Wie es geht, was es bringt

Blockchain für Versicherer – grenzenlose Möglichkeiten

Mitdenkende Versicherungen, eine bessere Sichtbarkeit von Betrügern und eine einfachere Preisgestaltung zählen zu den wichtigsten Vorteilen der sogenannten Blockchain. Wie Versicherungsbranche und Versicherte schon jetzt von den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologie profitieren können, erklärt Wadim Doulger von der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in seinem Gastbeitrag.
© dpa/picture alliance
Verzögerungen im Flugverkehr, wie hier in Frankfurt, sind für Reisende mit Unannehmlichkeiten verbunden: Der Versicherer Axa hat darin ein Geschäftsmodell gesehen und eine vollautomatische Versicherung gegen Flugverspätungen auf Blockchain-Basis entwickelt.

Für Versicherer sind sogenannte Smart Contracts besonders spannend: Sobald eine oder mehrere vordefinierte Bedingungen erfüllt werden, führen diese bestimmte Aktionen automatisch aus. Vergleichbar sind Smart Contracts mit den längst aus dem Alltag verschwundenen Münztelefonen: Die Bedingungen werden durch die Höhe des eingeworfenen Betrags und die gewählte In- oder Auslandsnummer dargestellt. Diese Bedingungen bestimmen dann automatisch die Länge der Aktion: der verfügbaren Gesprächszeit.

Einfaches Prinzip – Smarter Vertrag

Daraus ergeben sich vielzählige Möglichkeiten: Wird die Blockchain genutzt, um Verträge, Prämieneinzahlungen und Leistungsauszahlungen zu verwalten, können Smart Contracts beispielsweise – vom Versicherungsabschluss bis zur Leistungsauszahlung – sämtliche Geschäftsvorfälle vollautomatisch abbilden.

Die Flugausfall- und Flugverspätungsversicherung zeigt es gut auf: Kommt es bei einem Flug zu einer Verspätung oder zu einem Ausfall (die Bedingung), erhält der Versicherte eine bestimmte Geldzahlung (die Aktion), mit der er dann in Notsituationen eine Unterkunft bezahlen kann.

Versicherungsbedingungen, Kundeninformationen und die Gelder selbst werden in der Blockchain gespeichert – dadurch wird systemisch eine Vertrauenswürdigkeit hergestellt. Finanzstarke und alteingesessene Anbieter als Partner werden so redundant und somit verzichtbar. Für etablierte Versicherer kann dies wie eine Bedrohung klingen, neue Marktteilnehmer können aus dieser Festigung des Wettbewerbs ein Vorteil ziehen.

Grenzenlose Möglichkeiten

Die Blockchain kann auch die Betrugsermittlung einfacher machen: Um gefälschten Identitäten und Schadensberichten auf die Schliche zu kommen, lässt sich zum Beispiel die Echtheit von Waren und Dokumenten verlässlich prüfen.

Über Landesgrenzen hinweg haben Versicherungssysteme auf Blockchainbasis einen großen Charme, da diese frei von Korruption Vertragsbeziehungen abbilden können. Mit der Blockchain lässt sich in Zukunft außerdem eine Historie der zweifelhaften Handlungen einer Person erstellen – dafür müssen sich Hersteller, Versicherte, Strafverfolgungsbehörden und andere Beteiligte jedoch im ersten Schritt intensiv vernetzen.

Die Anwendungsgebiete der Blockchain-Technologie erscheinen grenzenlos: Sensible Daten – nicht zentral gespeichert und dennoch verifizierbar. Versicherungskunden könnten so eines Tages ganz automatisch individuelle Tarife erhalten – bei unfallfreien Nutzern von Carsharing-Diensten beispielsweise günstigere Versicherungstarife. Das ständige Preisgeben persönlicher Daten würde dadurch entfallen.

Versicherungen der Zukunft

Künftig wird es immer mehr Angebote auf Blockchain-Basis geben. Diese dürften eher von Insurtechs gemeinsam oder mit Hilfe des Kapitals von etablierten Rückversicherern entwickelt werden. Denn für die Rückversicherer bedeutet der alternative Risikotransfer ernst zu nehmende Konkurrenz: Entlang der Wertschöpfungskette suchen sie die Flucht nach vorne – früher undenkbare Partnerschaften werden erfolgsentscheidend sein.

Dieser sich wandelnde Markt bedeutet Disruption: Kunden werden erkennen, dass eine langjährige Historie keine Voraussetzung für Vertrauen ist und ihren Versicherungsschutz öfter situativ und bei verschiedenen Anbietern abschließen.

Hinauslaufen dürfte es auf zwei Gruppen von Versicherern: Jene, die mit Hilfe der Blockchain eigene Angebote bauen. Und solche, die auch in 20 Jahren immer noch nicht die Blockchain verstanden und für sich nutzbar gemacht haben. Nur durch erhebliche finanzielle Investitionen lässt sich dieser strategische Rückstand dann wieder aufholen. Deshalb ist es vor allem für Versicherer ratsam, schon heute das Potenzial dieser Technologie für sich zu entdecken.

Der Autor

Wadim Doulger ist Senior Manager im Bereich Financial Services bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

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