Dass die gesetzliche Pflegeversicherung trotz aller Reformen nicht die vollen Pflegekosten abdeckt, ist vielen Verbrauchern mittlerweile klar. Doch wie kann eine möglichst passgenaue private Vorsorge für den Pflegefall aussehen?
Die Ratingagentur Assekurata will mit ihrer umfassenden Studie „Absicherung im Pflegefall – Mit der Pflegezusatzversicherung von der Teil- zur Vollkasko“ für mehr Klarheit sorgen. Darin erklären die Autoren die unterschiedlichen Produktvarianten und sprechen die Empfehlung aus, dass Verbraucher und Vermittler neben dem Preis vor allem die Bedingungs- und die Anbieterqualität überprüfen sollten.
Doch zunächst die Grundlagen:
Mit der Pflegetagegeldversicherung, wozu auch die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung „Pflege-Bahr“ gehört, sowie der Pflegekostenversicherung gibt es drei Produktvarianten für die zusätzliche private Pflegevorsorge.
Die Pflegekostenversicherung vertreiben marktweit fünf private Krankenversicherer, berichtet Assekurata. Die Besonderheiten des Produkts fasst Assekurata-Experte Gerhard Reichl so zusammen: „Hier kann der Kunde im Regelfall die gesetzlichen Pflegeleistungen je nach Anbieter um bis zu 200 Prozent aufstocken. Im Vergleich zu den geförderten und ungeförderten Pflegetagegeldversicherungen sind Pflegekostentarife preislich etwas günstiger. Grund hierfür sind insbesondere die geringeren Leistungen für häusliche Pflege durch Angehörige.“
Beim Pflege-Bahr ist hingegen die Höhe der Absicherung vorgegeben, so dass der Versicherte dies im Normalfall nicht frei bestimmen kann. „Einen Pluspunkt stellt die Aufnahmegarantie dar, da beim Pflege-Bahr auch Menschen mit Vorerkrankungen Versicherungsschutz erhalten“, sagt Reichl. Allerdings sei das Produkt nur eine „Teilkaskolösung“, so dass im Pflegefall in der Regel eine „nicht unerhebliche Versorgungslücke“ bestehen bleibe.
Pflegetagegeldversicherung grundsätzlich am vorteilhaftesten
Am vorteilhaftesten, weil am flexibelsten, erscheint aus Sicht von Assekurata grundsätzlich die Pflegetagegeldversicherung. Ihr Kernmerkmal: Der Kunde kann die Höhe des Tagegelds frei wählen und die Leistung ohne erneute Gesundheitsprüfung zu bestimmten Anlässen oder Zeitpunkten erhöhen. Im Wesentlichen geschehe dies durch eine regelmäßige Dynamisierung des Tagegeldes, so Reichl. Hier sei vor allem darauf zu achten, dass die Tarife auch nach Eintritt der Pflegebedürftigkeit die Leistungen weiter dynamisieren. „Denn gerade dann, wenn der Pflegefall bereits in jungen Jahren eintritt, verhindert eine Dynamisierung, dass sich die Pflegelücke wieder auftut oder weiter vergrößert“, erklärt der Experte.
Doch so groß der Nutzen der Absicherung auch sein mag. Immer wieder bekommen Vermittler im Kundengespräch zu hören, dass ihnen die Ausgaben für eine private Pflegezusatzversicherung zu hoch erscheinen. Auch mit diesem Thema hat sich Assekurata befasst – und hat nachgerechnet (Tabelle folgt auf der nächsten Seite).
Konkret wurden die Beiträge für unterschiedliche Eintrittsalter erhoben – jeweils für eine Pflegekostenversicherung sowie drei Pflegetagegeldtarife. Um die durchschnittlich bestehende Pflegelücke zu decken, wurde hierbei beim Pflegekostentarif die Verdoppelung der gesetzlichen Leistung (Aufstockung um 100 Prozent) und bei den Pflegetagegeldtarifen eine Leistung von monatlich 2.000 Euro bei stationärer Pflege in den Pflegegraden 2 bis 5 vorausgesetzt (siehe Tabelle).

