Hans-Böckler-Stiftung warnt

Senkung des Rentenniveaus bedroht nicht nur Geringverdiener

Wenn das Rentenniveau wie bislang vorgesehen gesenkt wird, wird es auch für Beschäftigte mit mittlerem Einkommen schwieriger, sich eine gesetzliche Rente deutlich oberhalb der Grundsicherung zu erarbeiten. Zu dieser Einschätzung kommt die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung auf Basis einer aktuellen Analyse.
© dpa/picture alliance
Eine Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus ist dringend geboten, fordert die Hans-Böckler-Stiftung.

Zwischen 2001 und 2017 sei das Sicherungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland um acht Prozent gesunken, teilt die Hans-Böckler-Stiftung mit. Bis 2045 solle das Rentenniveau nach aktueller Planung um dann insgesamt 21 Prozent gegenüber der Jahrtausendwende abgesenkt werden.

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Aus Sicht der Stiftung hat die weitere Absenkung des Rentenniveaus fatale Konsequenzen:

So werde es künftig auch für qualifizierte Beschäftigte mit mittlerem Einkommen schwieriger, „sich eine gesetzliche Rente deutlich oberhalb der Armutsgefährdungsschwelle zu erarbeiten“, lautet das Fazit der Stiftung.

In der zugrundeliegenden Kurzstudie verweist man auf neue Modellrechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung nachfolgend im Wortlaut:

Beim aktuellen Rentenniveau (rund 48 Prozent, gemessen am Durchschnittsentgelt) erhält eine Person, die als Alten- oder Krankenpfleger/in nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt wird, nach gut 25 Beitragsjahren eine Rente, die höher ist als die Grundsicherung im Alter. Würde heute dagegen bereits das für das Jahr 2045 prognostizierte Rentenniveau von knapp unter 42 Prozent gelten, hätte die Pflegerin/der Pfleger erst nach rund 29 Beitragsjahren einen Rentenanspruch oberhalb der Grundsicherung, die 2015 bei durchschnittlich 747 Euro im Monat lag.

Ein Rentner mit 45 Beitragsjahren in Vollzeit muss beim aktuellen Rentenniveau im Durchschnitt 11,42 Euro pro Stunde brutto verdienen, um die Grundsicherungsschwelle zu überschreiten. Gälte schon das für 2045 prognostizierte Rentenniveau, wären dafür mindestens 13,06 Euro nötig. Bei 35 Beitragsjahren in Vollzeit stiege der notwendige Stundenlohn von aktuell 14,68 Euro auf 16,79 Euro.

Soll die gesetzliche Rente über der Armutsgefährdungsschwelle liegen, die nach den neuesten vorliegenden Daten von 2015 bei 942 Euro Monatseinkommen für einen Alleinstehenden liegt, fallen die notwendigen Stundenlöhne noch deutlich höher aus: Nach heutigem Stand und bei 45 Beitragsjahren in Vollzeit müssen im Durchschnitt 14,40 Euro verdient werden. Beim Rentenniveau des Jahres 2045 wären es 16,47 Euro. Rechnet man mit 40 Beitragsjahren in Vollzeit, betragen die nötigen Stundenlöhne sogar 16,20 beziehungsweise 18,53 Euro.

Eine Stabilisierung oder Anhebung des Rentenniveaus sei „dringend geboten“, um für alle Einkommensgruppen die Lohnersatzfunktion der Renten und damit die Legitimität der Rentenversicherung sicherzustellen, schreibt der Alterssicherungsexperte Florian Blank im Resümee seiner Studie.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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