Pfefferminzia: Sie haben sich aus dem operativen Geschäft bei Mass Up zurückgezogen. Weshalb?
Dominik Groenen: Ja, richtig, seit 1. November 2016 bin ich operativ nicht mehr für Mass Up tätig. Nach wie vor bin ich aber Gesellschafter und unterstütze das Team mit Rat und Tat weiter. Es ist ja schließlich mein Baby. Und Mass Up ist bei Fabian Fischer, Tobias Haff und auch Julia Mayer in den besten Händen. Ich werde mir nun eine kleine Auszeit nehmen und mich intensiv mit dem Thema des „digitalen Versicherer“ beschäftigen. Ich habe mir 22 Bücher bestellt, alle rund um die Themen Versicherungsunternehmen, Gründung, Anforderungen und so weiter.
Wie lange braucht man denn, um einen Versicherer zu gründen?
Mit allem drum und dran sicherlich 18 bis 24 Monate.
Und wie teuer ist das?
Da liegen wir im Komposit-Bereich bei 3,75 Millionen Euro je nach Land. Das ist aber natürlich nicht alles. Im ersten Step benötige ich 25 Millionen Euro, im zweiten Step dann rund 125 Millionen Euro.
Woher kommt Ihr Interesse dafür?
Es ist in meinen Augen der nächste logische Schritt in der Entwicklung, die wir am Markt gerade sehen. Es ist heute in der Branche unheimlich schwierig, neue Produkte auf den Markt zu bringen, wenn man keinerlei Erfahrungswerte oder Daten hat. Nehmen Sie als Beispiel eine Hausratversicherung, die auch eine Deckung bietet, wenn sich jemand über Portale wie Air BnB beim Wohnungsmieter einmietet. Oder nehmen Sie das Beispiel Shared Economy. Drive Now oder Car2Go haben beispielsweise ewig gesucht, bis sie einen Versicherer gefunden haben, der das Risiko übernimmt, dass man immer wechselnde Fahrer hat.
Das sind alles Themen, bei denen die Versicherer erstmal zumachen, weil sie sich nicht auskennen und keine Daten haben. Ich komme also immer wieder an einen Punkt, an dem einem eigentlich nichts anderes übrig bleibt, als dass man ein eigenes digitales Versicherungsunternehmen gründet.
Und was macht dieses dann anders, als die etablierten Anbieter?
Man braucht eine neue Denke, man braucht neue Strukturen. Vor allem müssen die Produkte einfach sein. So einfach, dass ein normaler Mensch sie versteht. Ich habe zum Beispiel mal an einem Produkt zum Thema Sport-Ausrüstung gearbeitet. Das Produkt hat eine Deckungssumme von 2.000 oder 3.000 Euro und es ist es völlig egal, welche Sportausrüstung ich damit versichere. Dann gibt es noch die Frage, ob die Deckung auch international gelten soll oder nicht, und das war es dann an Angaben.
Man muss die Komplexität rausnehmen. Lassen Sie doch mal einen normalen Menschen den Unterschied zwischen einer Hausrat und einer Privathaftpflicht erklären für das Beispiel, dass einem in einer Mietwohnung eine Flasche Rotwein runterfällt und den Teppich versaut. Ist das nun eine Sache für die Hausrat- oder die Haftpflichtversicherung? Und sowas wie Außenversicherungen und die Grenzen bis 22 Uhr und im Kofferraum ist dann wieder etwas nicht versichert. Ganz ehrlich, das versteht doch kein Mensch mehr.
Besteht dabei aber nicht die Gefahr, dass man zu viel vereinfacht und am Ende auf hohen Schäden sitzenbleibt, die man über die Beiträge nicht eingenommen hat? Dann ist man doch schneller Pleite, als man gucken kann.
Es gibt die Ansätze ja schon. Nehmen Sie die All-Risk-Deckung, da funktioniert es ja auch. Alles ist versichert und es gibt klare Ausschlüsse. Das ist bedeutend einfacher, als seitenlange Versicherungsbedingungen lesen zu müssen, was denn nun alles abgedeckt ist.
Denken Sie mal dran, wie einfach es ist, heute ein paar Schuhe bei Zalando zu bestellen. Ich gebe einen Suchbegriff ein, lege die Schuhe in den Warenkorb, meine Zahlungsdaten sind schon hinterlegt und fertig ist die Bestellung. Und ich glaube das fehlt einfach bei Versicherungen. Da gibt es immer noch zu viele Hintertürchen und Ausschlüsse und spezielle Klauseln.
Wenn ich heute also einen neuen Versicherer gründen will, dann muss er einen neuen Ansatz haben. Und ich denke Einfachheit ist da ein guter. Ich bin zum Beispiel auch kein Freund von langen Laufzeiten. Ich fand etwa den Ansatz der Deutschen Familienversicherung sehr gut mit der täglichen Kündigungsfrist gut. Denn wenn das Produkt cool ist, kündige ich es nicht. Das ist wie bei Netflix, wo ich auch eine tägliche Kündigungsfrist habe. Wenn ich keine Lust mehr habe, bin ich ganz einfach draußen.
Für welche Sparte würde sich ein digitaler Versicherer denn anbieten?
Ganz klar für den Komposit-Bereich. Da sind auch die Anforderungen deutlich geringer als in der Kranken- oder Lebensversicherung. Ich glaube nicht an das Thema Ottonova. Wer sich mit dem Krankenversicherungssystem in Deutschland schon mal beschäftigt hat, weiß, wie komplex es ist mit GKV und PKV.
Glauben Sie, dass Sie der Einzige sind, der im Moment dran denkt, einen digitalen Versicherer zu gründen?
Nein, ganz sicher nicht. In den nächsten 24 Monaten werden wir um die 15 bis 20 neue Player am Markt haben.
So viele direkt?
Ja. Wobei ich da auch die digitalen Varianten der etablierten Anbieter sehe. Gerade hat ja etwa die Baloise einen digitalen Versicherer hierzulande gegründet, der erstmal Kfz-Versicherungen anbieten wird. Oder nehmen sie Nexible – der digitale Versicherer aus dem Ergo Konzern, der im Herbst 2017 starten soll. Auch hier wird es mit Auto-Versicherungen losgehen, aber auch den Online-Abschluss von Unfall- und Krankenzusatzversicherungen plant man in Düsseldorf.
Haben die Etablierten dann aber nicht Vorteile gegenüber Leuten, die völlig neu im Markt sind, so wie Sie?
Der Vorteil ist sicher, dass sie bestimmte Dinge schon am Laufen haben. Aber wenn ich einen neuen Versicherer gründe, brauche ich ja auch eine Rückversicherung. Und die Rückversicherer können solche Ideen dann ja auch unterstützen. Da ist einiges möglich. Es wird sicherlich auch die ein oder andere Kooperation mit einem Erstversicherer geben.
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