50 Prozent mehr Rente

Was die Deutschen von den Schweizern lernen können

Drei Säulen, mehr Risikobereitschaft, mehr Rente – das schweizerische Rentensystem ist anders als das der Deutschen. Alle zahlen ein, die Armen profitieren von den Reichen. Ob das System aber ein mögliches Modell für Deutschland ist, da spalten sich die Meinungen.
© dpa/picture alliance
Senioren auf einer Bank mit Blick auf die Alpen: Das schweizerische Rentensystem bietet einige Vorteile gegenüber dem Deutschen.

Die Vorsorge für Tod, Alter und Erwerbsausfall der Schweiz wird auch Drei-Säulen-System genannt und findet gerade in Deutschland viele Fans und Neider. 1972 wurde es vollständig in der Bundesverfassung festgelegt. Der hessische Politiker und Ministerpräsident Volker Bouffier überlegt sogar schon länger, die deutsche Rente schweizerischer zu machen. Das Modell, um das es hier geht, stützt sich, wie der Name schon sagt, auf drei Säulen.

Die erste Säule

Die erste, staatliche Säule gilt der Existenzsicherung und ist für jeden Bürger oder Arbeiter in der Schweiz Pflicht. Sie wird über ein Umlageverfahren finanziert, Erwerbstätige zahlen also für die Rentner. Sie beinhaltet zwei Versicherungen:

Die Alters- und Hinterlassenschaftsversicherung (AHV) ersetzt im Ruhestand den Lohn mindestens teilweise. Im Todesfall werden eine Witwen- oder Witwerrente und eine Waisenrente ausbezahlt.

Die Invalidenversicherung (IV) setzt ein, wenn jemand durch Krankheit oder einen Unfall dauerhaft beeinträchtig ist. Falls eine Arbeitsunfähigkeit besteht, zahlt diese Versicherung für eine Existenzsicherung.

Die Ergänzungsleistungen (EL) sollen die zuvor genannten Versicherungen unterstützen, falls durch diese kein Existenzminimum erreicht wird. Auch eine Vergütung von Kosten, die zur Pflege der Krankheit oder Behinderung beitragen, ist enthalten.

Die zweite Säule

Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ein Einkommen von mindestens 21.150 Franken (umgerechnet ungefähr 19.500 Euro)  im Jahr verdienen, das 17. Lebensjahr vollendet haben und bereits über die erste Säule versichert sind, müssen einer Pensionskasse beitreten.

Die zweite Säule kombiniert also die staatlichen Versicherungen aus der ersten mit der beruflichen Vorsorge (BVG). Zusammen sollen die Leistungen den „gewohnten Lebensstandard“ der Schweizer sichern, das heißt, es werden etwa 60 bis 75 Prozent des letzten Einkommens abgedeckt.

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Die dritte Säule

Hier geht es um private Vorsorge. Diese ist freiwillig und wird von Bund und Kantonen mit Steuervergünstigungen gefördert. Die Sparform ist dabei unerheblich. Manche wählen Versicherungen, andere Aktienfonds. 

Für Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, hat das Schweizer System gegenüber dem Deutschen einige Vorteile. So legen in der Schweiz die Menschen ihr Geld auch mal in risikoreichere Anlagen an – trotz möglicher Verluste, sagt Vorndran.

Oft ergäbe sich aber gerade daraus langfristig gesehen gute Performance. So verweist Vorndran in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung etwa auf Zahlen der OECD. Danach bekommt ein Schweizer rund 50 Prozent mehr bekomme als ein deutscher Rentner – bei ähnlichen Einzahlungen.

Ein Vorteil gegenüber Deutschland ist außerdem, dass es keine Exit-Option für Gutverdiener gibt. Zudem würden Finanzbildung und Eigenverantwortung gefördert.

Niedrigzins belastet auch die Schweiz

Aber: Auch das System der Schweiz hat Probleme. Das Rentenalter für Frauen muss an das der Männer angepasst werden. Frauen dürfen in der Schweiz derzeit mit 64 Jahren in Rente gehen, Männer mit 65. Außerdem haben auch die Schweizer Pensionskassen mit den niedrigen Zinsen zu kämpfen, die eine ertragreiche Kapitalanlage erschwert.

„Das Schweizer System wurde zu einer Zeit installiert, als die demografische Verteilung ganz anders aussah als heute. Wer es in der Gegenwart kopieren würde, dürfte kaum den gleichen Erfolg haben“, heißt es daher in dem Bericht der Süddeutschen Zeitung abschließend.

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