Untersuchung der Sachkundegurus

Baufi-Markt: Die Berater fehlen

Der Baufinanzierungsmarkt steuert auf einen Engpass zu: 555 Milliarden Euro müssen bis 2028 refinanziert werden – bei stagnierender Beraterzahl. Steigende Zinsen und weniger Filialen erhöhen den Druck, eröffnen aber Chancen für qualifizierte Fachkräfte.
Michael Bickel ist Geschäftsführer der Sachkundegurus.
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Michael Bickel ist Geschäftsführer der Sachkundegurus.

Der deutsche Baufinanzierungsmarkt steuert auf einen Beratungsengpass zu. Zwischen 2024 und 2028 müssen Immobilienkredite im Volumen von 555 Milliarden Euro refinanziert werden. Gleichzeitig stagniert die Zahl der zugelassenen Baufinanzierungsberater bei rund 58.000. Das geht aus einer Untersuchung der digitalen Weiterbildungsplattform Sachkundegurus hervor.

„Der Baufinanzierungsmarkt verändert sich grundlegend. Die Refinanzierungswelle und das Filialsterben treffen auf eine konstante Zahl an Beratern“, sagt Michael Bickel, Geschäftsführer von Sachkundegurus. „Das ist eine Chance für qualifizierte Fachkräfte, aber auch eine Herausforderung für die Branche insgesamt. Wer heute in die Baufinanzierungsberatung einsteigen will, findet einen wachsenden Markt vor – wenn er die Qualifikation mitbringt.“

Die anstehende Refinanzierungswelle treffe auf einen Markt im Umbruch: Während die Bauzinsen seit 2021 um mehr als 300 Prozent gestiegen sind, haben Banken seit 2014 mehr als 600 Filialen geschlossen. „Für Kreditnehmer, die zu Niedrigzinskonditionen finanziert haben, bedeutet das: Ihre monatliche Belastung kann bei der Anschlussfinanzierung um mehr als 65 Prozent steigen. Ohne qualifizierte Beratung drohen vielen Haushalten finanzielle Engpässe“, warnen die Sachkundegurus weiter.

Die niedrige Eigenheimquote verschärfe die Entwicklung. Laut dem Report verfügen Eigentümer im Durchschnitt über ein Nettovermögen von 590.200 Euro, Mieter nur über 87.600 Euro. 68 Prozent der Mieter haben daher eine Versorgungslücke im Alter, gegenüber nur 32 Prozent bei den Eigentümern. „Der Zugang zu Wohneigentum wird durch steigende Zinsen und hohe Immobilienpreise für viele Haushalte jedoch faktisch unmöglich“, heißt es weiter.

Ein weiteres Ergebnis: Der Strukturwandel verlagere das Geschäft von der Bankfiliale zu spezialisierten Vermittlern und digitalen Plattformen. Fast jeder zweite Kunde finanziere sein Eigenheim über unabhängige Berater statt direkt bei der Bank. Für den Marktzugang ist die Sachkundeprüfung nach §34i GewO Voraussetzung. Deren Bestehensquote liege bei etwa 65 Prozent, berichten die Sachkundegurus. Bis zu 80 Prozent der erfolgreichen Absolventen seien Quereinsteiger.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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