Pfefferminzia: Wieso verkaufen immer mehr Lebensversicherer ihre Bestände?
Heinz-Peter Roß: Mit Niedrigzinsphase, Modernisierungsbedarf, verschärfter Regulatorik und Digitalisierung müssen sich die Versicherer mehreren Großherausforderungen gleichzeitig stellen. Der damit verbundene Investitions- und Kapazitätenbedarf ist immens. Entsprechend stehen Fragen im Raum wie: Was ist zukünftig Kerngeschäft? Wie und wofür sollen die vorhandenen Mittel wertstiftend eingesetzt werden? Es ist daher nicht nur legitim, sondern unternehmerische Pflicht zu hinterfragen, wie unter Berücksichtigung aller involvierten Interessen mit Beständen umgegangen werden kann, die operativ und bilanziell enorme Kräfte binden.
Inwiefern lohnt sich das Geschäftsmodell für Sie als Run-off-Plattform?
Das Geschäftsmodell als Bestandsmanager lohnt sich für unsere Kunden und für uns als Unternehmen. Die Viridium Gruppe ist Spezialist – wir widmen 100 Prozent unserer Mittel, unseres Know-hows und unserer Aufmerksamkeit dem effizienten Bestandsmanagement und nichts anderem. Grundlage dafür ist eine komplett neu aufgesetzte IT, auf der eine ebenfalls neu installierte Bestandsführungslandschaft fußt.
Mit zunehmender Zahl an Verträgen auf unserer Plattform ermöglicht dies Effizienzvorteile, die – über die Garantieinhalte hinaus – auch den Kunden zugutekommen sollen. Es geht also um die Potenziale, die aus der Kombination von Kostenbewusstsein, Fokussierung, moderner Infrastruktur und Größenvorteilen resultieren.
Was machen Sie mit den Verträgen?
Die Verträge bleiben heute und in der Zukunft unangetastet. Die Viridium Gruppe übernimmt die Verträge mit allen Rechten und Pflichten und hält sie über die gesamte Laufzeit auf Punkt und Komma ein.
Wer ist für die Kapitalanlage zuständig?
Das aktuell zwölfköpfige Team des Viridium Investmentbereichs arbeitet mit den weltweit besten Asset Managern zusammen, um die Kundengelder der Gesellschaften bestmöglich anzulegen. Das Viridium Investmentteam verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Portfolio Management, Fonds- beziehungsweise Managerselektion, Asset Liability Management und bei der effizienten Orderadministration.
Derzeit betreut die Viridium Gruppe mit ihren Portfoliogesellschaften knapp eine Million Lebensversicherungsverträge und ein Vermögen von rund 15 Milliarden Euro.
An wen kann sich der Kunde nach der Bestandsübertragung wenden, wenn er beispielsweise Fragen zum Vertrag hat?
Im Falle einer Bestandsübertragung ebenso wie beim Kauf einer Gesellschaft ändert sich in der Betreuung der Versicherten nichts. Die Kundenservice-Teams, die den Bestand und die Verträge lange begleitet haben und bestens kennen, betreuen diese weiterhin. Auch die Kontaktdaten der Ansprechpartner ändern sich in der Regel nicht.
Verbraucherschützer werfen den Run-off-Plattformen vor, dass die keinen Anreiz mehr haben, für den Kunden ein gutes Ergebnis zu erzielen. Es gehe vielmehr um die eigene Gewinnmaximierung. Was sagen Sie hierzu?
Es ist legitim, dass Fragen – auch kritische – zu dem in Deutschland noch jungen Geschäftsmodell gestellt werden. Ebenso soll damit natürlich auch Geld verdient werden.
Dabei ist es das ureigene Interesse der Viridium Gruppe, dass ihre Kunden zufrieden sind und ihre Verträge maximal lange bei uns weiterführen. Denn die Logik und Vorteile der Plattform fußen auf der Größe und Stabilität des betreuten Gesamtbestands. In diesem Sinne ist jeder Kunde und jeder Vertrag für die Viridium Gruppe gleich wichtig – es gibt im Übrigen keine Verträge erster und zweiter Klasse. Jeder Kunde erhält heute wie in der Zukunft den gleich guten Service.
Die angestrebten Effizienzgewinne kommen auf der Grundlage der gesetzlichen Regelungen stets auch den Kunden zugute. Im Übrigen stellt Viridium die Kunden direkt beim Wechsel in die Gruppe finanziell besser, indem sie die Verwaltungskostenaufwände sofort um 10 Prozent senkt und dieses Niveau langfristig fixiert. Dadurch steigt automatisch die Überschussbeteiligung von Kunden der Vridium Gruppe.
Können alle Bestände übernommen werden? Welche Kriterien legen Sie für den Kauf an?
Die Systemplattform der Viridium Gruppe ist beliebig skalierbar und für alle gängigen Vertrags- und Tariftypen ausgelegt. Maßgebliches Kriterium bei der Beurteilung eines Bestands ist: Sind wir davon überzeugt, ihn im besten Interesse und zum Vorteil der Versicherten 20 und 30 Jahre lang betreuen zu können? Man muss seine Versprechen auch zuverlässig halten können. Zumal aggressives Asset Management für die Viridium Gruppe tabu ist.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.