigenen Angaben zufolge über 120.000 solche sogenannte Validatoren am Start – jeder hat eine Kopie aller Daten und muss jeden neuen Eintrag prüfen und absegnen.
Technisch läuft das dann so: Die aktuelle Preisliste von Noble Elements umfasst derzeit 14 chemische Elemente, darunter auch die Klassiker Gold, Silber, Platin und Palladium. Und wer zum Beispiel 10 Gramm Dysprosiumoxid kaufen will (braucht man unter anderem für Kondensatoren, Motoren und Generatoren), bekommt dafür zehn digitale Einheiten, sogenannte Token. Die packt er in eine elektronische Brieftasche, eine Wallet. Zugleich landen der Kauf in der Blockchain und das Material in einem Lager.
Die Token selbst sind allerdings nichts wert, und sie sind auch nicht die eigentlichen Handelsobjekte. „Token sind die Einlagerungsnachweise für die Ware, sie bestätigen aber auch den Geldeingang und den Kaufpreis. Damit können wir Produktinitiatoren als Betrüger definitiv ausschließen“, sagt Kroll. Laut aktueller Preisliste würden die oben erwähnten 10 Gramm übrigens 5,10 Euro kosten (Stand: 23. August 2023).
Und wenn das Material dann trotzdem nicht da ist? Vielleicht weil ein paar Ganoven wie in „Ocean’s Eleven“ eingestiegen sind? Dann besteht laut Kroll trotzdem hieb- und stichfest der Anspruch auf die Ware. Und für den muss das Lager geradestehen – oder dessen Versicherung. Denn die Lager hatten die Lieferung ja anfangs bestätigt. Zwei solche Depots sind übrigens die Zollfrei-Lager Freeport in Berlin und Metlock in Frankfurt. Beide bringen einiges an Renommee mit.
Die Berliner wollen nun ihre Techniken Vermittlern und deren Kunden näherbringen. Da es sich um Waren handelt und keine Zertifikate oder andere Wertpapiere dazwischengeschaltet sind, sind laut Kroll auch keine besonderen Lizenzen nach der Gewerbeordnung nötig. Dem Finanzdienstleisterverband AfW ist Finomet jedenfalls schon beigetreten. Dessen Vorstand Norman Wirth zeigt sich begeistert: „Mit der Blockchain-Technologie von Finomet wird es möglich, transparentere Strukturen ins klassische Finanzgeschäft einzubringen. Das ist gut für die Kunden, gut für die Vermittler und gut für die Branche.“
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