Kolumne

Selbstbestimmung statt Sargdeckelklappern bei der Pflege-Beratung

Das Pflegestärkungsgesetz sorge nicht für einen Beratungsboom, sondern mache den Beratungsdschungel nur noch undurchdringlicher, findet Tobias Haff, Geschäftsführer Betrieb beim Insurtech Massup. Das Problem liege im Vertriebsumfeld der Pflegeversicherung: „Sie ist alles andere als emotional positiv besetzt, verkaufspsychologisch eine echte Herausforderung“, so Haff. Er fordert, dass die Pflege in das gesamte Konzept der Vorsorge integriert wird.
© Massup
Tobias Haff ist Geschäftsführer Betrieb bei Massup.

Grade statt Stufen, neue Zahlen und Berechnungsgrößen: Der Beratungsdschungel wird durch das zweite Pflegestärkungsgesetz wieder ein Stück undurchdringbarer. Viele erwarten zwar einen neuen Beratungsboom. Doch die Pflegeversicherung ist ein hübsch-hässliches Vertriebsumfeld. Zumindest für alle, die nicht nur alles an Zahlen und statistischen Möglichkeiten festmachen.

Sie ist alles andere als emotional positiv besetzt, verkaufspsychologisch eine echte Herausforderung. Wer blickt noch durch, was Pflege kostet und wer dann welche Leistungen erhält? Will eigentlich irgendjemand wissen, wie pflegebedürftig er mal sein wird?

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Wie keine andere Sparte verbindet sich Pflege für mich mit dem Begriff des Sargdeckelgeklappers. Ohne Umwege entsteht die Vorstellung von jahrelangem, unheimlich teurem Siechtum. Und dass man dabei auch noch den Kindern auf der Tasche liegt, die für alles irgendwie mit aufkommen müssen – selbst bei der Sterbegeldversicherung schwingt mit der Vorstellung eines würdevollen Begräbnisses mehr Positives mit.

Erbe, Sparvermögen, Rentenversicherung – der beste Schutz im Pflegefall ist immer noch ein ausreichendes Vermögen. Sind Rente und private Vorsorge ausreichend bemessen, entfällt der Bedarf einer eigenständigen Absicherung. Immer mehr bleibt dies blanke Theorie.

Nicht nur das Zinsumfeld tut das Seine. Auch die sich immer schneller verändernde Arbeitswelt hilft nicht beim Planen. Es wird immer schwieriger werden, ausreichend Kapital für den gesicherten Ruhestand zusammenzusparen.

Damit bleibt als letzte Möglichkeit nur noch die Versicherung. Der Pflegefall gehört angesprochen, muss Teil der Vorsorge sein. Wir werden alle immer älter, damit steigt die Gefahr, dass auch wir selbst betroffen sind.

Pflege als Element des Vorsorge-Gesamtkonzepts

Sargdeckelklappern hilft allerdings wenig. Pflege braucht ein konstruktiveres Vertriebsumfeld. In der Beratung muss sie ein Element in einem Gesamtkonzept für den Ruhestand sein. Sie gehört eingebettet in alle Möglichkeiten, die es gibt.

Der Blick auf das große Ganze lohnt mehr als nur der auf das einzelne Produkt Pflegeversicherung und wie es verkauft werden könnte. Die Pflegeversicherung ist vor allem Baustein zur Vermögenssicherung und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung des gewünschten Pflegeumfelds. Mit dieser Vorstellung vor dem geistigen Auge schwingt plötzlich doch auch emotional etwas Positives mit.

Autor

Tobias Haff ist gelernter Versicherungskaufmann. Er ist spezialisiert auf die Digitalisierung und Automatisierung von Vertriebs-, CRM- und Service-Prozessen.

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