Die Werbeindustrie gaukelt Verbrauchern vor, wie einfach und angenehm Wohnen in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung und Technisierung sein kann: Bei der Ankunft zu Hause geht das Licht automatisch an. Alle Räume haben bereits die gewünschte Temperatur. Kalte Füße und Unwohlsein in der Dunkelheit gehören der Vergangenheit an. Datenschützer warnen aber vor dieser Scheinidylle. Sie verweisen auf das Risiko dieser Technologien – was dem Endverbraucher Komfort bietet, nutzen Hacker für ihre Zwecke aus.
Ähnlich argumentiert Thorsten Schröder, Redakteur bei Der Spiegel, in seinem Beitrag über vernetzte Wohnungen. Bei seiner Recherche fand er heraus, dass Hacker schon die Software einer Oral-B-Zahnbürste manipuliert hatten. Der Hersteller reagierte auf Nachfrage von Schröder. Er fragte zurück, wer denn an solchen Daten ein Interesse haben könnte.
Biete Rabatt, möchte Daten
Nun, Versicherer haben zum Beispiel ein Interesse daran, Daten über Kunden zu sammeln, um Risiken genauer berechnen zu können. In der Kfz-Versicherung gibt es schon Tarife, deren Prämie aufgrund des Fahrverhaltens berechnet wird. Im kommenden Jahr möchte die Generali den Tarif Vitality einführen, der besonders gesundlebende Menschen mit niedrigeren Beiträgen belohnt. Während Kunden gegenüber solchen Tarife durchaus aufgeschlossen sind, warnen Datenschützer davor. Das Einverständnis zum Rabatt als Gegenleistung für persönliche Daten erscheint den Kritikern als unkalkulierbares Risiko.
Die Versicherer sind ihrer Zeit indes weit voraus. Spezielle Tarife bei zusätzlicher Technik, die Schäden vermeiden soll, sind in den USA kein Neuland. Es gibt sie bereits seit einigen Jahren. Auch in Deutschland haben Versicherer die Zeichen der Zeit erkannt. So bieten Rhion, Gothaer oder Axa ähnlichen Schutz an.
Besserer Einbruchschutz dank Technik
Der Mobilfunkanbieter Mobilcom Debitel wirbt für einen Tarif der Rhion. Dieser soll den Einbruchschutz mithilfe von Technik erhöhen. Die Kosten für die Anschaffung sind laut Werbeprospekt bereits in den monatlichen Prämien enthalten.
Ähnlich sieht es auch bei der Gothaer aus. Diese kooperiert mit Siemens und dem Energiedienstleister Ianus: Dort soll ein Nachlass bis zu 50 Prozent für Hausrat- und Wohngebäudeversicherung möglich sein. Die Voraussetzung dafür ist die Installation der vorgegebenen Technologie. Die Anschaffung wird mit einem Gutschein in Höhe von 150 Euro unterstützt.
Auch Axa bietet innerhalb ihrer Boxplus-Familie einen Smart-Home-Tarif an, den sie gemeinsam mit RWE entwickelt hat. Bei der Anschaffung erhalten Kunden der Axa 22 Prozent Rabatt auf alle nötigen technischen Geräte. Nach der Installation der notwendigen Technik winken Kunden 5 Prozent Rabatt auf die Prämie ihrer Hausratversicherung.
Absicherung gegen Missbrauch der Technik gibt es noch nicht
Dabei haben die Versicherer bei ihren Kooperationen eines vergessen: Sie bieten ihren Kunden eine finanzielle Vergütung für die Anschaffung und Umsetzung der Technik an. Die Bedingungswerke wurden auf diese neuen Technologien nicht abgestimmt. Dabei haben Versicherer einen geldwerten Vorteil bei der Umsetzung dieser Vorsorgemaßnahmen. Experten erwarten einen Rückgang der Schäden.
Versicherer sparen nach Aussage von Mücke, Sturm & Company, Entwickler des Smart Home Ecosystem Framework, 80 Millionen Euro, die zur Regulierung von Schäden nötig wären. Eine adäquate Absicherung gegen Schäden infolge des Missbrauchs von Technik gibt es bislang aber nicht.
Das Handeln der Versicherer schiebt das Risiko von Schäden aus dem eigenen Haftungsbereich heraus und wälzt es mit diesem Handeln auf Kunden ab. Dieser nimmt es im Gegenzug für vergünstigte Beiträge an. Den Folgen seines Handelns und das Ausmaß dieser Entscheidung ist Kunden und Vermittlern oft nicht bewusst.
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