„Schadet dem Vertrauen ins Rentensystem“

DRV-Präsidentin Roßbach kritisiert Modellrechnungen zur Altersarmut

Vereinfachte Modellrechnungen führen zu einem dramatischen Bild von Altersarmut, das so gar nicht gegeben ist. Das kritisiert die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Gundula Roßbach, in einem Gastartikel. Welche negativen Folgen sie dadurch sieht, lesen Sie hier.
© DRV Bund
Gundula Roßbach ist Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund.

Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Gundula Roßbach, beklagt sich in einem Gastartikel für die „F.A.Z.“, dass das Risiko für Altersarmut durch „stark vereinfachte Modellrechnungen“ überzeichnet wird. „Das schadet dem Vertrauen in die Stabilität des Rentensystems und verunsichert die Menschen unnötig“, schreibt Roßbach.

Es werde der Eindruck vermittelt, dass selbst jahrzehntelange Arbeit in Vollzeit nicht vor Altersarmut schütze und eine zu geringe Rente unausweichlich sei. „Allerdings ist diese Darstellung nicht nur faktisch falsch. Sie verstellt auch den Blick auf die tatsächlichen Risiken für Altersarmut“, schimpft die DRV-Präsidentin. Das könne sich nachteilig auf die Bereitschaft auswirken, „den tatsächlichen Risiken für Altersarmut durch politische, ökonomische oder persönliche Entscheidungen entgegenzuwirken“. Die da wären Arbeitslosigkeit, geringe Löhne oder längere Phasen ohne Vollzeitbeschäftigung.

Ursache für das in der Öffentlichkeit erzeugte falsche Bild seien die stark vereinfachten Rechenmodelle. Roßbach: „Sie unterstellen, dass der betrachtete Personenkreis sein ganzes sozialversicherungspflichtiges Arbeitsleben lang ein und denselben Lohn erhält.“ Aus solchen unwahrscheinlichen Szenarien dürfe man keine typische finanzielle Rentensituation ableiten. „Wer künftige Renten realistisch schätzen will, muss die Versicherungsverläufe so ganzheitlich betrachten, wie sie im wirklichen Leben geschrieben werden: mit Karriereeffekten und mit Leistungen beispielsweise für Kindererziehung“, schreibt die Rentenexpertin weiter.

Unterschlage würden oft auch andere Einkommensquellen aus betrieblicher und privater Altersvorsorge. „Die über 65-Jährigen beziehen derzeit 61 Prozent ihres Alterseinkommensvolumens aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Rest ihrer Einnahmen stammt aus anderen Quellen“, klärt Roßbach auf.

Ein realistisches Bild der Einkommenslage von Rentnern vermittele der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2020. Danach hätten Ehepaare ein durchschnittliches Netto-Gesamteinkommen aus Alterssicherungsleistungen und zusätzlichen Einkommen von 2.907 Euro monatlich. Bei den alleinstehenden 65-Jährigen seien es bei Männern im Schnitt 1.816 Euro, bei Frauen 1.607 Euro.

„Diese im Schnitt gute Lage erklärt auch, warum vergleichsweise wenig Rentner im Alter Grundsicherung beziehen müssen – im Jahr 2022 waren es 2,8 Prozent. Der Anteil ist damit deutlich geringer als in der Gesamtbevölkerung (8 Prozent)“, schreibt Roßbach.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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Eine Antwort

  1. Die Babyboomer gehen jetzt erst in Rente, es haben in den Jahrgängen viele Teilzeitbeschäftigte eine eher geringe Rente erwirtschaftet und nicht alle haben Mietobjekte. Die Betriebsrente ist noch nicht überall angekommen. Eine Altersarmut wird kommen, das ist ja nun reine Mathematik, Geld in DRV ist ja endlich

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