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Wie die Bafin Verbraucher besser schützen will

Zweifellos hat die Bafin unter ihrem neuen Chef Mark Branson im Kampf gegen die Missstände der Finanzwelt einiges an Schärfe zugelegt. Und es soll noch mehr werden, wie die jetzt vorgestellte neue Verbraucherschutzstrategie durchblicken lässt.
Christian Bock leitet bei der Bafin die Abteilung Verbraucherschutz seit deren Bestehen Ende 2015
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Christian Bock leitet bei der Bafin die Abteilung Verbraucherschutz seit deren Bestehen Ende 2015

Die Aufgabe klingt erst einmal gut: „Aufgabe der Bafin im kollektiven Verbraucherschutz ist es, ein angemessenes Schutzniveau für Verbraucherinnen und Verbraucher in ihrer Gesamtheit zu gewährleisten.“

So weit, so klar. Was hingegen nicht zu ihren Aufgaben gehört, ist, sich für einzelne Verbraucher einzusetzen. Das liegt dann wohl eher bei Anwälten und/oder dem Journalismus. Stattdessen soll die Bafin dafür sorgen, dass Verbraucher korrekte und verständliche Informationen bekommen, um dann über ihre Finanzen entscheiden zu können. Und machen wir uns nichts vor, damit hat sie schon gut zu tun. Allerdings sollten Verbraucher auch ein „fundiertes Verständnis für die Mechanismen und Produkte des Finanzmarkts“ mitbringen. Und das ist – gerade in Deutschland – flächendeckend nun wirklich nicht gegeben.

Jetzt stellte die Finanzaufsicht Bafin ihre neue Strategie vor, mit der sie Verbraucher künftig besser schützen will. Dabei wolle sie insbesondere auf neue Trends reagieren: Digitaltechnik, Demografie, Inflation und Nachhaltigkeit. Drei Dinge ändern sich dabei massiv:

  • Es gibt mehr Marktteilnehmer, Geschäftsmodelle und Finanzprodukte, wie zum Beispiel Kryptowerte
  • Der rein digitale und/oder grenzüberschreitende Vertrieb von Finanzprodukten nimmt zu
  • Soziale Medien dienen als zentrale Informationsquelle für Verbraucher und als Werbeplattform für Unternehmen

Wie die Bafin ihren Aufgaben gerecht werden will, das hat sie in vier Schwerpunkte unterteilt.

Markt-Monitoring zu datenbasierter Aufsicht ausbauen

Die Finanzaufsicht verfolgt in der Abteilung Verbraucherschutz den Markt und greift dabei auch auf Beiträge in den Sozialen Medien zu. Das alles fließt systematisch in eine Datenbank. Ebenso wie Beschwerden von Kunden über Kreditinstitute, Versicherer und Wertpapierdienstleister und Mitteilungen von Schlichtern, die die Bafin auswertet. Aus allen Daten leitet die Bafin Risikoindikatoren ab, nach denen sie sich richten will.

Zusätzlich will sie regelmäßig Verbraucher befragen, die Märkte untersuchen und geheime Tests durchführen, sogenanntes Mystery Shopping. Außerdem tauscht sie Informationen mit Behörden im Ausland aus, insbesondere der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA), Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) und der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma).

Seite 2: Zupacken, stärken, zusammenarbeiten

Vorausschauende und mutige Aufsicht intensivieren

Um einen langen Absatz auf den Punkt zu bringen: Die Bafin will kräftig und mutig zupacken, damit die Finanzbranche sauber und fair bleibt. Sie will ihre Instrumente nutzen, Sachverhalte ermitteln und Missstände abstellen. Und sie will Klartext reden, damit alle Marktteilnehmer und die Öffentlichkeit auch wissen, was sie will. Dabei stechen folgende Ambitionen ins Auge:

  • Aufsicht zu digitalen Geschäfts- und Vertriebsmodellen ausbauen
  • mögliche Diskriminierungen bei Algorithmen und Künstlicher Intelligenz im Blick behalten
  • Aufsichtsgespräche und Vor-Ort-Prüfungen bei Banken und Versicherern, um Verstöße gegen den Verbraucherschutz festzustellen und eventuell einzugreifen
  • unerlaubte Bankgeschäfte, Finanzdienstleistungen, Wertpapierdienstleistungen, Zahlungsdienste, E-Geld-Geschäfte, Versicherungs- und Investmentgeschäfte verfolgen und verhindern
Finanzkompetenz von Verbrauchern stärken

Am besten sind Verbraucher geschützt, wenn sie sich in der Materie auskennen. Das weiß auch die Bafin – allein, sie ist nicht direkt für Finanzbildung verantwortlich. Indirekt will sie sich aber beteiligen, indem sie „Verbrauchern, Verbraucherschutzorganisationen und Multiplikatoren“ Informationen bereitstellt. Sie wolle über „Eigenschaften, Chancen und Risiken von Finanz- und Versicherungsprodukten und Dienstleistungen rund um diese Produkte sowie über relevante neue Entwicklungen an den Finanzmärkten“ aufklären. Geplante Wege sind zum Beispiel Soziale Medien und Podcasts. Zugleich will die Bafin die Nähe zu Verbrauchern suchen, um selbst auf dem Laufenden zu bleiben, und regelmäßig Warnhinweise auf der eigenen Website und in anderen Medien veröffentlichen.

Zusammenarbeit im kollektiven Verbraucherschutz intensivieren

Wer erfolgreich sein will, muss zusammenarbeiten – so sieht das zumindest die Bafin. Weshalb sie national und international mit anderen Verbraucherschützern weiter, intensiver oder auch neuerdings kooperieren will. Damit meint sie:

  • Informationen von Verbraucherschutzorganisationen und außergerichtlichen Schlichtungs- und Mediationsstellen
  • gemeinsame Aufklärungsmaßnahmen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen mit Verbraucherschutzorganisationen
  • nationale Aufsichtsbehörden bei internationalen Sachverhalten
  • gemeinsame Aufsichtsmaßnahmen mit EBA, Eiopa und Esma
  • das Bundesministerium der Finanzen in Hinblick auf nationale, europäische und internationale Regulierung

Das war die Kurzfassung. Die komplette Strategie können Sie hier herunterladen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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