Lebensversicherung, Makler, aktive Fonds

„Makler, die online schweigen, werden allmählich verdrängt“

Die Lebensversicherung ist tot, der Versicherungsmakler ist abgemeldet, der aktive Fonds ein Produkt von gestern? Altersvorsorge-Spezialist Frank Breiting ist da anderer Meinung. Wie Lebensversicherung, Makler und Fonds die Zukunft überstehen können, erklärt er in seinem aktuellen Gastbeitrag.
© Getty Images
Mitverursacher der niedrigen Zinsen: EZB-Präsident Mario Draghi.

Draußen wird es nebelig und düster und es beginnt die Zeit der Jahresrückblicke und Vorhersagen für das kommende Jahr. Vielleicht liegt es am Wetter oder es ist auch die Herbstdepression, dass so mancher Ausblick ausgesprochen trübe ausfällt. Für mich ist dies nun eine Gelegenheit, einmal zu schauen, was dran ist an so mancher Vorhersage.

Kandidat 1: Die Lebensversicherung ist tot

Seit ich im Bereich Altersvorsorge arbeite, wird der Lebensversicherung prophezeit, dass sie jetzt aber bald tot sei. Der neueste Indikator für das anstehende Ableben ist der stattfindende Wandel klassischer Lebensversicherungen hin zu etwas grundlegend Neuem. Der Grund ist einfach: Die Spielregeln für die Branche haben sich grundlegend geändert. Die klassische Versicherung benötigt als Treibstoff für ihren Motor Zinsen – schließlich geht ein Gutteil der Investments in sichere Anlagen wie Staatsanleihen. Wenn die Zinsen aber niedrig sind – so wie zurzeit – muss umgesteuert werden.

Genau das geschieht in der Lebensversicherung gerade. Man muss bei Verknappung des Rohstoffes Zins eben besser haushalten mit der Rohware, also Kosten senken. Alle Kosten, auch wenn das den jeweils Betroffenen missfällt. Außerdem muss man über „alternative Antriebe“ nachdenken. Wenn der Zins dem Vehikel Versicherung nicht mehr ausreichend Vorschub gibt, muss man alternative Treibstoffe suchen. Zum Beispiel Dividenden und die Wertschöpfung der globalen Wirtschaft. Die nämlich floriert in der Regel bei niedrigen Zinsen.

Wenn der Kunde also bereit ist, auf Garantien zu verzichten, dann ist der Zins auf Rentenanlagen im Zweifel egal – die Rendite kommt woanders her. So könnte die Fondspolice sogar eine Renaissance erleben. Das ist dann aber nicht mehr die Fondpolice der Jahrtausendwende, bei der sich die Anbieter gegenseitig damit überboten, noch mehr Auswahl für den Kunden zu bieten und möglichst oft kostenfrei umschichten zu können.

Die Zukunft gehört Produkten mit eine schlanken Auswahl von Fonds und Alleskönnern aus dem Multi-Asset-Bereich. Mehrere Jahrzehnte Fondspolicen-Erfahrung haben gezeigt, dass Kunden selten bis nie umschichten und auch wenig bis keine Zeit mit Fondsauswahl verbringen wollen. Ferner haben die Versicherer aufgrund der neuen Aufsichtsregelungen wenig Interesse daran ein wüstes Sammelsurium von Nischenfonds anzubieten. Unter Solvency II kommt es darauf an, mit einigen Playern professionelle Geschäftsbeziehungen zu unterhalten, die Risiken kontrollierbar zu machen und damit Eigenkapital zu sparen. Und da kommt die Fondsgesellschaft, die sich auf Versicherungen spezialisiert hat, ins Spiel, die dies einfach und kapitalschonend erledigen kann.

Wird die Lebensversicherung also demnächst sterben? Nein. Bestimmte Formen werden weniger stark angeboten werden, dafür innovativere Angebote entwickelt. Einige Anbieter werden den Wandel besser schaffen, andere werden möglicherweise verschwinden.  Auch hier kommt das Totenglöckchen zu früh.

