Der Produkt-Check, Teil 7

Die „Fondsfittery“ des Volkswohl Bunds – eine Box fürs Leben

Im Dschungel der Versicherungstarife ist es schwierig, die Perlen zu finden. Jeden Monat stellt unser Gastautor Christian Geier, Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl, daher in seiner Kolumne ein Produkt vor, und gibt seinen Senf dazu. Dieses Mal: „Fondsfittery“ des Volkswohl Bunds.
© FP Finanzpartner
Christian Geier ist Vorstand der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität.

Ja, der Volkswohl Bund (VWB), der weiß, wie es geht. Also, wie man Makler zu Fans macht. Beispiel LVRG I: Da kam der VWB mit einem Vergütungs-Modell (fünf + drei Jahre) um die Ecke, das wohl der denkbar fairste Ausgleich zwischen Kunden-, Aufsichts- und Vermittler-Interesse war.

Beispiel Corona: Hier war der VWB mit seinen Stundungsregelungen ebenfalls lösungsorientierter Vorreiter. Dazu Produktinnovationen wie die Rente Plus mit der erhöhten Rente bei Altersvorsorgeprodukten im Pflegefall. Oder die „Klassik modern“, mit der man die Index-Rente bei uns Maklern salonfähig gemacht hat. Oder die Existenz-Grundfähigkeitenversicherung, ein echter Verkaufsschlager.

Ok, letztere wurde zwischenzeitlich durch das Spin-off „Die Dortmunder“ erst quasi ersetzt und in erstaunlicher Taktung dann in einer weiteren Evolutionsstufe wieder aufgetaut und runderneuert. Ein Hin und Her, das man den Dortmundern überraschend schnell verzeiht, genauso wie das Einstampfen und Hindümpeln der Pflege-Rente, die leider bis zum heutigen Tag noch nicht an die neue Pflegegrade-Welt angepasst wurde.

Jetzt also die „Fondsfittery“. Ein Neologismus, der sich marketingtechnisch unschwer erkennbar an der Bekleidungsbranche anlehnt. Es muss also um Kisten gehen, deren Inhalt sich an dem orientiert, was ich einmal vorgegeben habe, und die mir mehr oder weniger regelmäßig mit immer aktuellster Mode zugehen. Ein inzwischen in der Textilindustrie bewährtes und erfolgreiches Geschäftsmodell. Aber funktioniert das auch in der Altersversorgung?

Fondspolice mit ETF-Portfolios

Abseits des wirklich schicken und eingängigen Namens handelt es sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung mit ETF-Portfolios. Letztere werden von der DWS bereitgestellt und gemanagt. Im Übrigen auch abseits des Versicherungsmantels, wo sich 34f-Inhaber die Frage stellen dürfen, was denn jetzt wohl besser ist für den Kunden. Ich bin da eindeutig: Geht es um die Vermögensbildung auf mittlere Sicht, dann wird es das freie Depot.

Geht es um Altersversorgung, nehme ich die Versicherung. Denn die Verrentungsmöglichkeiten, Bausteine zur Verdienstausfallabsicherung und erhöhte Renten im Pflegefall (da ist sie wieder, unsere Rente Plus) und die Steuervergünstigungen bei der Auszahlung machen die höheren Kosten mehr als wett.

Der Blick auf die Kosten

Kosten, natürlich, ein Punkt der in keiner Tarif-Rezension fehlen darf. Der Volkswohl Bund hat dabei eine der günstigsten Kosten-Grundstrukturen überhaupt im Markt. Bei den Abschlusskosten packt der VWB zwar stets noch 1,5 Prozent der vereinbarten Beitragssumme in den Jahren sechs bis acht oben drauf zu den 2,5 Prozent, die laut LVRG in den ersten fünf Jahren maximal sein dürfen. Und auch die 9,5 Prozent Verwaltungskosten auf den Beitrag sind nicht die mickrigsten, die man finden kann.

Aber bei den Gebühren aufs Vertragsguthaben, da wird mit 0,15 Prozent maximal tiefgestapelt. Und da letztere Position die entscheidende ist, wenn es um das unter dem Strich geht (während Kreuzzügler gegen Versicherungsvermittler immer noch die Abschlusskosten anprangern und damit rechnerisch komplett daneben liegen), hat der Volkswohl-Bund-Kunde an der Stelle schon mal ein sehr gutes Los gezogen. Ich erinnere gerne nochmal daran, dass maschinengesteuerte Anlageangebote im Internet im Schnitt das Fünffache davon aufrufen.

