Nun ist sie also auch im EU-Raum eingeläutet, die Zinswende: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag beschlossen, den sogenannten Hauptrefinanzierungssatz von 0 Prozent um einen halben Punkt auf 0,50 Prozent zu erhöhen – die Anhebung fiel überraschend deutlich aus und war zudem die erste seit 2011.
Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) reicht das allerdings noch nicht. So sei die Entscheidung der EZB „zweifellos ein besonderer Moment“, wie GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen am Donnerstag mitteilte, dennoch könne die Zinserhöhung, die „spät, aber richtig“ sei, „nur ein erster Schritt in einer Reihe gewesen sein“.
Dass die Zinsen stärker als angekündigt erhöht werden, sei „durch die Datenlage für die Eurozone gerechtfertigt“ so Asmussen weiter. Zugleich wies der GDV-Hauptgeschäftsführer darauf hin, dass die Kapitalmärkte die Zinswende seit längerem eingepreist hätten.
Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management AG, sieht das ganz ähnlich: „Die gestrige Zinserhöhung ist eigentlich ein Non-Event. Die EZB hat damit nur auf den Druck des Marktes reagiert. Die Märkte hatten diese Erhöhung schon antizipiert, es wurden also nur die Erwartungen erfüllt“, teilte Kessler in einem Marktkommentar mit. Das zeige sich auch daran, dass der Zinssatz für 10-jährige Bundesanleihen unverändert geblieben sei, so der Gothaer AM-Chef.
Zugleich kritisierte Kessler, dass der Schritt der Währungshüter, der zur Bekämpfung der Inflation gedacht gewesen sei, „zu spät“ komme. Um die Inflation wirksam einzudämmen, müsste die EZB die Zinsen „deutlich schneller anheben, solange keine Rückkehr der Kerninflation, also Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel, zu sehen ist“.
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