Kandidat 2: Der Versicherungsmakler ist tot

Ein besonders absurdes Beispiel einer Fehlprognose. Der Fintech kommt, das Modell des Maklers ist tot. Hier ist schon die Ursprungsannahme unsinnig. Manch einer versteht unter Makler das kleine Ladengeschäft mit dem Versicherungsplakat im Schaufenster, in dem man früher sein Moped-Schild abgeholt hat. Und die laufen nun Gefahr von den aggressiven Fintechs abgelöst zu werden.

Warum ist das Argument völlig widersinnig? Nun, diese Fintechs SIND nichts anderes als Makler. Sie bedienen sich aber neuer Medien und Technologien und haben kein Ladenlokal. Wer realistisch darüber nachdenkt, wird auch einsehen müssen, dass die jüngeren Generationen immer größere Teile ihres Alltags über mobile Kommunikationsmittel und immer weniger über physische Interaktion abwickeln wollen. Der Makler, der hier als einzige Antwort sein Schaufenster anbietet, wird sich damit abfinden müssen, weniger Kundschaft zu erreichen.

Wer neue Medien für sein Geschäft einsetzt, kann diesen Trend für sich nutzen und wachsen. Nichts anderes machen diese jungen Firmen, die so viel Aufruhr verursachen. Sie sind Makler ohne Plakat im Schaufenster und ohne Schreibtisch, an den sich der Kunde setzen kann. Aber telefonieren kann man mit ihnen, schriftlich kommunizieren auch, beraten und makeln tun sie ebenfalls. Wie viele Banken kennen Sie, die weder Telefonbanking noch Internetbanking anbieten? Ich kenne wenige und die sind hochspezialisiert.

Ich kenne aber jede Menge Makler, die online schweigen. Und die werden allmählich verdrängt werden, wenn sie nicht reagieren. Wer aber jetzt reagiert und die Impulse der Fintechs versteht und nutzt, kann sein Geschäftsmodell effizienter und zukunftsfähiger machen und damit weniger anfällig machen, wenn die Laufkundschaft aus den Nachbarstraßen ausbleibt.

Der Makler ist also lebendig wie nie zuvor, er muss sich aber bewegen und sein Geschäftsmodell an die Wünsche und Erfordernisse seiner Kunden anpassen. Auch hier würde ich den Totengräber noch nicht bestellen.

Kandidat 3: Der aktive Fonds ist tot

Immer wieder ist zu lesen, dass aktiv gemanagte Fonds ihre Existenzberechtigung verloren haben, da passive Indexprodukte (ETFs)  praktisch immer die bessere Wahl seien. Keine menschliche Emotion, keine Marktmeinung, vollautomatisch, sicher. Trotz allem gibt es immer noch aktiv gemanagte Fonds und das Anlagevolumen wächst … ein Widerspruch? Nein. Nur weil es eine andere Lösung mit Vorzügen gibt, heißt es ja nicht, dass alles, was vorher war, obsolet wird. Und für ETFs gilt: natürlich ist der Automatismus in vielen Situationen überlegen – das zeigt sich ja auch beim Autopiloten im Flugzeug.

Aber was passiert, wenn etwas passiert, was das Programm nicht vorgesehen hat? Wenn die bekannten Regeln nicht mehr gelten oder von anderen gebrochen werden. Oder wenn wir uns in engen und schwierigen Finanzmärkten bewegen. Dann sind Qualitäten wie Intuition, Erfahrung und Improvisation gefragt. Und da tun sich Maschinen noch schwer. Die Antwort ist also nicht: Nur ETF oder nur Active Asset Management – die Antwort lautet beides ist wichtig und beides wird weiter bestehen.

ETFs werden weiter Marktanteile gewinnen und Anleger werden zu Recht Teile ihres Vermögens in diese Anlagen stecken. Dort wo man dem Menschen aber mehr zutraut als der Maschine, dort ist das Active Asset Management die richtige Wahl. Denn wo der Mensch auch glaubhaft machen kann, dass er im Fall des Falles die bessere Entscheidung trifft, wird auch hier der Faktor Vertrauen immer auch aktiven Managern einen Markt geben. Einen Totenschein brauchen wir hier also nicht.

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