In einer Kolumne für die Wochenzeitung Die Zeit spricht sich Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbrauchermagazins Finanztip, zumindest in Teilen für die Riester-Rente aus. „Ich sage es ganz bewusst noch einmal: Riestern kann sich durchaus lohnen“, schreibt der Verbraucherschützer.
Geringverdiener könnten von den staatlichen Zulagen und Gutverdiener von den Steuerersparnissen profitieren, die das Produkt böte. Für eine Mutter mit zwei kleinen Kindern sei eine jährliche Zulage von bis zu 754 Euro drin: die Grundzulage von 154 Euro pro Jahr und zweimal Kinderzulage für ab 2008 geborene Kinder in Höhe von jeweils 300 Euro.
Es gebe aus der Sicht des Kunden betrachtet auch durchaus gute Verträge – man müsse nur genau hinschauen, so Tenhagen weiter. Eine der vier Riester-Varianten, die der Verbraucherschützer für attraktiv hält sind Riester-Banksparpläne. „Sie kosten wenig, auch ältere Sparer können noch einsteigen, und sie lassen sich flexibel einsetzen – etwa noch für den Hausbau“, schreibt Tenhagen. Problem sei dabei nur, dass die allermeisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken den Vertrieb von Riester-Banksparplänen inzwischen eingestellt hätten.
Auch Riester-Fondssparpläne hält der Verbraucherschützer für brauchbar, „gerade dann, wenn Sie noch Jahrzehnte Zeit bis zur Rente haben“. Anders als bei fondsgebundenen Riester-Rentenversicherungen seien die Kosten hier geringer.
Tenhagen schließt dann mit folgendem Plädoyer: „Eines gilt es auch in Zeiten von minimalen Zinsen und schlechter Presse für die Riester-Rente zu beachten. Die staatliche Rente wird nur für die Wenigsten ausreichen. Wichtig ist, überhaupt etwas für die private Altersvorsorge zu tun.“
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
In den Kommentaren unter dem Artikel aber, gibt es zahlreiche negative Kommentare auf den Artikel. So schreibt etwa „Betrand“: „Die Bemerkungen sind richtig – der Artikel ist aber grundfalsch. In bestimmten Situationen wie angeführt, kann sich das durchaus lohnen. Aber diese Fördersituation hält auch bei einer Ideal-Kundin nicht über die Laufzeit an. Die sogenannte Nachbesteuerung bringt für viele Kunden – vor allem wenn sie gut verdienen – mehr Nach- als Vorteile. Die Rate wird aus dem Einkommen oberhalb der Bemessungsgrenze der Krankenversicherung bezahlt und der Ertrag wird später mit dem vollen Beitragssatz (und nicht dem halben) belegt. Allein dieser Effekt zehrt bei den meisten Kunden die Förderung voll auf.“
Auch der Kommentator „vonZeitzuZeit“ macht seinem Ärger Luft. Auf die Aussage von Tenhagen, dass die staatliche Rente nur für die Wenigsten ausreichen werde, kommt die Antwort „ … woran die paar Peanuts für das Riestern, erkauft mit jeder Menge Bürokratie und leicht verdienten Extraprofiten für Banken und Versicherungen, auch nichts ändern werden.“
„Solocare“ äußert sich folgendermaßen dazu: „Da spare ich mir noch etwas von meinem Verdienst ab, der Staat gibt grosszügig noch etwas von meinen Steuern dazu, und wenn es dann zur Auszahlung kommt, nimmt er mir durch Steuern wieder alles ab was ich mir im Leben zusammengespart habe. Wenn man das nicht möchte, kann man dem System nicht mal mehr entkommen. Nebenbei wird die Finanzindustrie mitversorgt.“
Partei für die Riester-Rente ergreift dagegen „2eco“: „Es gibt einen Faktor der hier unerwähnt bleibt, den ich allerdings als sehr relevant betrachte und der für mich sogar mit der Hauptgrund für Riester ist. Und zwar ist das Vermögen gesichert. Wenn ich länger Arbeitslos werde, wird das Geld nicht angetastet. Wenn die Eltern zum Pflegefall werden, ist das Geld ebenfalls safe. Die beiden Szenarien sind gar nicht mal so unwahrscheinlich und es wäre zutiefst bitter, wenn man Jahrzehnte selber in einen Aktienfond etc. einzahlt und das Geld dann innerhalb von wenigen Monaten komplett vom Staat ‚vernichtet‘ wird.“
Und auch „44quattrosport“ meint, er könne sich über seinen fondsgebundenen Riester-Vertrag bei der Cosmos nicht beklagen. Dieser habe seit 2002 eine Rendite von 6,35 Prozent pro Jahr gebracht. „Ich kann nicht meckern, trotz minimalster Zulagen bei mir :)“