Es ist der 2. April 2020, 08.35 Uhr: Ludwig B. (Finanz- und Versicherungsmakler, 49 Jahre) liest besorgt die E-Mail eines Kunden, der schreibt, dass er als Taxiunternehmer derzeit praktisch ohne Einnahmen ist und sich nicht mehr in der Lage sieht, seine Altersvorsorge und die Investment-Sparverträge aus 2018 weiter zu bezahlen. Kurz darauf erreicht ihn eine WhatsApp Nachricht eines anderen Kunden, der um eine vorübergehende Stilllegung seiner fondsgebundenen Lebensversicherung bittet. Solche oder ähnliche Situationen dürften sich bei Finanzdienstleistern derzeit tausendfach in Deutschland abspielen.
Denn eine noch nie dagewesene Krise hält die ganze Welt derzeit in Atem. Welche Folgen diese Situation für uns alle haben wird, kann im Augenblick nur erahnt werden. Fakt ist aber auch, dass jede Krise trotz vieler offensichtlicher Schwierigkeiten immer auch Chancen bietet. Daher ist es auch als Finanzdienstleister gerade jetzt möglich, die aktuelle Krise mit Entschlossenheit und Wachsamkeit nicht nur zu meistern, sondern sogar als Vorteil für sich zu nutzen.
Hier ein möglicher Notfallplan für chancenorientierte selbstständige Vermittler, der bereits von einigen sehr erfolgreich umgesetzt wird.
Erstens: Vermeiden Sie gerade jetzt Passivität gegenüber Ihren Kunden, suchen Sie aktiv den Kontakt zu Ihren Mandanten. Das gleich aus drei Gründen:
Zweitens: Wenn Sie bisher noch nicht konsequent in der Digitalisierung Ihrer Prozesse waren, dann ändern Sie das spätestens jetzt dringend. Dabei sollte die Digitalisierung Ihrer Beratungsprozesse die höchste Priorität haben. Allen voran die fallabschließende Online-Beratung. Diese lässt sich relativ leicht lernen und in den bestehenden Beratungsprozess integrieren. Die aktuelle Technik dazu gilt als ausgereift und auch die rechtlichen Voraussetzungen für den Abschluss von Verträgen können damit eingehalten werden.
Dadurch entstehen gleich mehrere Vorteile für den Finanzdienstleister:
Drittens: Bieten Sie speziell für diese Situation abgestimmt Beratungsleistungen an. Denn nicht wenige Menschen sind gerade jetzt verunsichert hinsichtlich ihrer finanziellen Situation. Auch haben gerade in dieser Phase ungewöhnlich viele Menschen Zeit für eine Beratung. Hier ein paar konkrete Ideen:
Es ist der 6. April 2020, 19.00 Uhr: Ludwig B. freut sich auf eine erfolgversprechende Woche, denn er hat in der vergangenen Woche sein Wissen im Bereich Online-Beratung durch ein Coaching auf ein neues Level gebracht und danach mit zehn seiner Kunden Online-Termine zu einem „Corona-Finanzcheck“ vereinbart. Die Mandanten waren überrascht von dem neuen Angebot, aber sehr offen.
Auch in dieser Krise wird es am Ende wieder viele Marktteilnehmer aus der Finanzbranche geben, die wegen Stornos und Provisionseinbrüchen tendenziell als Verlierer hervorgehen werden. Ob Sie dazugehören werden, obliegt nicht dem Zufall, sondern einzig und alleine Ihrer Chancenintelligenz und der Fähigkeit, sich rasch auf neue Situationen einzustellen.
Sollten Sie die genannten Punkte nicht alleine umsetzen können/wollen, habe ich einen besonderen Tipp für Sie: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bietet für Selbstständige, die von der Corona-Krise finanziell betroffen sind und Beratungen zur Digitalisierung und Umsatzsteigerung während der Corona-Krise in Anspruch nehmen möchten, unbürokratische Soforthilfen an. Diese Förderung kann bei zertifizierten Beratern eingesetzt werden.
Dieter Kiwus hat 37 Jahre Branchenerfahrung und ist seit nunmehr 25 Jahren Trainer und Berater für Finanzdienstleister. Der 57-Jährige ist Bafa-zertifiziert und Autor mehrerer Fachbücher und zahlreicher Fachartikel in diversen Fachmagazinen. Zu seinen Kunden zählen einige der größten Versicherungen Europas, bekannte Banken und diverse andere Finanzvertriebe.
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