Die Kunden machen nicht mit

Revolution in der Fintech-Branche bleibt aus

Start-ups mit immer neuen Finanzangeboten schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden, doch die Kunden rennen ihnen nicht gerade die Bude ein. Zwar gelten sie als verbraucherfreundlich, doch womöglich fehlt es ihnen an Lebenserfahrung.
© Finanztip
Findet, dass auch Fintechs mehr Verbraucherschutz wagen sollten: Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen.

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Verbrauchermagazins Finanztip, ist der Fintech-Branche eigentlich sehr zugewandt. Gelten die Start-ups doch als besonders nah an den Bedürfnissen der Kunden – sie bemühten sich um Fairness und Transparenz, während den Vertretern der alten Wirtschaft ein Mangel an solchen Qualitäten nachgesagt wird.

Doch vielleicht ist das alles ein Trugschluss, wie die Gründerzeitschrift Brandeins vermutet. Zum Hintergrund: Bei einer Veranstaltung blieb die Arbeitsgruppe „Verbraucherschutz“ Ergebnisse schuldig. FinCamp heißt der Workshop des Bundesfinanzministeriums unter Leitung des Parlamentarischen Staatssekretärs Jens Spahn. Im April gab es ein großes Treffen, bei dem ein Großteil der deutschen Fintech-Branche aufschlug. Die Erwartungen, etwa von Tenhagen, wurden enttäuscht: „Wo fand denn das Thema Verbraucherschutz im Workshop Verbraucherschutz statt?“, fragt er auf Twitter.

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Bislang lobten Tenhagen und seine Finanztip-Kollegen die Fintech-Branche: Ein Geschäft, in dem so viel Raum für Verbesserungen sei, gerade in puncto Service. Doch das geschehe kaum, so die Feststellung des Verbraucherschützers. „Oft steckt keine Lebenserfahrung mit Kunden dahinter, viele in der Branche sind selbstreferenziell, kommen von der Technologie her – und nicht vom Nutzer.

Kunden wollen oft alles aus einer Hand

Stimmt die Kritik aber? Fest steht: Im Geldwesen scheint die Digitalisierung anders zu laufen als im Handel, in der Kommunikations- oder in der Musikbranche, vermutet Brandeins. Von den rund 450 Finanzneugründungen seit der Jahrtausendwende, hätte weniger als eine Handvoll überlebt, lautet auch das Ergebnis einer McKinsey-Studie. Unumstrittener Star der Branche: der Online-Bezahldienst Paypal. Sein Umsatz beträgt respektvolle 9 Milliarden Dollar pro Jahr, doch angesichts etablierter Unternehmen wie American Express oder Visa mit 33 beziehungsweise 12 Milliarden Dollar ist das auch kein revolutionäres Ergebnis.

Bleibt die Frage, ob die zweite, von der Verbreitung der Smartphones getriebenen Gründerwelle am Geschäftserfolg der Fintechs etwas ändern wird. Ein Problem scheint zu sein, dass Kunden – ähnlich wie bei einer klassischen Bank – alle Leistungen aus einer Hand erhalten wollen.
Und das bieten Fintechs nicht an.

Aber sie bringen immerhin Banken und Versicherungen auf Trab, meint Verbraucherschützer Tenhagen. Die digitale Umwälzung ginge weiter, auch wenn sie langsamer ausfalle als geplant.

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