Kommentar

Deshalb ist die Pflegerente ein Ladenhüter

Dass der Verkauf von Pflegerenten in Deutschland noch nicht richtig Fahrt aufgenommen hat, hat mehrere Gründe, meint Versicherungsexperte Tobias Haff. Welche das sind und wie man dem Produkt eventuell einen Schub geben könnte, lesen Sie in seinem Kommentar.
© dpa/picture alliance
Eine Pflegekraft hilft einer alten Dame auf die Beine.

Mein Gefühl, dass sich die Pflegerente nicht richtig verkauft, bestätigt die Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft jedes Mal aufs Neue. Trotz aller Vertriebsmühen und ministerieller Hilfe – Stichwort Pflege-Bahr – kommt der Absatz nicht in Schwung.

Nur wenige 10.000 Stück werden jedes Jahr in Deutschland verkauft. Veränderung ist nicht in Sicht. Das Produkt klemmt zwischen Generationenbedarf, Lebensgefühl und Risikowahrnehmung.

Die heutige Rentnergeneration fühlt sich zu Recht meist gut versorgt. Dazu kommt: Aktivität und Wohlfühlen prägten das Nach-Arbeitsleben. Segeltörn, mit dem E-Bike auf den Berg, noch schnell eine Reise um die Welt. Krankheit und körperlicher Verfall werden ausgeblendet. Das optimierte Anlegen und spätere Vererben des Vermögens bewegt weit mehr als der Gedanke an eine Vorsorge für den Pflegefall. Warum auch, wenn die Kosten im Notfall selbst bestritten werden können?

Es ist eher meine Generation – die mit dem X – sowie die, die nachfolgen, die im Fokus stehen könnten. Doch wer macht sich Gedanken über ein Risiko, das so weit in der Ferne liegt?

Schneller beruflicher Wandel und Ereignisse wie plötzliche Nullzinsen zwingen zu ständigen Änderungen der Finanzplanung. Wer will da für ein Risiko planen, das vielleicht irgendwann zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr zum Tragen kommt?

Mitunter zog im Beratungsgespräch das Argument „Kinder haften für ihre Eltern“. Genügen Rente und Vermögen nicht, springen die Sozialbehörden für die Kosten ein. Bei entsprechendem Einkommen werden die Kinder in die Pflicht genommen. Klingt bedrohlich. Wer nachrechnet, stellt fest: Meist bleibt die Verpflichtung überschaubar.

Besser als Risikoversicherung?

 

Und jetzt gibt es erste Stimmen in der Politik, dass es nur noch Besserverdiener treffen soll. Das wäre das Ende für dieses Vertriebsargument. Neben der Pflegepflichtversicherung bleibt damit wenig Luft. Zweifelsfrei zählt die Pflegebedürftigkeit zu den bio-metrischen Risiken mit weitreichenden finanziellen Folgen.

Vielleicht hätte die Pflegerente als Risikoversicherung mehr Chancen. Als Angebot im Zusammenspiel mit anderen biometrischen Risiken. Und nicht nur als Kapitalversicherung mit Sparcharakter für irgendwann später.
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