Interview mit Stefan M. Knoll

„Der Einstieg ins Verkaufsgespräch wird durch die Pflege-Reform erleichtert“

Seit 1. Januar gelten neue Regeln in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Für Makler ist das gut, meint Stefan M. Knoll, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung. Dadurch sei das Thema nämlich in aller Munde und der Einstieg für Makler in ein Beratungsgespräch leichter. Wer vor allem von einer Absicherung profitieren würde und was die DFV mit Ikea zu tun hat, erklärt er im Interview.
© DFV
Stefan M. Knoll ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung.

Pfefferminzia: Seit Januar gelten neue Regeln in Sachen Pflege. Welche Chancen ergeben sich daraus für Makler?

Stefan M. Knoll: Durch das Inkrafttreten des zweiten Pflegestärkungsgesetzes, kurz PSG-II, ist die private Pflegevorsorge wieder in aller Munde. Davon profitieren die Makler, weil der Einstieg ins Verkaufsgespräch dadurch wesentlich einfacher wird. Doch hierfür müssen die Makler die Zielgruppen kennen. Als außerordentlich wichtig benenne ich Frauen und Kinder.

Frauen liegt Vorsorge mehr am Herzen als Männern. Nur leider sind Frauen DIE Leidtragenden des PSG II. Frauen sind durch ihre höhere Lebenserwartung einer höheren Gefahr der Demenzerkrankung und Pflegebedürftigkeit ausgesetzt. Und eines kommt hinzu, wenn Frauen pflegebedürftig werden: Sie sind im Alter meist allein und das gemeinsame Ersparte wurde schon für die Pflege des Mannes ausgegeben.

Wir, die Makler und Versicherer, müssen die Frauen und Kinder in den Fokus unseres Handelns stellen. Kinder sind schutzbedürftiger als alle anderen Bevölkerungsgruppen und wir müssen uns schon heute um ihre Versorgung im Alter kümmern. Die Beiträge für Kinder im Bereich der privaten Pflegezusatzversicherung sind vergleichsweise niedrig. Zwischen dem ersten und zehnten Lebensjahr zahlen die Eltern nie mehr als 10 Euro im Monat. Da sollten alle Makler und auch Eltern erkennen, dass es sich um eine gut bezahlbare Pflichtversicherung für Kinder handelt.

Wie haben Sie auf die Pflege-Reform reagiert?

Wir waren die erste Versicherungsgesellschaft Deutschlands, die eine PSG-II-konforme Pflegezusatzversicherung auf den Markt gebracht hat. Seit dem 1. Oktober 2016 bieten wir die neue DFV-DeutschlandPflege an. Dadurch haben wir uns schon sehr früh mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff, dem neuen Begutachtungsverfahren und allen weiteren Neuerungen des PSG-II beschäftigt.

In der Basis- und Komfort-Variante unserer neuen DFV-DeutschlandPflege verdoppeln oder verdreifachen wir das staatliche Pflegegeld je Pflegegrad in der häuslichen Pflege. In der Premium- und Exklusiv-Variante unseres Produkts vervierfachen oder verfünffachen wir das staatliche Pflegegeld in der häuslichen Pflege. Zusätzlich zahlen wir in beiden Varianten eine Extraleistung aus, wenn Sie durch einen Unfall pflegebedürftig werden.

Eine weitere Extraleistung erhalten Sie, wenn Sie erstmalig in einen Pflegegrad eingestuft oder als bereits Pflegebedürftiger höhergestuft werden. Die Leistungen für stationäre Pflege haben wir an den neuen einheitlichen Eigenanteil pro Pflegeheim angepasst, das heißt wir leisten in unseren vier Varianten, Basis, Komfort, Premium und Exklusiv jeweils einen Betrag über alle Pflegegrade hinweg.

Beim neuen Produkt haben Sie einen niedrigeren Rechnungszins gewählt. Wie hoch ist er und wie hat sich der Preis der Police dadurch verändert?

Der Zinssatz beträgt nun 1,75 Prozent. Normalerweise wirkt sich eine Veränderung des Zinssatzes um einen halben Prozentpunkt mit rund 8 Prozent im Beitrag aus. Tatsächlich ist aber die Veränderung bei unserer Pflegezusatzversicherung nicht annähernd so gravierend, weil sich durch die völlige Neukalkulation wegen des PSG-II andere Preiseinflüsse durchgesetzt haben.

