Mein Ausbildungsberuf hieß Versicherungskaufmann. Seit 2006 heißt er Kaufmann für Versicherungen und Finanzen. Das klingt nach Finanzberater. Trotzdem gibt es in der Branche Leute, die den Begriff Finanzberater ablehnen.
Die meisten Vermittler verkaufen neben Versicherungen auch Fonds, Sparpläne, Bausparverträge und Finanzierungen. Wo also ist das Problem mit dem Begriff Finanzberater?
Manche Vermittler, obwohl mir hier speziell nur Versicherungsmakler einfallen, berufen sich auf Paragraf 34d Gewerbeordnung. Da stehe nichts von Finanzen oder Finanzdienstleistungen, sagen sie. Da stehe nur was von Versicherungen. Die Überschrift heiße Versicherungsvermittler. Stimmt. Das Problem ist aber nicht unser Selbstbild. Es ist unser Fremdbild.
Die Wahrnehmung der Menschen und unsere Last, unter den Menschen Nachwuchs für die Branche zu finden. Warum der Begriff Finanzberater also besser ist, in drei Beispielen.
1. Reputation
Versicherungen sind nicht sexy. Das Image ist naja, und die Politik vermiest uns die Laune. Junge Leute haben deshalb keine Lust, „Herr Kaiser“ zu werden. Vermitteln, also verkaufen, ist böse.
Vermitteln = böse. Beraten = gut.
2. Berufsbild
Der Vermittler wird vergütet für die Vermittlung und nicht für die Beratung. Dumm nur, dass die Vermittlung einer Versicherung zunehmend digital und automatisch abläuft. Warum soll ich für die Vermittlung einen Menschen anrufen, wenn ich den Roboter bei Check24 als transparenter, ehrlicher, billiger und schneller wahrnehme? Und warum für Versicherungen, Geldanlagen und Finanzierungen drei Vermittler anrufen, wenn der Roboter bei Check24 mir alles aus einer Hand gibt?
Versicherungen = Teilbedarf
Finanzen = volles Programm
3. Nachwuchs
Die älteren Versicherungsvermittler, denen der Begriff Finanzberater missfällt und die in Berufsverbänden das Sagen haben, gehen bald in den Ruhestand. Und finden oft keinen Nachfolger. Dem gegenüber steht die schlechte Finanzbildung der Deutschen. Wir brauchen also kompetente Berater zu komplizierten Versicherungs- und Finanzthemen.
Christian Schwalb, Gründer der Initiative „Zukunft für Finanzberater“, nennt das einen sozialpolitischen Auftrag. Versicherungsvermittlung wird in Zukunft immer öfter mit einem Ja/Nein-Feld in einem digitalen Kaufprozess stattfinden.
Bei einer Schrottversicherung (Handy, Fahrrad, Brille) ist das schnuppe. Wenn es um Kopf und Kragen geht, suchen die Leute Beratung. Dann lasst sie uns ihnen auch geben. Und es so nennen, damit wir wieder junge Leute in die Vorstellungsgespräche bekommen.
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