Online-Konferenz

„Eine hohe Solvenzquote allein, ist nicht aussagekräftig“

Wie steht es um das Produkt Lebensversicherung? Welche Zukunftsaussichten hat die Sparte? Um solche und ähnliche Fragen ging es in der gestrigen Online-Konferenz, zu der die Bayerische eingeladen hatte. Neben den Vorständen der Bayerischen selbst nahm Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will an der virtuellen Runde teil.
© Die Bayerische
Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen, moderierte eine Online-Konferenz zum aktuellen Stand der Lebensversicherungen.

Aktuell, und verschärft durch die Corona-Pandemie, sehen sich die Lebensversicherer unter Druck, zeichnete Martin Gräfer, Vorstand der Bayerischen als Moderator eine Online-Konferenz seines Versicherers, ein Bild der derzeitigen Lage. „Stirbt die Lebensversicherung mit dem Zins“, lautete dabei die zentrale Frage. Beiträge in der Presse, wie jüngst im Handelsblatt, in der Bildzeitung oder bei Focus Online, würden Unsicherheiten bei den rund 80 Millionen Kunden mit entsprechenden Verträgen schüren.

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Die Branche der Lebensversicherung sei zwar etwas angezählt, aber bei einer Beurteilung der Lage müssten zwei Dinge, nämlich Bestände und Neugeschäft, auseinandergehalten werden, meinte Reiner Will, Geschäftsführer der Rating-Agentur Assekurata. Denn wer eine Lebensversicherung mit dem früheren Zins von 4 oder 3 Prozent besitze, könne ein hochverzinsliches Investment sein Eigen nennen. Das zeige, dass der Kunde schon mal gut beraten wurde. Diese Versprechen müssten nun noch eingehalten werden, so Will weiter. Dafür würden die Unternehmen auch eine Menge tun, zum Beispiel mit dem Aufbau der Zinszusatzreserve.

Hohe Solvenzquote allein ist nicht aussagekräftig

Die Finanzkraft der Lebensversicherer eingebettet in weitere Faktoren und Kennzahlen, wie die Regelungen für den HGB-Abschluss, die Vorschriften nach Solvency II oder auch die Garantieverpflichtungen im Bestand – all das wirke zusammen. Eine hohe Solvenzquote allein, sei nicht aussagekräftig. Vielmehr könne sie, so Herbert Schneidemann, der als Versicherungsmathematiker auch stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung ist, sogar negativ beurteilt werden. Die Anlagestrategie könnte zu konservativ sein, das wiederum stehe dem Erwirtschaften von Zinsen im Weg.

Nachrichten über den Verkauf von Lebensversicherungsbeständen, den sogenannten Run-offs, wie im August zuletzt die Allianz in Belgien verkündete, sind heutzutage zusätzlich beinahe an der Tagesordnung. Und die Allianz verkündete nun noch das Aus der 100-prozentigen Beitragsgarantie. Was ist die Lebensversicherung noch, ohne steuerliche Vorteile, wie es sie früher gab, ohne Zinsen und jetzt noch ohne garantierte Beiträge – fragte Martin Gräfer.

Sein Vorstandskollege Schneidemann sieht einen der größten Vorteile des Produkts Lebensversicherung in der Absicherung des Risikos der Langlebigkeit. Nach wie vor würden die Deutschen ihre Lebenserwartung deutlich unterschätzen, und zwar um bis zu zwölf Jahre. Und dieser Trend halte entgegen immer mal wieder anders lautenden Berichten zumindest für Deutschland an. Wenn am Ende des Geldes noch zu viel Leben da sei, habe der Einzelne ein Problem, betonte Schneidemann.

Fazit aus der Gesprächsrunde

Einig waren sich die vier Teilnehmer der Online-Konferenz insbesondere darüber, dass die Lebensversicherung nach wie vor ein interessantes Produkt sei. Es gebe viele Möglichkeiten, um aus dem Negativzins heraus zu kommen. Die Beimischung von Fonds sei dafür notwendig.

Assekurata-Chef Will sieht vor allem große Chancen für den Vertrieb. Denn die Menschen würden mehr denn je eine Risikoabsicherung wollen. Gleichzeitig stünden viel mehr Produkte zur Auswahl – und Kunden hätten demzufolge auch einen hohen Beratungsbedarf.

Autorin

Manila Klafack war bis März 2024 Redakteurin bei Pfefferminzia. Nach Studium und redaktioneller Ausbildung verantwortete sie zuvor in verschiedenen mittelständischen Unternehmen den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

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