HENRY ist ein junger Amerikaner von vielleicht 30 Jahren, der in der Tech-Branche arbeitet, in Los Angeles wohnt, gut 150.000 Dollar im Jahr verdient, gern Kaffee bei Starbucks trinkt, aber kein Geld auf der hohen Kante hat.
HENRYs sind Millennials, die zwar viel verdienen, aber damit bislang kein nennenswertes Vermögen aufgebaut haben. HENRY steht für „High Earners Not Rich Yet“ (auf Deutsch übersetzt: „Hochverdiener, die noch nicht reich sind“). Der Begriff ist 20 Jahre alt, stammt aus den USA und wurde von Shawn Tully in einem Artikel für die Zeitschrift „Fortune“ geprägt.
In den USA sind HENRYs Personen der Generation Y mit einem Jahreseinkommen von 100.000 bis 250.000 Dollar, also rund 90.000 bis 227.000 Euro. HENRYs verdienen zwar weit überdurchschnittlich, haben aber aufgrund hoher Lebenshaltungskosten, ihres verschwenderischen Lebensstils und der hohen Studienkredite kein Vermögen aufbauen können.
Zwar stammt der Begriff aus den USA, doch auch hier bei uns in Deutschland gibt es HENRYs. Das Medianeinkommen (50 Prozent verdienen weniger, 50 Prozent verdienen mehr) lag 2017 in Deutschland bei 2.000 Euro für eine Person. Von der Mittelschicht sprechen wir in Deutschland – je nach Definition – von Haushalten, die 60 bis 200 Prozent oder 70 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens haben. Für einen Zwei-Personen-Haushalt bedeutet also ein Haushaltsnettoeinkommen von 2.000 bis 4.000 Euro die Zugehörigkeit zur Mittelschicht. Ein Zwei-Personen-Haushalt, der zusammen über 4.000 Euro im Monat zur Verfügung hat, darf sich also bereits als „reich“ bezeichnen. Ein Zwei-Personen-Haushalt, der über 6.000 Euro netto verfügt, zählt gar bereits zu den obersten 10 Prozent in Deutschland.
Wir zählen einen Großteil unserer Mandanten zu diesem Kreis. Unserer Erfahrung nach sind das vor allem: Ingenieure, Beamte, Lehrer, Informatiker, selbstständige Berater, Steuerberater, Anwälte, Ärzte, leitende Angestellte, Geschäftsführer. Meist haben sie (noch) keine Kinder. Sie sind überwiegend Akademiker, leben in den größeren Städten, sind progressiv und mobil. Unserer Einschätzung nach sind sie keine seltene Spezies, sondern kommen viel häufiger vor, als wir glauben. Die mangelnde Wahrnehmung resultiert häufig daher, dass die genauen Einkommens- und Vermögensverhältnisse vielen Kolleginnen und Kollegen nicht bekannt sind.
HENRYS leisten sich einen Lebensstil, der zwar zu ihrem Einkommen passt, aber nicht unbedingt zu ihrem finanziellen Background. Es sind keine klassischen „Reichen“ mit vermögender Familienhistorie. Sobald sie aufhörten zu arbeiten, könnten sie sich den Lebensstil nicht mehr leisten. Hinzu kommen Verpflichtungen aus laufenden Krediten wie Studien- oder Ratenkredite. Vor allem in den USA kommen sehr hohe Fixkosten insbesondere in den urbanen Zentren hinzu.
Da in Deutschland sowohl die Lebenshaltungskosten als auch die Studienkosten geringer sind, ist das Phänomen nicht ganz so präsent. Dennoch zeigt sich vor allem in den großen Ballungszentren aufgrund der steigenden Miet- und Wohnkosten eine ähnliche Entwicklung. Hinzu kommen eine eher schwach ausgeprägte Finanzkompetenz und die fehlende Notwendigkeit, sorgsam mit dem Geld umzugehen. Denn: Das hohe Gehalt kommt ja jeden Monat und ermöglicht den Lebensstil. Nur leider bleibt deswegen nichts übrig. Aus diesem Grund sparen die HENRYs weder, noch investieren sie Überschüsse.
