Hohe Kosten beim Tierarzt

Darum kann sich eine Tierkrankenversicherung lohnen

Müssen Hund, Katze & Co. zum Tierarzt, kann das schnell teuer werden. Tierkrankenversicherungen können einen Teil der Kosten auffangen. Auch für Makler haben die Policen Potenzial.
© Pixaline/Pixabay
Etwa 14 Millionen Katzen und 9 Millionen Hunde gibt es in Deutschland. Für die Halter haben die Tiere meist einen hohen emotionalen Wert.

Es ist schneller passiert, als man denkt. Beim wilden Toben reißt beim Familienhund das Kreuzband. Er muss operiert werden. Die Kosten: 1.500 Euro. „Und das gilt nur beim einfachen Gebührensatz der tierärztlichen Gebührenordnung“, erklärt Hans-Gerd Coenen, Vorstandsvorsitzender der GHV Versicherungen. Ist die OP kompliziert, kann der Tierarzt auch den zwei- oder dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ansetzen (siehe hierzu auch den Kasten mit Kostenbeispielen unten auf dieser Seite). Ein Tierarztbesuch kann also sehr schnell sehr teuer werden.

Tatsächlich musste fast die Hälfte (42 Prozent) aller Hundebesitzer in Deutschland ihren Hund schon einmal operieren lassen, wie eine Umfrage im Auftrag der Gothaer aus dem Jahr 2018 zeigt. Bei 48 Prozent der befragten Hundehalter lagen die OP-Kosten bei über 500 Euro. 6 Prozent mussten sogar mehr als 2.000 Euro für die Operation ihres Hundes zahlen. Dabei machen sich 78 Prozent der in der Studie befragten Personen Gedanken, wie sie im Ernstfall die Tierarztkosten bezahlen sollen. Jeder Vierte fürchtet sogar, in finanzielle Schwierigkeiten geraten zu können, falls eine aufwendigere Operation nötig werden sollte.

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Es fallen aber nicht nur OP-Kosten an. Laut der Gothaer-Studie gehen 47 Prozent aller Hundebesitzer zwei- bis dreimal pro Jahr mit ihrem Tier zum Tierarzt. Dafür zahlt die Mehrheit der Hundebesitzer zwischen 100 und 500 Euro jährlich. „Eine entsprechende Versicherung federt in solchen Fällen den finanziellen Aufwand für die Halter erheblich ab“, sagt Stephan Schinnenburg, Vertriebsvorstand der Deutschen Familienversicherung.

Oder man könnte für den Fall der Fälle sparen. Letzteres Modell hat aber seine Tücken, weiß Franziska Obert, Pressesprecherin der Agila Haustierversicherung: „Nehmen wir an, jemand legt monatlich 50 Euro auf ein Sparkonto zur Seite, dann müsste er fünf Jahre lang sparen, um eine notwendige Operation seines Hundes von 3.000 Euro beispielsweise am Kreuzband, inklusive Diagnostik, Medikamenten und Nachbehandlung, bezahlen zu können.“ Außerdem dürfte die Versuchung groß sein, zwischendrin für andere Sachen an das Konto zu gehen.

Tierkranken leistet mehr

Eine Tier-OP- oder Tierkrankenversicherung ist daher die bessere Alternative. Wie unterscheiden sich die Policen? Coenen: „Die Tierkrankenversicherung leistet auch bei Krankheiten, die keine Operation erfordern. Für die Diabetes-Erkrankung der Katze zum Beispiel. Die Einstellungskosten für das Tier sind mit 300 Euro noch überschaubar, würden von der OP-Versicherung aber nicht übernommen werden.“ Und dazu kämen noch die laufenden Kosten für Medikamente und Teststreifen. „Da ist man schnell bei 180 Euro monatlichen Kosten, auf das Jahr hochgerechnet sind das über 2.000 Euro. Vom Spezialfutter reden wir hier noch gar nicht“, so Coenen weiter.

Auch Vorsorgebehandlungen wie Impfungen, Wurmkuren, Floh- und ­Zeckenprophylaxe oder die Zahnsteinentfernung gehören zu den über die Tier-OP-Versicherung hinausgehenden abgedeckten Leistungen einer Tierkrankenversicherung.

In Deutschland gibt es etwa 9 Millionen Hunde und 14 Millionen Katzen. Davon sollen aber nur rund ein bis 3 Prozent krankenversichert sein. In der Gothaer-Studie gaben 83 Prozent der Befragten an, trotz der Vorteile keine Krankenversicherung für ihr Tier abgeschlossen zu haben. Das kann an den Kosten für die Policen liegen. Während die Tier-OP-Versicherung für Hunde zum Beispiel rund 15 bis 20 Euro im Monat kostet, liegt die Tierkrankenversicherung bei rund 40 Euro und mehr – je nach Leistungsumfang.