Quelle: Assekurata
Dazu merken die Autoren an, dass sich aufgrund der Leistungsunterschiede in den Pflegegraden – speziell bei ambulanter Pflege – sich auch die Tarifbeiträge unterscheiden. Versicherer B bietet demnach einen vergleichsweise günstigen Tarif. Das Angebot des Versicherers C liege im mittleren Preissegment und der Tarif von Versicherer D bewege sich preislich im oberen Bereich.
Pflegelücke absichern, muss auch bei spätem Beginn nicht teuer sein
Eine Erkenntnis der Autoren auf Basis der Berechnungen lautet, dass sich die Pflegelücke zu vergleichsweise niedrigen Prämien absichern lasse. Zugleich gilt aber die Devise: Je früher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen wird, desto besser. „Zum einen sinkt damit das Risiko von Vorerkrankungen, die einen Vertragsabschluss erschweren – Stichwort Risikozuschlag – oder sogar verhindern können. Zum anderen sind die Ausgaben – sowohl in Bezug auf den Monatsbeitrag als auch über die gesamte Vertragslaufzeit hinweg gesehen – geringer“, erklärt Autor Reichl.
Ein Beispiel: Eine 25-Jährige Person kann bereits ab einem Monatsbeitrag von 20 Euro eine Pflegetagegeldversicherung abschließen, die ihr Budget bei ambulanter Pflege nahezu verdoppelt und die derzeitige durchschnittliche Pflegelücke von 2.000 Euro bei stationärer Pflege schließt. Selbst im Alter von 55 Jahren sei dieses Absicherungsniveau noch für unter 90 Euro pro Monat zu haben, betonen die Autoren (siehe Grafik).

Quelle: Assekurata
Nicht nur auf die Prämie schauen
Allerdings gelte auch in der Pflegezusatzversicherung, dass eine scheinbar hohe monetäre Absicherung für wenig Geld mit Vorsicht zu genießen sei. Denn diese biete keine Gewähr für einen passenden Versicherungsschutz. „Die genaue Formulierung des Leistungsumfangs in den Bedingungen und die Sicherheit der Kalkulation machen vielfach erst den preiswürdigen Unterschied aus“, erklärt Reichl. Der Grund: Die Ursachen für Beitragsunterschiede seien vor allem im Leistungsversprechen der Tarife zu suchen, speziell in den Pflegegraden 1 bis 3 bei ambulanter Pflege.
Doch es gibt noch eine weitere Bewertungsdimension zu berücksichtigen: „Aufgrund der hohen Zinsabhängigkeit des Beitrags sollten bei der Suche nach der passenden Pflegezusatzversicherung auch die Qualität des Anbieters, hier speziell der Kapitalanlageerfolg, und die Aktualität der Rechnungsgrundlagen kritisch beleuchtet werden“, sagt Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.
Tarifdschungel kaum zu durchschauen
Das Problem: Da marktweit keine Transparenz über den angesetzten Rechnungszins herrsche, sei es für die Kunden und Vermittler „nahezu unmöglich“, die einzelnen Pflegetagegeldversicherungen preislich miteinander zu vergleichen. „Im Rahmen unserer Tarifanalyse untersuchen wir deshalb seit 2014 Pflegetagegeldversicherungen. In diese Analysen fließen neben den Tarifbedingungen auch die Sicherheiten in den Rechnungsgrundlagen, wie zum Beispiel der angesetzte Rechnungszins, ein“, so Will.
Hierdurch bekämen Verbraucher und Vermittler Klarheit darüber, welche Produkte einen sehr guten und nachhaltig kalkulierten Versicherungsschutz böten. Bislang hat Assekurata nach eigenen Angaben Pflegetagegeldtarife der Anbieter Allianz, Hallesche, Inter, Nürnberger und R+V einer Prüfung unterzogen.