Zunächst haben HENRYs natürlich einen sehr hohen Absicherungsbedarf. Wer 4.000 Euro im Monat verdient und ausgibt, braucht eine BU-Rente von 4.000 Euro und ein Krankentagegeld von 50 Euro. Zum objektiven Bedarf gesellt sich ein subjektives Bedürfnis. Denn ohne Einkommen lässt sich der Lebensstil nicht aufrechterhalten. Gelingt es, für Überschüsse zu sorgen, sind die Beiträge für Altersvorsorge und Kapitalaufbau ebenso immens. Auch hier kommen Bedarf und Bedürfnis zusammen. Es geht dann nicht um einen 50-Euro-Sparplan oder die 10-Euro-Riester-Rente.
HENRYs sind eine anspruchsvolle Zielgruppe. Bedarf und Bedürfnis müssen exakt adressiert werden. Aber eben weil sie so anspruchsvoll sind, müssen sie keine oder kaum Konkurrenz fürchten. Es traut sich eh fast niemand ran. Geld ist für HENRYs Mittel zum Zweck und ausreichend vorhanden. Insofern sind sie prädestiniert für die Honorarberatung.
Sie müssen klare Prioritäten setzen. Sie müssen zunächst für Überschüsse sorgen und die existenziellen Risiken absichern. Danach können Sie sich an die großen Brocken Altersvorsorge und Kapitalaufbau wagen. Ein wichtiges Ziel ist der Aufbau von Finanzkompetenz.
Eine detaillierte Einnahmen-Ausgaben-Übersicht und die Vermögensbilanz ist Grundlage der Beratung. Schon hier helfen Sie den HENRYs, sich die Ausgaben bewusst zu machen. Mit einem Haushaltsbuch per App gelingt es, die Geldfresser zu identifizieren und das eigene Ausgabeverhalten zu reflektieren. Entwickeln Sie gemeinsam Verständnis dafür, warum bestimmte Ausgaben in der Höhe anfallen. Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
Dabei muss es nicht darum gehen, alles zu streichen, sondern bewusster damit umzugehen. Helfen Sie, Konten zu strukturieren und schaffen Sie so mittelfristig Liquidität. Vor allem der Abbau von Verbindlichkeiten sollte oberste Priorität haben. So kommen pro Monat mehrere Hundert Euro zusammen, die dem Aufbau des Notgroschens dienen können. Bestehende Verträge mit Guthaben gehören ebenso auf den Prüfstand.
Parallel ist eine adäquate Existenzabsicherung angezeigt. Immerhin ist hier der Lebensstandard klar in Gefahr. Haben Sie keine Angst vor hohen Renten. Ist das geschafft, gilt es, gemeinsam Perspektiven für die Altersvorsorge und den Kapitalaufbau zu entwickeln.
Ebenso wichtig es aber auch, Wege aus der hedonistischen Tretmühle aufzuzeigen. Also Strategien und Instrumente zu vermitteln, um weniger auszugeben als einzunehmen. Ansonsten muss der HENRY oder die HENRIETTA ja sein beziehungsweise ihr Leben lang dieses Einkommen zu erzielen. Jeder Euro mehr wird ansonsten unmittelbar ausgegeben.
Das Gefühl, dass das Geld nie reicht, bleibt ein Leben lang. Wenn Sie das schaffen, sorgen Sie für Ruhe und Entspannung in einer der spannendsten Zielgruppen der Generation Y. Die Loyalität und Empfehlungsbereitschaft der HENRYs ist Ihnen dann sicher.
Stephan Busch und Tom Wonneberger sind Versicherungsmakler und Inhaber der Progress Finanzplaner aus Dresden https://www.progress-dresden.de
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