Sie sagten in einem Artikel des Handelsblatts, dass die DFV das Ikea der Versicherungen werden wollen? Was steckt dahinter?

Das ist einfach erklärt: Wer als Kunde in einen Ikea-Markt hineingeht, kommt, ob er Geschmack hat oder nicht, mit einer recht ordentlichen Grundausstattung an Möbeln, Teppichen und vielem mehr wieder heraus. Und wer die Entwicklung von Ikea in den vergangenen Jahren verfolgt hat, weiß auch, dass die angebotenen Möbel weder billig noch qualitativ minderwertig sind.

Wenn man jetzt davon ausgeht, dass die Mehrheit der Deutschen wenig Ahnung von Versicherungen hat, bietet die Deutsche Familienversicherung mit ihrer 16er Matrix Versicherungslösungen für Jedermann an. Um in der Metapher des Ikea-Marktes zu bleiben, heißt dass, das der Kunde durch die Flexibilität und Einfachheit der 16er Matrix, genau den Versicherungsschutz erlangt den er auch wirklich braucht.

Was ist die 16er Matrix?

Grundlage hierfür war die konsequente Vereinfachung unseres Versicherungsangebotes. Aus 106 verschiedenen Produkten haben wir 16 gemacht: Die verbliebenen vier Versicherungen DFV-ZahnSchutz, DFV-AmbulantSchutz, DFV-KlinikSchutz und die DFV-DeutschlandPflege gibt es jeweils in den vier Varianten, Basis, Komfort, Premium und Exklusiv. Durch unsere vier Varianten bieten wir Versicherungsschutz für jeden Geldbeutel und jede Lebenssituation an – genauso wie Sie die Möbel von Ikea sowohl im Studentenwohnheim als auch in der aristokratischen Altbauwohnung finden können. 

Digitalisierung ist ein Riesen-Thema in der Versicherungsbranche. Wie wird sie in Ihren Augen Versicherer und Versicherungsvertrieb verändern?

Digitalisierung bedeutet zunächst nichts anderes als einfach verständliche Produkte. Nur bei einfach verständlichen Produkten lohnt sich die Digitalisierung. Ein Produkt, das man nicht auf Anhieb versteht, muss man auch nicht online abschließen oder digital verarbeiten können. Deswegen sind wir von 106 verschieden Produkten runter auf 16. Für unsere Produkte der 16er-Matrix gilt, es sind die einfachsten: Einfach Alter eingeben und 16 Preise für 16 Versicherungen erhalten. Dann muss man nur noch auswählen. Das ist gelebte Digitalisierung.

Doch für die meisten heißt Digitalisierung bloß effizienz- und kostengetriebene Automatisierung wiederkehrender Abläufe: Weniger Mensch, mehr Maschine. Das war uns zu wenig. Wir wollten, dass zuerst der Kunde, dann der Makler und erst dann die Versicherung einen Vorteil haben. Mit unserem DFV-Maklerportal erleichtern wir den Maklern ihre Arbeit und die daraus folgende Zeitersparnis kommt dem Kunden zugute, weil der Makler mehr Zeit für die Beratung hat. Mit unseren Selbstregulierungs-Tools geben wir den Kunden die Macht und den Überblick über ihre Versicherungen zurück.

Wir verstehen die Digitalisierung als die größte Chance der Versicherungsbranche, weswegen wir den Wandel gestalten und von ihm profitieren wollen.

Als Direktversicherer stellen wir den größten Wandel im Bereich der Serviceangebote fest. Die Formen des Dialogs verändern sich. Die Kunden von heute erwarten ein umfangreiches digitales Angebot und sind bereit, Prozessschritte zu übernehmen. Die Deutsche Familienversicherung bietet den Maklern und ihren Kunden im Laufe des Jahres 2017 dafür neuen digitalen Service. Dazu gehören unter anderem die Versicherungskarte im Smartphone, die Online-Selbstregulierung, die papierlose E-Police und zuletzt unser neues DFV-Maklerportal.

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