Der Testkunde, der sich für die Süddeutsche Zeitung zum Thema Altersvorsorge beraten lässt, ist Mitte 20, hat sein Studium abgeschlossen und ist nun ins Berufsleben gestartet. Jeden Monat hat er 200 Euro zur Verfügung, die er sparen kann. Eine Lebensversicherung hat er noch nicht, einen Bausparvertrag ebenso wenig. Stationen für den Beratungstest sind die Commerzbank, die Sparkasse und die Huk-Coburg.
So schlug sich die Commerzbank
Der Commerzbanker empfiehlt das Produkt Index-Select der Allianz als Riester-Rente. 125 Euro monatlich solle der junge Mann dort hinein investieren. Am Ende soll dann – modellhaft berechnet – eine Zusatzrente von 1.073 Euro monatlich rauskommen. Annahme dabei: Die Anlagen werfen jährlich im Schnitt 6 Prozent Rendite ab. Den Rest des Geldes soll der Testkunde für eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausgeben.
Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau in München, hat das Beratungsgespräch anschließend bewertet. Ein Kritikpunkt: Die angestrebte Rendite von 6 Prozent pro Jahr sei in diesen Zeiten kaum zu schaffen, wenn man wie bei Index-Select den Sparbeitrag auf Festverzinsung und Euro-Stoxx 50 aufteilt. Außerdem sei das Produkt ziemlich teuer. Alleine für den Abschluss würden 1.660 Euro anfallen. Die Commerzbank wehrt sich gegen den Vorwurf. Die Kosten lägen effektiv bei 0,74 Prozent pro Jahr – eine marktgerechte Quote.
Besuch bei der Sparkasse
Die Beraterin der Sparkasse rät auch dazu, den Sparbetrag aufzuteilen. Ihre Empfehlung: 117 Euro sollen in eine Riester-Rente der Versicherungskammer Bayern wandern. Die eine Hälfte würde dabei festverzinst, die andere Hälfte in einen Dachfonds fließen, der das Geld auf mehrere Produkte weltweit verteilt. Die Zusatzrente soll am Ende bei 448 Euro pro Monat liegen. Als Alternative käme auch eine Privat-Rente ohne Riester-Förderung infrage. Die angepeilte Rente läge hier bei 446 Euro.
Den Rest könnte der junge Mann in eine weitere Versicherung stecken, die bei 98 Euro Monatsbeitrag voraussichtlich eine Zusatzrente von 888 Euro bringt – wieder für den Fall, dass die Rendite bei 6 Prozent liegt, was die Beraterin selbst als „sehr sportliche“ Annahme bezeichnet. Oder der Kunde könnte regelmäßig drei oder vier Fonds besparen.
Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht auch hier Nachholbedarf. Dachfonds seien prinzipiell sehr teure Produkte. „Von effizienten Produkten keine Spur“, sagt er der Süddeutschen.
Ergebnis der Huk-Coburg
Der Vertreter der Huk-Coburg empfiehlt dem jungen Mann, die gesamten 200 Euro in eine Fondsrente zu investieren, die auf börsengehandelten Indexfonds (ETFs) beruht. Diese Produkte zeichnen sich in der Regel durch niedrige Verwaltungskosten aus, da sie nur einen Index nachbilden. Das kommt bei Experten wie Beck gut an.
Was am Ende als Rente herausspringt, hängt dabei natürlich von der Entwicklung der Märkte und Indizes ab, die die Produkte abbilden. Bei 3 Prozent jährlicher Rendite wären es 750 Euro pro Monat, bei 6 Prozent Rendite 1.550 Euro.
Welchen Markt solle man wählen? Der Vertreter entspricht den deutschen Leitindex Dax, die Firmen kenne man wenigstens. Beck spricht sich aber eher für ein vernünftiges Portfolio aus, das über mehrere Märkte streut. Wenn das ganze Geld in einem Dax-ETF liege, sei das Risiko unnötig hoch, meint er.
Und das Fazit der drei Beratungsgespräche? Sowohl Beck als auch Nauhauser hätten sich gewünscht, dass man dem Kunden erstmal empfiehlt, Vermögen aufzubauen – etwa über einen günstigen Fondssparplan.
Verbraucherschützer Nauhauser glaubt auch zu wissen, woran das liegt: „In den Gesprächen wurden Rentenversicherungen empfohlen, weil die Banken damit bei Abschluss eine hohe, einmalige Vertriebsprovision erhalten. Hätten die Banken dagegen Produkte zum Vermögensaufbau angeboten, zum Beispiel einen Fondssparplan, hätten sie nicht auf einen Schlag so viel Geld verdienen können“, sagt er der Süddeutschen Zeitung. Bankberater seien eben keine Berater, sondern nur Verkäufer.
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