Zweifelhafte Tipps in „Stern TV“-Sendung

Wie Hermann-Josef Tenhagen Makler fassungslos macht

Der „Finanztip“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen schießt in einer „Stern TV“-Sendung gegen Berater. Weil sie von Provisionen leben. Stattdessen sollten Kunden ihre Versicherungen im Internet abschließen. Ein Rat, der Versicherungsmakler in Rage bringt. Vor allem, weil Tenhagen ein paar nicht ganz unwichtige Details weggelassen hat.
Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen (hier bei einem Auftritt bei „Maischberger“): „Die werden von meinem Geld bezahlt“
© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen (hier bei einem Auftritt bei „Maischberger“): „Die werden von meinem Geld bezahlt“

Der Versicherungsmakler Andreas Lohrenz war zweifellos wütend. So wütend, dass er am Abend des 2. November mitten in der Sendung „Stern TV Spezial“ zum Thema Sparen einen Beitrag auf der Plattform Linkedin absetzte (zur Folge geht es hier).

„Sehr geehrter Herr Hermann-Josef Tenhagen“, beginnt der Post. In der Mitte heißt es: „Was Sie heute an unfassbarem Unfug von sich gegeben haben, geht mittlerweile auf keine Kuhhaut mehr.“ Und am Ende schließt ein knackiges: „Wenn Sie nen Arsch in der Hose haben, dann erklären Sie mir solche Aussagen doch bitte mal.“

Was Lohrenz so auf die Zinne geschickt hat? Tenhagen, Chef-Redakteur des Geld-Ratgebers „Finanztip“, lehnte – nicht zum ersten Mal – Berater ab. Auf eine Zuschauerfrage, ob man Versicherungen lieber im Internet oder beim Finanzberater (!) abschließen sollte, antwortete Tenhagen: „Normalerweise lieber im Internet als bei einem Finanzberater. Denn der Finanzberater lebt von den Provisionen. Immer, wo es geht, macht man es also im Internet.“ Immerhin schickt er noch eine Ausnahme hinterher: „Die BU-Versicherung, da brauchen Sie einen Makler, der Sie berät.“

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Was Tenhagen nonchalant weglässt: Auch Vergleichsportale im Internet wie Check24 und Verivox sind rechtlich gesehen Vermittler. Sie arbeiten mit Lizenzen nach Paragraf 34d der Gewerbeordnung und sind somit Versicherungsmakler. Und sie bekommen – Überraschung – für jede vermittelte Versicherung Provision.

Provisionen findet Tenhagen aber total schlecht, wie er hier und da betont. An einer Stelle sagt er über Berater: „Wann immer es geht, würde ich auf den Mann oder die Frau verzichten, denn die werden von meinem Geld bezahlt.“

Eine Aussage, die der ebenfalls anwesende Verbraucherjournalist Ron Perduss übrigens kurze Zeit später konterkariert: „Ich würde Honorarberater empfehlen. Die sind bei keiner Versicherung beschäftigt, die bekommen keine Provisionen, die muss man selbst bezahlen. Das ist die beste Lösung.“

Honorarberater muss man also auch vom eigenen Geld bezahlen, aber das ist wohl okay. Tenhagen hat dem zumindest nicht widersprochen. Und ganz nebenbei: Makler sind ebenfalls bei keiner Versicherung beschäftigt.

„Vielleicht bereitet er gerade seinen Wechsel vor“

So viel also zur Vorlage. Die Reaktionen ließen auch nicht lange auf sich warten. Einige Kommentare zu Andreas Lohrenz‘ Post drehen sich um Tenhagens Abneigung gegen Provisionen, aber Liebe zu Vergleichsportalen. So witzelt ein Berater: „Vielleicht bereitet er gerade seinen Wechsel vor, von einem unabhängigen Portal zum nächsten. Oder Check24 ist demnächst der Premium-Affiliate-Partner von Finanztip.“

Dazu muss man sagen, dass Finanztip in seinen Beiträgen sogenannte Affiliate-Links auf Produktgeber setzt und immer dann Geld verdient, wenn Leser klicken. Das nennt Finanztip allerdings Gebühr, nicht Provision.

Einen anderen interessanten Zusammenhang formuliert ein Vermögensberater: „Am besten, die Verbraucher machen alles im Internet, und wenn die dann falsch/schlecht abgesichert sind und es im Schadensfall Probleme mit der Versicherung gibt, kann schön wieder ein kritischer TV-Bericht kommen.“

Rufe nach dem GDV

Schafft sich RTL auf diese Weise also seine Storys von morgen? Könnte klappen.

Ein weiterer Makler sieht in der Sache sogar einen Fall für den Versichererverband GDV: „Ganz schlechter Journalismus, der mal wieder unseren Berufsstand verunglimpft. […] Aber auch der GDV sollte sich dazu Richtung SternTV äußern.“

Und noch ein Makler weist wiederum darauf hin, dass Makler zum Großteil auf dieselben Tarife zugreifen können wie die von Tenhagen so angepriesenen Vergleichsportale. Manche seien sogar Sondertarife und damit besser. „Was erwarten Sie, wie ein Makler oder Vermittler Geld verdient? Wissen Sie überhaupt wie viel einer verdient pro Vertrag? Dass es nicht nur Abschlussprovision gibt, sondern auch Betreuungsprovision? Vergleichsportale das gleiche Geld erhalten, aber keine wirkliche aktive Betreuung durchführen?“, so der Makler.

Ob Hermann-Josef Tenhagen das weiß, wissen wir nicht. Und auch auf Linkedin hat sich noch nicht geäußert.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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5 Antworten

  1. Lol, nur getroffene Hunde bellen. Der Unterschied zu einem Vergleichsportal und einem Berater/Vertreter besteht darin, dass ich mir selbst das Produkt aus *allen* verfügbaren Angeboten aussuche. Der Berater wird immer seine Provision im Auge haben und nicht meinen Geldbeutel oder mein Wohlergehen. Auch ein guter Berater wird immer vor diesem Dilemma stehen. Logischerweise bieten günstige Verträge auch keine sonderlich hohen Provisionen, sonst wären sie ja nicht so günstig (bei ansonsten vergleichbaren Konditionen).

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