Studie

Junge Erwachsene haben hohe Sparmotivation, aber geringes Finanzwissen

Fast alle jungen Erwachsene hierzulande haben laut einer Studie erkannt, wie wichtig es ist, Geld zurückzulegen: Im bundesweiten Vergleich sparen 58 Prozent von ihnen, weitere 33 Prozent tun dies immerhin in unregelmäßigen Abständen – und das, obwohl die meisten ihr eigenes Finanzwissen als eher schwach einschätzen.
© picture alliance/dpa | Sina Schuldt
Studenten in einem Hörsaal der Universität Bremen: Die große Mehrheit der jungen Erwachsenen hierzulande spart.

Mit 91 Prozent schafft es beinahe jeder junge Mensch im Alter zwischen 18 und 29 Jahren, Geld zurückzulegen. Das hat eine Studie der Fondsgesellschaft Union Investment ergeben, für die rund 2.000 junge Bundesbürger befragt wurden. 58 Prozent sparen regelmäßig Monat für Monat, 33 Prozent unregelmäßig.

Besonders eifrige Sparer gibt es demnach in Sachsen – hier sparen 71 Prozent regelmäßig. Auch die Berliner legen monatlich etwas auf die hohe Kante und landen auf Platz 2 der regelmäßigsten Sparer (70 Prozent). In Niedersachsen und Bremen wird hingegen weniger regelmäßig gespart (49 Prozent). Hier gibt es stattdessen viele, die das sparen, was übrig bleibt (41 Prozent).

Noch mehr unregelmäßig Sparende gibt es nur in Sachsen-Anhalt und Thüringen (49 Prozent). Die Bundesländer, in denen die meisten Nichtsparer leben, sind Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz/Saarland (jeweils 11 Prozent).

„Die Zahlen zeigen, dass junge Bundesbürger das Sparen keinesfalls als spießig oder altmodisch betrachten“, schließt Giovanni Gay, Geschäftsführer bei Union Investment, aus den Studienergebnissen. „Es besteht eine große Bereitschaft zum Sparen.“

42 Prozent der Befragten setzen dabei auf das gute alte Sparbuch. Immerhin ein Drittel der jungen Menschen (33 Prozent) spart auch mit Investmentfonds, besonders in Bayern und Baden-Württemberg (jeweils 45 Prozent). Junge Menschen in Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern hingegen haben diese Sparform noch nicht in großem Ausmaß für sich entdeckt (19 Prozent).

Mehrheit blickt optimistisch in die Zukunft

Was die Zukunft anbelangt, zeigt sich ebenfalls die große Mehrheit der Befragten optimistisch. So sind 82 Prozent von ihnen positiv gestimmt, wenn sie an ihre finanzielle Situation in zehn Jahren denken. Von denjenigen, die es schaffen zu sparen, blicken sogar 91 Prozent optimistisch in die eigene finanzielle Zukunft.

„Sparen gibt jungen Menschen offensichtlich Sicherheit und daher blicken diejenigen, die es schaffen, etwas auf die hohe Kante zu legen, auch gelassen in ihre Zukunft“, so Gay.

Schaut man sich die einzelnen Bundesländer an, sind die 18- bis 29-Jährigen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern am optimistischsten. Hier blicken 95 Prozent zuversichtlich in die Zukunft, in Berlin sind es 90 Prozent und in Sachsen 89 Prozent. Die meisten Pessimisten gibt es in Sachsen-Anhalt und Thüringen (19 Prozent), Schleswig-Holstein (18 Prozent) und Bayern (16 Prozent).

Unabhängigkeit ist größtes Sparziel

Gefragt nach den Gründen für ihre Sparmotivation, antworteten 62 Prozent der Studienteilnehmer mit dem Wunsch, finanziell unabhängiger zu werden. Besonders ausgeprägt ist dieses Sparziel in Bayern und Schleswig-Holstein (jeweils 70 Prozent) sowie Nordrhein-Westfalen (67 Prozent). Für junge Menschen in Hamburg und Niedersachsen sowie Bremen (55 Prozent) ist dieses Ziel weniger relevant.

58 Prozent aller Befragten sparen zudem für Notfälle. Dies ist insbesondere für Schleswig-Holsteiner und Sachsen wichtig (jeweils 64 Prozent). Größere Anschaffungen sind vor allem in Sachsen ein Sparziel (54 Prozent). Sparen für die eigene Altersvorsorge spielt indes in Bayern eine große Rolle, wo 53 Prozent dies als Grund angeben. In Sachsen-Anhalt und Thüringen hingegen gaben nur etwa halb so viele Befragte (25 Prozent) dieses Sparziel an.

Seite 2: Finanzwissen fällt schwach aus

Finanzwissen fällt schwach aus

Interessant ist jedoch: Die meisten jungen Erwachsenen geben ihrem eigenen Finanzwissen nur die Schulnote 3,4. Die Berliner geben sich sogar nur eine 3,8. In der Hauptstadt glaubt nur jeder zehnte junge Erwachsene, sich beim Thema Geld und Finanzen gut beziehungsweise sehr gut auszukennen (10 Prozent). Mehr als jeder vierte Hauptstädter (26 Prozent) empfindet das eigene Finanzwissen mit ungenügend oder mangelhaft.

Am besten kennen sich die jungen Erwachsenen beim Thema Zinsen aus, allerdings geben sich auch hier junge Berliner die schlechteste Durchschnittsnote im bundesweiten Vergleich (3,3). „Klassenbeste“ sind laut Studie die Baden-Württemberger, die sich eine 2,7 geben. Mit dem Begriff Rendite können junge Menschen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern am wenigsten etwas anfangen und benoten ihr Wissen dazu mit 4,0. Am besten bewerten sich die bayerischen Befragten und schreiben sich immerhin eine 3,3 ins Zeugnis. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 3,7.

Am schlechtesten kennen sich alle jungen Befragten ausgerechnet mit dem für Berufseinsteiger wichtigen Thema Vermögenswirksame Leistungen aus. Für ihr Wissen dazu geben sich junge Menschen in Brandenburg/Mecklenburg-Vorpommern mit 4,0 die schlechteste Note. Die beste, allerdings auch nur eine 3,5, geben sich Bayern und Baden-Württemberger.

Schulen in der Verantwortung für schlechtes Finanzwissen?

Dass das Finanzwissen bei den jungen Erwachsenen hierzulande eher schwach ausfällt, könnte laut der Studie auch mit den Lehrplänen der Schulen zusammenhängen. Denn tatsächlich sehen die meisten jungen Erwachsenen die Schulen in der Verantwortung (85 Prozent).

Insbesondere in Sachsen-Anhalt und Thüringen (92 Prozent) und Sachsen (89 Prozent) äußern sich die 18- bis 29-Jährigen entsprechend. Allerdings bekommen die Schulen von knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) für die Vermittlung von Finanzwissen nur die Note mangelhaft bis ungenügend. Besonders ausgeprägt ist diese Meinung in Berlin, hier geben drei Viertel der jungen Befragten (75 Prozent) die Schulnote 5 oder 6. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland zeigt sich ein ähnliches Bild: Hier beurteilen 73 Prozent der jungen Erwachsenen die Leistung der Schulen mit mangelhaft bis ungenügend.

Eltern bekamen im Rahmen der Umfrage hingegen bessere Noten aufgedrückt, wenn es um die Vermittlung von Finanzwissen geht. So erhielten sie im Durchschnitt eine 2,8. Am besten schnitten sie in Hamburg und Bayern ab (Schulnote jeweils 2,6), am schlechtesten in Berlin (Schulnote 3,2) und Hessen (Schulnote 3,1).

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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