Aber wir sind noch nicht fertig, denn die Fonds kosten ja auch noch was. Geh ich jetzt auf den günstigsten Einzelfonds im VWB-Anlageuniversum, dann ist das der iShares Core S&P mit 0,07 Prozent Jahresgebühr. Das ist zwar praktisch nichts, aber es stellt sich halt schon die Frage, ob es sinnvoll ist, seine Altersversorgung der günstigen Kosten wegen allein auf die amerikanische Wirtschaft zu stützen (Trump würde das machen, aber hier soll nicht politisiert werden…). Dann vielleicht doch ein Dimensional oder: die Fondsfittery. Die kostet 0,65 Prozent (statt den 0,15 Prozent, siehe oben) im Jahr plus 0,19 Prozent für die aktuell aktienlastigste Fondsbox Nummer 7 (19 Stück gibt es insgesamt).

Oder anders, 84 Euro pro 10.000 Euro im Vertrag pro Jahr. Das ist Geld, ohne Frage, aber was kriegt man dafür? Der Kunde: Ein gemanagtes ETF-Portfolio, das nach seinen Erwartungen, Wünschen und Risikoneigung erstellt worden ist und sich mindestens viermal im Jahr an die bestehenden Marktverhältnisse anpasst. Und das über Jahrzehnte hinweg. Ein Portfolio übrigens, das in den zwölf Monaten bis Ende März 2020 in der dynamischsten Variante nur einen Verlust von 4,49 Prozent stehen hat (Dax: minus 16,99 Prozent, MSCI World: minus 9,68 Prozent). Gut, Vergangenheitszahlen sind geduldig, aber das Prinzip ist klar, oder?

Vorteile für Vermittler

Der Vermittler bekommt eine IDD-konforme Geeignetheitsprüfung „en passant“ mit entsprechender Produktauswahl. Und kein schlechtes Gewissen, weil er sich um die Fondspolice des Kunden nicht so intensiv kümmert, wie es sein sollte. Denn eine Fondspolice ist hinsichtlich des Betreuungsbedarfs nichts anderes als ein offenes Depot. Nur nicht offen. Hand aufs Herz: Wer behandelt seine Verträge mit entsprechender Intensität? Wenn man statt über Abschlussvergütungen über das NAV sein Geld verdient, kann man das wegen des dauerhaften Anreizes in den Griff bekommen. Oder eben über die Fondsfittery.

Wo noch die Frage geklärt werden muss, was die VWB-Fondsboxen anderes sind, als die gemanagten Portfolios fast aller anderen Anbieter? Die Antwort ist, dass das Ganze einfach besser gemacht ist. Ein schlüssiges, zu Ende gedachtes Konzept, kostengünstig, kunden- und vermittlerfreundlich, professionelle Akteure, eingebettet in die am schönsten zu bedienende Angebotssoftware, seit es Versicherungen gibt.

Ein paar Nachteile gibt’s

Also, die Höchstnote?! Nicht ganz. Denn erstens finde ich es nicht gut, wenn Versicherer dem Vermittler die Wahl lassen, ob er Angebote nach Brutto- oder Nettomethode ausweist, sprich vor oder nach Fondskosten. Bei einem Sparvorgang über 21 Jahre, 300 Euro im Monat und 3 Prozent Dynamik beträgt der Unterschied mehr als 12.000 Euro. Das heißt, dass zwei Kunden das gleiche Produkt bekommen, aber bei einem stehen am Ende 12.000 Euro mehr zu Buche als bei dem anderen. Auf dem Papier natürlich. Das muss nicht sein. Nein, es darf nicht sein. Zur Ehrenrettung des Volkswohl Bunds sei gesagt, dass es immer noch Versicherer gibt, die ausschließlich netto ausweisen. In dem Zusammenhang verweise ich auf meinen Mai-Artikel

Und dann noch die Sechs-Monats-Regel bei Beitragsfreistellungen. Die hat bestimmt Vorteile für das Kollektiv: „Bei einer Wiederinkraftsetzung innerhalb von sechs Monaten werden die ursprünglichen Rechnungsgrundlagen verwendet, bei einer späteren Wiederinkraftsetzung können wir die dann für Neuverträge gültigen Rechnungsgrundlagen verwenden.“ Aber es gibt diesen Passus bei anderen Versicherern eben nicht. Da die Formulierung aber für den einzelnen Kunden tendenziell nachteilig ist, wenn zum Beispiel die Lebenserwartung weiterhin steigt, wünsche ich sie mir weg.

Fazit

Die Fondsfittery kann lässig, sportlich und elegant sein – je nach Kundengeschmack, und ist keine Spielerei, sondern ein echt beachtenswertes Altersversorgungsprodukt.

8,5 von 10 Punkten

Über den Autoren

Christian Geier, Jahrgang 1974, ist Vorstand bei der FP Finanzpartner AG und dort unter anderem zuständig für die Produktauswahl und Sicherung der Beratungsqualität. Zudem leitet er dort das umsatzstärkste Ressort „Personenversicherungen“. Der promovierte Kultur- und Betriebswirt berät dabei immer noch seine eigenen Kunden und lebt und arbeitet im niederbayerischen Straubing.

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