Der wichtigere Grund für den Nichtabschluss könnte aber das fehlende Wissen darüber sein. Und hier kommen die Makler ins Spiel. „Oft wird das Wohl des Haustiers in der Beratung nicht sonderlich beachtet“, sagt Coenen. „Dabei gibt es kein besseres Produkt, um den Tierbesitzer von seiner Beratungskompetenz zu überzeugen und die Kundenbeziehung zu festigen. Die unter Umständen hohen Tierarztkosten sind in der Finanzplanung des Kunden oft gar nicht berücksichtigt.“

Potenzial für Makler

Makler, die auf diese möglichen Kostenfallen hinweisen, können sich daher in der Gunst der Kunden nach vorne spielen. „Die emotionale Bindung der Menschen an ihre Vierbeiner ist hoch, sie werden oft als Familienmitglieder angesehen“, erklärt DFV-Vorstand Schinnenburg. „Tragen Makler durch die Vermittlung einer entsprechenden Tierkrankenversicherung zu einem zusätzlichen Schutz des Tieres bei, stärkt das auch das Vertrauen der Kunden.“ Ein Geschäftsfeld also, das Maklern hohes Potenzial bietet.

Bei der Vermittlung der Policen gibt es allerdings einiges zu beachten. Etwa das Alter der Tiere. „Je jünger das Tier, desto günstiger ist die Prämie“, sagt Stefan Endlicher von der Abteilung Vertriebssteuerung bei der Helvetia. „Im Umkehrschluss kann eine spätere Beantragung aufgrund des Tieralters oder möglicher Vorerkrankungen zu Prämienzuschlägen führen. So ist zum Beispiel die Annahme ab einem Alter von zehn Jahren anfragepflichtig, ab einem Alter von vier Jahren ist eine Gesundheitsuntersuchung des Tieres obligatorisch“, erklärt der Experte.

Bei Agila und GHV können Hunde jeweils bis zum achten Geburtstag versichert werden, Katzen bis zum zehnten, bei der DFV sind Hunde und Katzen bis zum Ende ihres neunten Lebensjahres versicherbar. Tiere mit Vorerkrankungen oder Tiere, die schon viele OPs hinter sich haben, nehmen die Versicherer nicht an.

Auf Ausschlüsse achten

„Bevor man eine Krankenversicherung für den Vierbeiner abschließt, sollte man sich genau über die Bedingungen informieren, insbesondere was die Höhe der jährlichen Versicherungssummen sowie mögliche Ausschlüsse angeht“, empfiehlt Franziska Obert weiter. Ausgeschlossen sind zum Beispiel oft rassespezifische Erkrankungen wie die der Atemwege beim Mops.

Auch Diätfuttermittel, Pflegezubehör, Prothesen und Fahrtkosten übernimmt nicht jeder Versicherer. Obert: „Tierbesitzer sollten zudem darauf achten, bis zu welchem Satz der Gebührenordnung für Tierärzte die Versicherung abrechnet, ob es eine Selbstbeteiligung gibt und wie die Abwicklung eingereichter Rechnungen abläuft.“

Leistungen haben Grenzen

Auch auf Wartezeiten und mögliche Höchstgrenzen bei Leistungen sollten Kunden und Vermittler Acht geben. Gerade in den günstigeren Tarifvarianten sind die Leistungen für OPs und Heilbehandlungen in einem Versicherungsjahr oft gedeckelt, etwa auf 2.500 Euro. Die Kosten für Vorsorgemaßnahmen wie Wurmkuren ebenso.

Wer seinen Hund gerne mit in den Urlaub nimmt, sollte außerdem in den Versicherungsbedingungen prüfen, ob der Versicherungsschutz auch Auslandsaufenthalte mit einschließt – und für wie lange. „Über alle angebotenen Deckungsvarianten hinweg bietet Helvetia über die Tierkrankenversicherung Petcare weltweiten Auslandsschutz für bis zu zwölf Monate“, berichtet Helvetia-Mann Endlicher. Die Agila handhabt das genauso.

Bei der GHV sind Hunde und Katzen je nach Tarif zwischen 2 und 24 Monate abgedeckt. Coenen: „Der medizinisch notwendige Rücktransport nach Deutschland ist auch versichert. Die Premiumvariante beinhaltet auch einen Reiserücktritt für den Tierbesitzer aufgrund von Krankheit oder OP des Tieres.“

Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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